Ein Hoch auf Öl, Gas und Kohle!

Ein Hoch auf Öl, Gas und Kohle!

Fossile Brennstoffe sind vielgeschmähte Energiequellen – gerade jetzt wieder im Abstimmungskampf um das CO2-Gesetz. Doch Öl, Gas und Kohle bilden das Rückgrat unseres Wohlstands und bewahren Milliarden von Menschen vor Armut und Hunger. Ein Ersatz ist nicht in Sicht.

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von Alex Reichmuth am 7.6.2021, 10:00 Uhr
Kohleabbau in Indonesien. Bild: Shutterstock
Kohleabbau in Indonesien. Bild: Shutterstock
Es ist zum Volkssport verkommen, über die fossilen Brennstoffe herzuziehen. Landauf, landab wettern Politiker, Aktivisten und Journalisten gegen Öl, Gas und Kohle. Diese Energiequellen sind in Verruf gekommen, weil sie das Klima schädigen sollen. Beim Verbrennen entsteht Kohlendioxid, das sich in der Atmosphäre anreichert. Das erwärmt die Erde.
Die Befürworter des CO2-Gesetzes, über das am 13. Juni abgestimmt wird, unternehmen alles, um fossile Brennstoffe in einem schlechten Licht erscheinen zu lassen. Auch die Händler dieser Produkte kommen schlecht weg. «Wenn wir das Gesetz ablehnen, hat die Erdölindustrie gewonnen», mahnte Umweltministerin Simonetta Sommaruga in einem Interview mit der «Sonntagszeitung». Es war ein wohl einmaliger Vorgang, dass eine Bundesrätin derart abschätzig über eine Branche spricht, die eine wichtige wirtschaftliche Stütze des Landes ist.

Es ist ein wohl einmaliger Vorgang, dass eine Bundesrätin derart abschätzig über eine Branche spricht, die eine wichtige wirtschaftliche Stütze des Landes ist.


Öl, Gas und Kohle sind des Teufels – diese Losung gilt auch im Ausland. Die Staaten überbieten sich mit Zielen, bis wann sie auf fossile Brennstoffe verzichten wollen. Dabei feiert die Öffentlichkeit jeden juristischen Sieg gegen einen Ölkonzern – wie in den Niederlanden gegen Shell – als Meilenstein auf dem Weg zur Weltrettung. Und für jede Forderung von Aktionären, die gegen den Ausstoss von CO2 gerichtet ist – wie bei Exxon Mobil in den USA – gibt es Applaus.

Zunahme von Öl und Gas

Es geht aber vergessen, welch ungeheuren Nutzen Öl, Gas und Kohle der Welt bringen. Über 80 Prozent des Energiekonsums auf diesem Planeten beruht auf fossilen Brennstoffen. Von einem Rückgang dieser Energieträger ist weit und breit nichts zu sehen. Gemäss dem «BP Statistical Review of World Energy 2020» hat der Verbrauch von Öl 2019 (dem letzten Jahr vor Corona) um 0,9 Prozent zugenommen. Erdgas wurde sogar 2 Prozent mehr verbraucht. Nur der Konsum von Kohle ging leicht um 0,6 Prozent zurück.
Der Erfolg der Fossilen kommt nicht von ungefähr. Denn der Einsatz von Kohle, Gas und Öl sind ein Segen für die Welt. Im 19. Jahrhundert wurde Kohle im grossen Stil zur Beheizung von Dampfkesseln und zum Betrieb von Dampfmaschinen eingesetzt. Damit konnte Holz als zentraler Energieträger abgelöst werden – zum Wohl der Natur. Wegen des Holzschlags waren viele Wälder abgeholzt oder zumindest arg dezimiert worden. Erst dank dem Einsatz von Kohle und später von Öl konnten die Wälder wieder wachsen.

Würde man Heizungen im grossen Stil auf Holz umrüsten, würde das den Rodungsdruck auf die Wälder im In- und Ausland drastisch erhöhen.


Es ist darum ein Witz, wenn der Bund ausgerechnet die Verfeuerung von Holz als bessere Alternative zu Öl und Gas propagiert. Denn würde man Heizungen im grossen Stil auf Holz umrüsten, würde das den Rodungsdruck auf die Wälder im In- und Ausland drastisch erhöhen. Die Umwelt würde leiden.

