Wir kennen die Litanei: Nach Profit strebende Menschen belasten mit ihrem masslosen Energieverbrauch die Umwelt. Steigende Treibhausgasemissionen aus fossilen Quellen verursachen eine Erderwärmung mit verheerenden Folgen. Als einziger Ausweg bleibt nur der rasche und vollständige Verzicht auf Kohle, Öl und Gas: Nur mit Netto-Null-CO2 hat unsere Spezies noch Überlebenschancen.
Auch wenn es nicht immer so drastisch formuliert wird, bleibt das offizielle Narrativ im Kern doch ähnlich: Der sündhafte Mensch greift in die unberührte Natur ein, zerstört und verschmutzt die Umwelt, plündert Ressourcen und entfesselt immer schlimmere Naturkatastrophen.
Was wichtig ist:
Todesfälle wegen Naturkatastrophen haben massiv abgenommen
Doch diese meist ohne Begründung ständig wiederholte Erzählung ist fast in allen Aspekten falsch. Eine umfassende Widerlegung hat der amerikanische Philosoph und Energie-Experte Alex Epstein im Mai dieses Jahres in seinem Buch «Fossil Future» vorgelegt (siehe hier). Dabei kommt er zum Schluss, dass wir mit der wachsenden Nutzbarmachung fossiler Energieträger seit dem 19. Jahrhundert nicht nur unsere Lebensbedingungen im globalen Massstab beispiellos verbessert, sondern auch fast alle negativen Auswirkungen des Klimawandels abgemildert oder sogar ganz zum Verschwinden gebracht haben.
Zum zweiten Punkt habe ich hier schon mehrfach geschrieben: Die Todesfälle wegen Naturkatastrophen haben in den letzten Jahrzehnten trotz CO2-verursachter Klimaerwärmung massiv abgenommen (siehe hier und hier). Deshalb konzentriere ich mich hier ganz auf die erste Frage, die man so zusammenfassen könnte: Hat die Verwendung fossiler Energieträger zum Aufblühen und Gedeihen der Menschheit beigetragen (Epstein verwendet dafür den schönen Ausdruck «human flourishing»)?
Lebenserwartung und Einkommen steigen erst mit zunehmendem Kohleverbrauch
Die folgende Grafik, die ich Epsteins Buch entnommen habe (Figur 4.1), zeigt die zeitliche Korrelation der drei Wohlstandsindikatoren Lebenserwartung, Einkommen pro Kopf und Bevölkerungsentwicklung mit den steigenden CO2-Emissionen für die letzten 2000 Jahre im globalen Massstab. Epstein gibt dieser Grafik den Titel «The Hydrocarbons and Human Flourishing Hockey Sticks», also etwa «Die Hockeyschlägerkurven der Fossilen und des menschlichen Wohlstands».

Fast alle ignorieren den einmaligen Wohlstandsfortschritt
Tatsächlich ist die Übereinstimmung frappant: Während Jahrtausenden waren die Menschen arm, sie starben früh, und ihre Gesamtzahl blieb deshalb klein. Erst mit der industriellen Revolution im 19. Jahrhundert, also mit der zunehmenden Verwendung von Kohle und später Öl und Gas, setzt ein beispielloses Aufblühen und Gedeihen der Menschheit ein: Die durchschnittliche Lebenserwartung steigt von etwa dreissig auf über siebzig Jahre, und das Bruttosozialprodukt pro Kopf nimmt um rund das Zwanzigfache zu. Dadurch wird möglich, dass heute sechsmal mehr Menschen in viel besseren Verhältnissen leben können, als noch vor 200 Jahren (siehe hier).

Es ist verrückt, dass diese unglaubliche Erfolgsgeschichte in der Öffentlichkeit von vielen Menschen ignoriert wird – im eingangs erwähnten Narrativ jedenfalls ist sie völlig ausgeblendet. Aber auch wenn man anerkennt, dass dieser Wohlstandsfortschritt stattgefunden hat, ist mit der zeitlichen Korrelation allein noch nicht begründet, ob und wie die fossilen Energieträger ursächlich dazu beigetragen haben.
