Das ist passiert: Der 32-jährigen Waadtländer Staatsrätin (Mitte) wurde am Freitag das Dossier Finanzen und Steuern entzogen. Dabei hat Dittli nur das getan, was eine gute Finanzdirektorin tut: Sie hat sich um die Steuerzahler gekümmert und versucht, die im Gesetz verankerte Steuerobergrenze auch tatsächlich durchzusetzen. Dittli verkrachte sich dabei mit Marinette Kellenberger, die von Dittlis Vorgänger, dem jetzigen FDP-Ständerat Pascal Broulis, eingesetzte Chefin der Steuerbehörde. Kellenberger wollte Dittlis Anweisungen nicht befolgen. Dafür weinte sie sich bei der SP-Staatsrätin und Regierungskollegin von Dittli, Nuria Gorrite, aus. Von da an nahm das Unheil seinen Lauf:

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Jean Studer, ehemaliger SP-Ständerat, wurde von der bürgerlich dominierten Regierung als «neutraler» Gutachter eingesetzt und eine Untersuchung eingeleitet. Das Ergebnis: Sowohl die Amtschefin als auch Dittli hätten Fehler gemacht. Der Bericht zeigt, dass es sich um eine Auseinandersetzung zwischen Chefin und Untergebener handelte.
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Dazu kommt die öffentliche Abrechnung: Bei einer denkwürdigen Pressekonferenz marschierte die restliche Waadtländer Regierung geschlossen ein, während Dittli allein folgte. Wie der «Nebelspalter» aus guten Quellen erfahren hatte, war die Drahtzieherin dieser Abrechnung die Waadtländer Regierungspräsidentin Christelle Luisier (FDP), ebenfalls ein Ziehkind von Pascal Broulis. Sie hat nun die Kontrolle über das Finanzdepartement von Dittli übernommen.
- Broulis hatte als Finanzdirektor der Waadt oft Kompromisse mit SP und Gewerkschaften gemacht. Als Ständerat hat er es bereits auf die Liste der Schande des «Nebelspalters» geschafft.
Der Held-Faktor: Valérie Dittli hat versucht, die Steuereinnahmen ihres Kantons zu retten – prallte aber prompt an der Betonmauer einer linientreuen Verwaltung ab. Dittli steht für Prinzipien ein und kämpft für eine Verwaltung im Dienste der Bürger, nicht umgekehrt. Die junge Regierungsrätin hat begriffen, was viele ihrer Kollegen vergessen haben: Ohne wirtschaftlich erfolgreiche Steuerzahler ist der Wohlstand aller gefährdet. Das hat der Rest der Regierung, in der notabene drei FDPler sitzen, nicht begriffen.
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Es ist bemerkenswert, wie transparent die junge Politikerin vorging: Die externe Untersuchung wurde zwar von der Waadtländer Regierung angeordnet, allerdings auf Wunsch von Valérie Dittli selbst.
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Mit bemerkenswerter Standhaftigkeit trotzt Dittli dem Druck einer geschlossenen Front aus Gegnern – in der Verwaltung, wie auch im Staatsrat, von SP bis FDP.
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Statt opportunistisch einzuknicken, bleibt sie ihrem liberalen Kompass treu – ein seltenes Gut in der heutigen Politik.
Heuchelei von Links: Die Vorgänge um Valérie Dittli sind ein Lehrstück über die Doppelzüngigkeit der selbsternannten Gerechtigkeitsapostel. Die Linke, die sonst bei jeder Gelegenheit nach mehr Frauen und jungen Menschen in der Politik ruft, hat kein Problem damit, eine junge Frau zu demontieren, weil diese das falsche Parteibuch trägt und es wagt, das linke Dogma der Umverteilung in Frage zu stellen. Besonders enttäuschend: Die angeblich liberalen FDP-Staatsräte Christelle Luisier, Isabelle Moret und Frédéric Borloz entpuppten sich als wahre «Hösis»: Im entscheidenden Moment fielen sie ihrer bürgerlichen Kollegin in den Rücken. Statt für Steuergerechtigkeit und wirtschaftliche Freiheit einzustehen, machten sie gemeinsame Sache mit dem rot-grünen Lager. Wer sich mit dem Verwaltungsapparat anlegt, wird diszipliniert – eine Botschaft, die bei ambitionierten Nachwuchspolitikern ankommen dürfte.
