Klima und Energie #2 – der Nebelspalter-Newsletter von Alex Reichmuth

Windkraft-Initiativen, alpine Solaranlagen und klimaneutrale Schifffahrt

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28.10.2025
Nur 28 Tage bis zur Ablehnung durch den Bundesrat: Elias Vogt, Präsident von Freie Landschaft Schweiz, bei der Einreichung der beiden Initiativen gegen Windkraft am 25. September 2025. Bild: Keystone
Nur 28 Tage bis zur Ablehnung durch den Bundesrat: Elias Vogt, Präsident von Freie Landschaft Schweiz, bei der Einreichung der beiden Initiativen gegen Windkraft am 25. September 2025. Bild: Keystone

Newsletter «Klima und Energie»

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Alex Reichmuth
alex.reichmuth@nebelspalter.ch

Rösti fertigt die Anti-Windkraft-Initiativen rekordschnell ab

Worum geht es?

  • Gerade einmal 28 Tage hat es gedauert, bis der Bundesrat seine Ablehnung von zwei Volksinitiativen gegen Windräder bekannt gegeben hat (siehe hier). Die Initiativen waren erst am 25. September eingereicht worden (siehe hier). Normalerweise braucht die Regierung viele Monate oder sogar ein Jahr Zeit, um sich zu einem eingereichten Volksbegehren zu äussern. Die Hopp-Hopp-Abfertigung dürfte auf Drängen des Energieministers Albert Rösti (SVP) erfolgt sein.

  • Die Initiativen kommen von den Windkraftgegnern des Verbandes Freie Landschaft Schweiz (FLCH, siehe hier) unter Führung ihres Präsidenten Elias Vogt. Die «Waldschutz-Initiative» verlangt, dass künftig keine Windräder mehr im Wald und im Abstand von weniger als 150 Metern dazu gebaut werden dürfen. Die «Gemeindeschutz-Initiative» will, dass es beim Bau von Windrädern immer die Zustimmung der Standortgemeinde und der betroffenen Nachbargemeinden braucht (siehe hier).

  • Die Annahme der Initiativen hätte «schwerwiegende Auswirkungen auf den Ausbau der Windenergie» in der Schweiz, begründete der Bundesrat seine Ablehnung. Die Windenergie könnte in diesem Fall keinen angemessenen Beitrag zur Versorgungssicherheit leisten. Darum wolle die Regierung rasch Klarheit über den Ausgang dieser Initiativen erhalten.

  • FLCH widersprach: «Windkraftanlagen bleiben deutlich ausserhalb von Wäldern und mit Zustimmung der Betroffenen möglich.» Damit sei es weiterhin möglich, die Schweizer Energieversorgung breit gefächert zu sichern (siehe hier). 

Kommentar: Für Albert Rösti stellen die beiden Initiativen eine Bedrohung dar, denn ihre Annahme würde den Bau von Windrädern wesentlich erschweren. Doch genau das muss das Ziel sein. Denn die Schweiz ist kein Windland, und die Stromerträge aus der Windkraft werden hierzulande bescheiden bleiben (siehe hier). Und bei Flaute gibt es überhaupt keinen Strom. Die Windkraft kann darum kaum etwas zur Versorgungssicherheit beitragen. Es lohnt sich jedenfalls nicht, wegen etwas «Flatterstrom» einmalig schöne Landschaften zu verschandeln.

Die bisher grösste alpine Solaranlage geht ans Netz

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Anlage über 42 Fussballfelder: Sedrun Solar. Bild: Alex Reichmuth

Worum geht es?

  • In der bündnerischen Gemeinde Tujetsch ist mit «Sedrun Solar» die bisher grösste alpine Solaranlage der Schweiz ans Netz gegangen (siehe hier).

  • Laut den Betreibern soll die Anlage im Endausbau jährlich 29 Gigawattstunden Strom liefern – was rechnerisch dem Bedarf von 6500 Haushalten entspricht (siehe hier und hier). 

  • Derzeit stehen aber erst 15 Prozent der Anlage. Fertig werden soll sie 2028. Dann soll eine Fläche von 42 Fussballfelder überbaut sein.

  • Bereits seit Ende September ist mit «Madrisa Solar» oberhalb von Klosters GR die erste (freistehende) alpine Photovoltaikanlage der Schweiz in Betrieb. Sie soll bis in zwei Jahren 17 Gigawattstunden pro Jahr liefern. Derzeit erstreckt sich die Anlage über eine Fläche von rund vier Fussballfeldern. Wie das aussieht, hat der «Nebelspalter» hier dokumentiert.

  • Der Stromertrag der beiden Solar-Grossanlagen wirkt aber bescheiden im Vergleich zu dem des Atomkraftwerks Gösgen. Dieses liefert jährlich 8050 Gigawattstunden, was 474-mal mehr ist als bei «Madrisa Solar» im Endausbau und 278-mal mehr als bei «Sedrun Solar» im Endausbau.