Produktion von Dünger und Plastik

Mit dem Einsatz der fossilen Brennstoffe ging ein unglaublicher wirtschaftlicher Aufschwung einher. Öl, Gas und Kohle bilden bis heute die Grundlage von wirtschaftlicher Prosperität und Wohlstand. Dank ihnen kann Energie in Massen produziert werden. Dank ihnen kann man hocheffizienten Dünger herstellen, der die Landwirtschaft revolutionierte. Und dank ihnen gelang die Produktion von Plastik, dessen Vorteile als Werkstoffe unübertroffen sind.
Der Einsatz von Öl, Gas und Kohle führte dazu, dass Milliarden von Menschen der Armut und dem Hunger entkommen sind. Und die Erfolgsgeschichte geht weiter: Schwellenländer wie China und Indien stellen heute im grossen Stil neue Kohlekraftwerke auf und schaffen so die Grundlage von Wohlstand und wirtschaftlicher Entwicklung für breite Bevölkerungskreise.

Fossile Brennstoffe weisen eine enorm hohe Energiedichte auf, sind einfach zu transportieren und problemlos zu lagern.


Fossile Brennstoffe sind darum so erfolgreich, weil sie als Energieträger durchschlagende Vorteile haben: Sie weisen eine enorm hohe Energiedichte auf, sind einfach zu transportieren und problemlos zu lagern. Damit sind sie auf der ganzen Welt verfügbar und können auch im hintersten Winkel der Welt Motoren und Turbinen antreiben.

Ersatz bis 2050 ist nicht zu schaffen

Andere Energiequelle, die ähnliche Vorteile wie Öl, Kohle und Gas haben und diese im grossen Stil ablösen könnten, sind nicht in Sicht – allen Unkenrufen zum Trotz. Die vielbeschworenen erneuerbaren Energien wie Wind- und Solarstrom sind viel zu unergiebig und zu unstetig, als dass sie einen tragende Stütze des Weltenergiekonsums bilden könnten. Wasserstoff und Biokraftstoffe, die aufwändig produziert werden müssen, sind höchstens für Nischen geeignet. Die Atomkraft ist zwar eine zuverlässige Quelle von Bandenergie. Aber so schnell kann die Atomkraft gar nicht ausgebaut werden, als dass sie bis in wenigen Jahrzehnten die fossilen Brennstoffe ersetzen könnte.
Der amerikanische Forscher Roger Pielke Jr. hat vorgerechnet, welche Herausforderungen es bedeutet, die fossilen Brennstoffe bis 2050 abzulösen. Es müssten alle zwei Tage drei neue Atomkraftwerke in Betrieb genommen werden. Bis 2050. Oder es müssten 1500 neue Windräder aufgestellt werden. Jeden Tag. Das ist nicht zu schaffen. Selbst wenn man heute die perfekte Energieform hätte, die alle Vorteile der fossilen Brennstoffe aufweist, nicht aber deren Nachteile: Man käme nicht nach mit dem Ersatz bis in 30 Jahren.

Um fossile Brennstoffe bis 2050 zu ersetzen, müssten man 1500 Windräder aufstellen. Jeden Tag.


Ein Verzicht auf Öl, Kohle und Gas bis Mitte des Jahrhunderts würde darum bedeuten, dass die Energie ausgeht. Ohne Energie aber würde die Welt in Hunger und Armut versinken. Flüchtlingsströme und Verteilungskämpfe wären die Folge. Die Auswirkungen wären wohl schlimmer als die jeder Klimakatastrophe. Darum ist auch die kürzliche Empfehlung der Internationalen Energieagentur, fortan auf die Erschliessung neuer Öl- und Gasfelder zu verzichten, verantwortungslos.

Die Menschen würden Widerstand leisten

Es gibt aber keine Gewalt dieser Erde, die radikalen Klimaschutz durchsetzen kann – keine Regierung, keine Armee. Die Menschen würden vorher dagegen auf die Barrikaden steigen und Widerstand leisten. An die Folgen des Klimawandels, sofern dieser wirklich hauptsächlich durch Verbrennen der Fossilen ausgelöst ist, wird sich die Menschheit jedoch anpassen müssen – zwangsläufig.
Das fossile Zeitalter wird noch eine ganze Weile andauern. Ein Ende der Vorräte ist jedenfalls nicht in Sicht. Das Gerede vom «Peak Oil», dem Ölfördermaximum, das noch vor einigen Jahren überall zu hören war, ist verstummt. Dank neuen Fördertechnologien wie dem Fracking haben sich die Vorräte an Öl und Gas vervielfacht. Und Kohle hat es sowieso noch für mehrere Jahrhunderte im Boden.

Das Gerede vom «Peak Oil», dem Ölfördermaximum, das noch vor einigen Jahren überall zu hören war, ist verstummt.


«Das Zeitalter von Erdöl und Kohle geht zu Ende», behauptete Simonetta Sommaruga im erwähnten Interview in der «Sonntagszeitung». «Diese Energieträger haben keine Zukunft mehr.» Die Bundesrätin könnte sich noch täuschen.

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