Die Themen diese Woche:
- Der deutsche Kanzler glaubt, dass der erste Kernfusions-Strom aus seinem Land kommt
- Simmentaler Gemeinden opponieren gegen den geplanten Rückbaus eines Wasserkraftwerks
- Schweizer Experte: Erderwärmung ist gut für den Weinbau
- Greenpeace projiziert einen Totenkopf auf das AKW Gösgen
Der deutsche Kanzler ist überzeugt, dass der erste Kernfusions-Strom aus seinem Land kommt
Worum geht es?
- Deutschland solle «den ersten Fusionsreaktor der Welt ans Netz nehmen». Das hat der deutsche Kanzler Friedrich Merz (CDU) verkündet. Er ist überzeugt, dass das schon in zehn bis zwanzig Jahren der Fall sein könnte (siehe hier).
- Gleichzeitig bezeichnete Merz die Windkraft als «Übergangstechnologie», die Deutschland «zehn Jahre, 20 Jahre, vielleicht 30 Jahre begleiten» werde – und schreckte damit die Promotoren der Energiewende auf. Einen Tag zuvor hatte der Kanzler aber zusammen mit neun anderen Ländern einen Vertrag unterzeichnet, der den Ausbau der Offshore-Windkraft bis 2050 enorm voranbringen will. Er wolle die Nordsee zum «grössten Reservoir sauberer Energie weltweit» machen, hatte Merz verkündet (siehe hier).
- Friedrich Merz hat zudem den vollzogenen Atomausstieg Deutschlands vor kurzem als «schweren strategischen Fehler» bezeichnet (siehe hier). Allerdings hat er seit Beginn seiner Kanzlerschaft im letzten Frühling nichts unternommen, um die Wiederinbetriebnahme der zuvor abgeschalteten Kernkraftwerke auch nur zu prüfen – obwohl er genau das vor den Bundestagswahlen letztes Jahr in Aussicht gestellt hatte (siehe hier).
- «Wir halten an der Option Kernenergie fest», hiess es damals seitens der CDU. Passiert ist diesbezüglich aber gar nichts – obwohl die CDU die Regierung anführt.
Kommentar: Man weiss nicht, ob man lachen oder weinen soll. Kernfusion für die Stromgewinnung nutzbar zu machen, ist eine der grössten technologischen Herausforderungen, vor der die Menschheit je stand. Und Friedrich Merz ist tatsächlich überzeugt, dass dies ausgerechnet in Deutschland zuerst gelingen wird? In einem Land, das seit langem durch eine ausgeprägte Technologiefeindlichkeit auffällt und hoffnungsvolle Forschungssparten wie Atomkraft oder Gentechnik längst vertrieben hat? In einem Land, das ohne Not seine tadellos funktionierenden Kernkraftwerke abgerissen hat, die «dümmste Energiepolitik der Welt» («Wall Street Journal», siehe hier) betreibt und immer weniger wettbewerbsfähig ist?
Angesichts der irrlichternden Aussagen von Merz zur Energiepolitik muss man annehmen, dass dessen Verzweiflung über die Situation in der Regierung grenzenlos ist. Er hat sich, um sein Lebensziel Kanzlerschaft zu erreichen, an die Koalitionspartnerin SPD gebunden und ist damit quasi einen Pakt mit dem Teufel eingegangen. Diese «Partnerin» will natürlich von allem nichts wissen, was ausreichend günstigen Strom verspricht – sei es nun Atomkraft oder Kernfusion –, denn Energie im Überfluss würde ja den angestrebten sozialistischen Umbau der Gesellschaft gefährden. Also sind der CDU die Hände gebunden. Armer Friedrich Merz!
Simmentaler Gemeinden opponieren gegen den geplanten Rückbaus eines Wasserkraftwerks