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Grafik: Nebelspalter

Kommentar: Wie Windräder liefern auch alpine Solaranlagen nur wenig Strom, verglichen mit der Landschaftszerstörung, die damit einhergeht. Zwar ist es richtig, dass solche Anlagen etwas mehr des begehrten Winterstroms bringen als Photovoltaikanlagen auf Dächern im nebligen Unterland. Aber auch hier fehlt der Strom, wenn es dunkel ist oder schlechtes Wetter herrscht. Dann muss irgendein Backup-Kraftwerk bereitstehen, damit es nicht zu einem Blackout kommt. Darum ist es sinnvoller und viel billiger, statt Photovoltaik von Anfang an eine zuverlässige Stromproduktion vorzusehen – am besten in Form neuer Atomkraftwerke.

CO₂-neutrale Schifffahrt ist eine Illusion – Trump hin oder her

Worum geht es?

  • Die International Maritime Organization (IMO, siehe hier) hat die Einführung strenger CO₂-Regeln um mindestens ein Jahr verschoben (siehe hier). Dieser Entscheid steht dem Beschluss der Organisation vor zwei Jahren entgegen, die weltweiten Schiffstransporte bis 2050 klimaneutral zu betreiben (siehe hier).

  • Der «Tages-Anzeiger» hat die Verschiebung der Regeln unter dem Titel «CO₂-neutrale Schifffahrt? Nicht mit Trump» zum Thema gemacht (siehe hier). Der Artikel ist  mit einem Bild des US-Präsidenten in einer arrogant wirkenden Pose illustriert. Die Zeitung führte die Verschiebung auf den Druck der US-Regierung gegen neue CO₂-Regeln zurück.

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Auf Donald Trump kommt es für einmal nicht an: Artikel des «Tages-Anzeigers» zum Klimagas-Ausstoss der Schifffahrt. Bild: Nebelspalter
  • Generell will die IMO das Netto-Null-Ziel im Wesentlichen durch eine Umstellung des Schiffsantriebs von Diesel und Schweröl auf klimaneutrale Treibstoffe wie Wasserstoff, Ammoniak und Methanol erreichen (siehe hier). 

  • Technologisch ist das zwar möglich. Doch diese Treibstoffe stehen bisher nur in sehr kleinen Mengen zur Verfügung. Zudem kosten diese Alternativen heute drei- bis sechsmal so viel wie fossile Treibstoffe.

  • Grosse Hochseeschiffe sind im Schnitt etwa 25 Jahre im Einsatz. Wenn die Schifffahrt also bis 2050 klimaneutral sein will, dürfen ab sofort nur noch Schiffe mit CO₂-neutralem Antrieb in Betrieb genommen werden. Das ist aber wegen der fehlenden Verfügbarkeit und der katastrophalen Wirtschaftlichkeit der klimaneutralen Treibstoffe unmöglich.

Kommentar: Die globale Hochseeschifffahrt wird das Netto-Null-Ziel bis 2050 auf jeden Fall meilenweit verfehlen. Ob Donald Trump heute gegen strengere Regeln kämpft oder nicht, spielt gar keine grosse Rolle.

Um zum Schluss noch dies:

Peter Bodenmann, wortgewaltiger Ex-Präsident der SP, hat in der Gewerkschaftszeitung «Work» gegen das Walliser Wasserkraftprojekt «Gornerli» vom Leder gezogen (nur auf Papier verfügbar). Der geplante Stausee ist der wichtigste Teil der 16 Wasserkraftprojekte, mit denen die Schweiz die Stromversorgung im Winter sichern will (siehe hier). «Niemand darf einen Gletscher unter Wasser setzen», schrieb Bodenmann nun, weil mit dem Projekt eine beträchtliche Menge an Eis geflutet würde.

Der frühere SP-Politiker hat vor einigen Jahren den Anstoss zum gigantischen Projekt «Grengiols-Solar» im Wallis gegeben. Er schlug vor, fünf Quadratkilometer schönster Berglandschaft mit Solarpanels zu überbauen und suggerierte, die Schweiz komme mit solchen Projekten zu ausreichendem Strom (siehe hier). Doch «Grengiols-Solar» schrumpfte immer weiter zusammen und ist aufgrund planerischer Schwierigkeiten bis heute nicht verwirklicht (siehe hier). Man bekommt den Eindruck nicht los, dass Bodenmann mit seinem Gepolter gegen das «Gornerli» von seinen geplatzten Solarträumen ablenken will.

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Will er nur von seinen geplatzten Solarträume ablenken? Der ehemalige SP-Präsident Peter Bodenmann. Bild: Keystone

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