Eine Dampfmaschine übertrifft die Leistung des besten Nutztieres bei weitem
Um das zu verstehen müssen wir uns daran erinnern, dass wir Menschen Energie benötigen, um unsere elementaren Lebensbedürfnisse und alle weiteren Tätigkeiten zu befriedigen. Neben unserer eigenen Muskelkraft stand uns dafür bis zur Industriellen Revolution im Wesentlichen nur diejenige von Nutztieren und das Verbrennen von Holz und Abfällen zur Verfügung. Weil diese Ressourcen aber stark begrenzt waren, kam es immer wieder zu Versorgungskrisen und Hungersnöten, und neunzig Prozent der Menschen waren gezwungen, ihr ganzes Leben lang als Bauern hart zu arbeiten.
Noch immer sind 80 Prozent der verwendeten Energie fossil
Das änderte sich fundamental mit der Erschliessung fossiler Energien im 19. Jahrhundert. Eine mit Kohle befeuerte Dampfmaschine leistete ein Mehrfaches dessen, was bisher auch durch das stärkste Nutztier erbracht werden konnte. Zudem wurden die Anwendungsformen des Energieeinsatzes vielseitiger: Kohleenergie kam nicht nur bei den verschiedensten Industrieprozessen zum Einsatz, sondern diente auch zum Heizen von Gebäuden und für die Fortbewegung. Mit diesem Schub an zusätzlicher Energie steigerte sich die Produktivität jedes einzelnen Menschen um ein Mehrfaches, was durch ausgedehnte und intensivierte Handelsbeziehungen noch verstärkt wurde.
In Asien und Afrika leben viele Millionen Menschen in Armut und ohne Zugang zu Energie, die bisher nicht vom Aufblühen und Gedeihen der Menschheit profitieren konnten.
Aber auch weitere Meilensteine des Wohlstandsfortschritts der Menschheit wie die in den 1880er Jahren aufkommende Elektrifizierung und die Entdeckung des Haber-Bosch-Verfahrens, das nach dem ersten Weltkrieg zur industriellen Herstellung von Kunstdünger führte, wären ohne den Einsatz fossiler Energien nicht möglich gewesen. Auch heute noch sind sie bei Hochtemperaturprozessen in der Industrie sowie im Güterschwerverkehr unersetzlich. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass im Jahr 2021 gut 82 Prozent des weltweiten Primärenergieverbrauchs fossil waren.
Armut kann nur mit fossiler Energie bekämpft werden
Vergessen wir aber nicht, dass die hier gezeigten Wohlstandsindikatoren einen Weltdurchschnitt abbilden, und dass wir in der Schweiz weit darüber liegen. In vielen Entwicklungsländern in Asien und Afrika leben aber immer noch viele Millionen Menschen in grosser Armut und ohne Zugang zu lebensrettender Energie, die bisher in keiner Weise vom Aufblühen und Gedeihen der Menschheit profitieren konnten. Epstein führt dazu die über drei Milliarden Menschen an, die pro Kopf weniger Energie zur Verfügung haben, als ein amerikanischer Kühlschrank im Schnitt verbraucht.
Wenn es uns Ernst damit ist, diesen Menschen helfen zu wollen, dann müssen wir von der verheerenden Stigmatisierung und Verteufelung der Fossilen (aus Klimaangst) wegkommen. Denn nur mit zuverlässig steuerbarer, vielseitig einsetzbarer, überall verfügbarer und vor allem kostengünstiger Energie aus Kohle, Öl und Gas kann das in solchen Grössenordnungen gelingen.
Lesen Sie nächste Woche: Wie fossile Brennstoffe dazu beigetragen haben, die Folgen des Klimawandels zu bewältigen.
Ein Hoch auf Öl, Gas und Kohle! Siehe hier
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