Eurovision Song Contest

Nemo will Israel vom ESC ausschliessen – Israelitischer Gemeindebund sieht Stimmung weiter angeheizt

«Ich unterstütze den Aufruf zum Ausschluss Israels vom Eurovision Song Contest.» Der letztjährige Gewinner des ESC positioniert sich klar. Bild: Keystone
«Ich unterstütze den Aufruf zum Ausschluss Israels vom Eurovision Song Contest.» Der letztjährige Gewinner des ESC positioniert sich klar. Bild: Keystone

Die Fakten: Der letztjährige Schweizer Gewinner des Eurovision Song Contests will Israel von der diesjährigen Ausgabe des Musikwettbewerbs ausschliessen. 

Warum das wichtig ist: Während der Wettbewerb in Basel bevorsteht, sorgt die Teilnahme Israels für heftige Debatten. Nemo positioniert sich nun klar: Israel soll nicht teilnehmen.

Was Nemo zur «Huffington Post» gesagt hat:

  • «Ich unterstütze den Aufruf zum Ausschluss Israels vom Eurovision Song Contest.»

  • «Ich persönlich finde, dass es keinen Sinn macht, dass Israel an dieser Eurovision teilnimmt. Und an der Eurovision im Allgemeinen im Moment.»

  • «Das Vorgehen Israels steht in fundamentalem Widerspruch zu den Werten, die die Eurovision zu verteidigen vorgibt – Frieden, Einheit und Achtung der Menschenrechte.»

Weitere Kritik Nemos: Die neuen ESC-Regeln verbieten auf der Bühne alle Flaggen ausser der jeweiligen Landesflagge – auch Pride-Flaggen. 

  • Nemo nennt das «stupid as fuck» und sieht dadurch die queere Identität des Wettbewerbs bedroht. 

  • Im Vorjahr hat sich Nemo dazu entschieden, die nicht-binäre Flagge in den Wettbewerb «einzuschmuggeln».

Organisatoren verteidigen Vorgehen: Als Reaktion auf die Äusserungen schreiben die Organisatoren, dass der ESC eine «unpolitische Musikveranstaltung» sei und kein Wettbewerb zwischen Regierungen. 

  • Israel erfülle die Teilnahmebedingungen, daher gebe es keinen Grund für einen Ausschluss, so die Europäische Rundfunkunion (EBU).

Der «Nebelspalter» hat den Schweizerischer Israelitischer Gemeindebund SIG mit Nemos Anschuldigungen konfrontiert. Generalsekretär Jonathan Kreutner schreibt dazu:

  • «Wir bedauern Nemos Aussagen sehr. Der ESC soll Menschen verbinden, nicht spalten – gerade in schwierigen Zeiten. Israel gehört seit Jahrzehnten selbstverständlich dazu. Wenn nun auch Nemo als Gesicht des ESC in der Schweiz einen Ausschluss fordert, bekommt die Debatte natürlich zusätzliches Gewicht.»
  • «Umso wichtiger ist es, dass Prominente Verantwortung übernehmen und differenzieren: Kritik an Politik ist legitim, aber pauschale Forderungen wie ein Ausschluss heizen die Stimmung weiter auf, statt zu deeskalieren. Das ist nicht im Sinne von Dialog, Verständigung und den Werten des ESC. Wir würden uns hier wirklich mehr Verantwortungsbewusstsein von Nemo wünschen.»

Israel warnt: Anlässlich des Eurovision Song Contests in Basel hat der Nationale Sicherheitsrat Israels eine Reisewarnung ausgesprochen. 

  • In einer Mitteilung vom Donnerstag heisst es, aufgrund der hohen medialen Aufmerksamkeit sei nicht auszuschliessen, dass der ESC Ziel terroristischer Aktionen werden könnte.

Meine Einschätzung: Die Forderung Nemos, Israel vom ESC auszuschliessen, ist eine Ungeheuerlichkeit – besonders vor dem Hintergrund, dass der Wettbewerb dieses Jahr in Basel stattfindet, einer Stadt mit grosser historischer Bedeutung für das jüdische Volk. Es ist irritierend, dass ausgerechnet Nemo, der sich selbst darüber beklagt hat, dass der ESC politisiert wird und dass er als Künstler nicht auf seine Musik reduziert werde, nun selbst mit einer klar politischen Forderung vorprescht. Dass er sogar Interviews abgebrochen hat, um kritischen Fragen aus dem Weg zu gehen, zeigt, dass er nicht bereit ist, sich einer offenen Debatte zu stellen. Nun aber verlangt er, ein Land vom Wettbewerb auszuschliessen – das ist nicht nur inkonsequent, sondern auch heuchlerisch. Als Schweizer muss man sich für ein solches Verhalten schämen. Hoffentlich findet seine Forderung kein Gehör. Der ESC in der Schweiz sollte ein Fest der Musik, der Vielfalt und der Verständigung bleiben – keine Bühne für spaltende politische Statements und schlechte Schlagzeilen.

Hinweis: Die erste Version erschien ohne Statement des SIG. In der Zwischenzeit hat die Redaktion dieses erhalten und den Artikel entsprechend ergänzt.

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