Worum geht es?
- Die fünf Simmentaler Gemeinden Wimmis, Erlenbach, Oberwil, Därstetten und Boltigen haben dem Kanton Bern in einem Offenen Brief die Zusammenarbeit bei der Erarbeitung des Gewässerrichtplans Simme aufgekündigt (siehe hier). Bei diesem Richtplan geht es um die Regelung der Nutzung des Flusses Simme, die Planung von Massnahmen zum Schutz vor Hochwasser und eine ökologische Aufwertung.
- Grund für das scharf formulierte Schreiben ist, dass der Kanton zusammen mit dem Energieunternehmen BKW und den Umweltorganisationen beschlossen hat, das Wasserkraftwerk Simmewehr bei Wimmis zurückzubauen (siehe hier). Dieser Abriss sei «weder energiepolitisch noch wirtschaftlich nachvollziehbar», halten die fünf Gemeinden fest.
- Die Gemeinden sistieren darum die Mitarbeit beim Gewässerrichtplan Simme und beteiligen sich ab sofort weder finanziell noch personell daran. Die Erarbeitung dieses Richtplans begann 2022 und sollte insgesamt rund sechs Jahre dauern.
- Der Abriss des Simmerwehrs sei nicht nur wegen der Verlustes von jährlich bis zu fünf Gigawattstunden Strom unsinnig, heisst es im Brief, sondern auch, weil die damit verbundene Absenkung des Wasserspiegels hinter der Staumauer einen ökologisch wertvoller Lebensraum schädige. Dabei soll doch das Simmewehr gerade im Interesse der Natur verschwinden – konkret, um den Fluss an dieser Stelle durchgängig für Fische zu machen.
- Als Bedingung für eine weitere Mitarbeit beim Richtplan verlangen die fünf Gemeinden, die Rückbaupläne sofort zu stoppen, die Versorgungssicherheit zu priorisieren und sie künftig bei Entscheiden frühzeitig einzubeziehen. Denn die Gemeinden haben aus der Presse vom geplanten Abriss erfahren.
Kommentar: Ich habe im Dezember über den geplanten Rückbau des Simmewehrs berichtet und geschrieben, diese Massnahme sei das Resultat einer «Erpressung» der beteiligten Umweltorganisationen mittels des Verbandsbeschwerderechts (siehe hier). Das brachte mir einige erzürnte Rückmeldungen ein. Doch die Gegenwehr der Simmentaler Gemeinden gibt mir nun recht: Dieser Rückbau ist unsinnig. Die Beteiligten (Kanton, Energieunternehmen) haben dazu nur Ja gesagt, weil die Umweltorganisationen im Gegenzug versprachen, ihren Widerstand gegen den Bau des Wasserkraftwerks Trift und die Erhöhung der Grimselstaumauer aufzugeben. Insofern sorgt der Offene Brief nun dafür, dass solche schädlichen Kuhhandel ins Bewusstsein der Öffentlichkeit dringen.
Schweizer Experte: Erderwärmung ist gut für den Weinbau

Worum geht es?
- Der Klimawandel habe in unseren Breitengraden bis jetzt einen «positiven Effekt» auf die Qualität der Weine. Das hat der Weinhändler Philipp Schwander, auch als «Weinpapst» bezeichnet, in einem Interview in den CH-Media-Zeitungen gesagt (nur im Print verfügbar).
- Schwander argumentierte so: «Das Problem, das man früher hatte, dass die Trauben zu wenig Zucker enthielten oder die Reife nicht ausreichend ist, kennt man heute nicht mehr.» Heute bestehe eher das Problem, dass man die Trauben nicht zu spät lesen darf, damit sie nicht überreif werden.
- Philipp Schwander fühlte sich verpflichtet, dem Narrativ des schlimmen Klimawandels dennoch zu huldigen: Wenn es so weitergehe mit der Erwärmung, fügte er an, «dann kippt es irgendwann ins Negative». In gewissen heissen Gegenden sei der Rebbau dann kaum mehr möglich.
- Allerdings, so ergänzte der Weinexperte, «ich würde nicht zu sehr schwarzmalen». Denn: «Winzer wissen heutzutage besser, wie man mit dem Klima umgeht, und – wie mir viele versicherten – die Rebe passt sich auch an.»
Kommentar: Die Aussagen von Philipp Schwander zeigen zwei Dinge. Erstens: Der Klimawandel hat – man höre und staune – auch positive Folgen (siehe hier). Es ist sogar nicht nur beim Weinbau, sondern bei vielen anderen landwirtschaftlichen Kulturen zu erwarten, dass diese wegen höherer Temperaturen mehr Ertrag abwerfen. Zweitens: Der Mensch kann sich an veränderte klimatische Bedingungen anpassen. Die Winzer lernen dazu, wie sie ihre Reben angesichts mehr warmer Tage behandeln müssen, um gute Ernten zu erzielen. Auch in der übrigen Landwirtschaft werden die Bauern allfällige Nachteile wegen des Klimawandels nicht einfach hinnehmen, sondern kreativ – und erfolgreich – nach Lösungen Ausschau halten.
Um zum Schluss noch dies:

Greenpeace hat wieder zugeschlagen: Zu nächtlicher Stunde hat die Umweltorganisation einen Totenkopf auf den Kühlturm des Kernkraftwerks Gösgen projiziert. Sie prangerte damit «die jahrzehntelange Verschleierung» einer angeblichen Sicherheitslücke in Gösgen an und suggerierte tödliche Gefahren für die Bevölkerung (siehe hier).
Das Kernkraftwerk steht seit letztem Sommer still, nachdem das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (Ensi) den Einbau von gedämpften Rückschlagklappen im Speisewassersystem des Betriebs angeordnet hat (siehe hier). Weil solche Klappen aber nicht sofort auf dem Markt erhältlich sind, geht das AKW voraussichtlich erst in einigen Tagen wieder ans Netz.
Ich habe zu den Gründen dieses Betriebsunterbruchs bereits früher recherchiert. Fachleute sagten mir, dass es unverhältnismässig sei, das Kraftwerk so lange stillstehen zu lassen. Denn ein Risiko für die Bevölkerung sei auch mit viel böser Fantasie nicht auszumachen. Doch das Ensi wollte keinesfalls in die Kritik geraten, die Sicherheit zu vernachlässigen, und ging auf Tutti.
Nun nutzt Greenpeace diese Übervorsicht zielsicher aus und leitet aus dem monatelangen Stillstand ab, dass es da gravierende Gefahren gibt. Es ist ein Lehrstück, wie trickreich die Atomgegner vorgehen.
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Alex Reichmuth
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