Wegen Übernahme von EU-Recht

Meta lanciert künftige KI-Modelle nicht mehr in der Schweiz

Das Meta-Logo, ausgestellt während des 51. Jahrestreffens des Weltwirtschaftsforums (WEF) in Davos, am Donnerstag, 26. Mai 2022. Bild: Keystone
Das Meta-Logo, ausgestellt während des 51. Jahrestreffens des Weltwirtschaftsforums (WEF) in Davos, am Donnerstag, 26. Mai 2022. Bild: Keystone

Die Fakten: Meta, der Anbieter von Facebook, Instagram und WhatsApp, wird in den kommenden Monaten ein neues Modell für künstliche Intelligenz (KI) der nächsten Generation in seine Llama-Reihe integrieren.

  • Das neue Modell soll weltweit eingeführt werden, jedoch nicht in der EU, da das europäische Regelungsumfeld «nicht vorhersehbar» sei.

  • Aus demselben Grund wird das neue Llama-Modell auch nicht in der Schweiz erhältlich sein, wie ein Sprecher von Meta gegenüber dem «Nebelspalter» bestätigte.


Warum das wichtig ist: Die EU hat sich unter anderem mit der EU-Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) als globaler Standardsetzer für die Regulierung im Internet positioniert.

  • Der Schritt von Meta unterstreicht die wachsende Bereitschaft von US-Technologiegiganten, ihre Produkte europäischen Kunden aufgrund dieses Gesetzes vorzuenthalten.

  • Die Schweiz hat den EU-Datenschutz übernommen und läuft nun wie die EU Gefahr, von der Technologie der Zukunft abgeschnitten zu werden.

O-Ton Meta: «Wir werden in den nächsten Monaten ein multimodales Llama-Modell auf den Markt bringen, allerdings nicht in der EU, da das europäische regulatorische Umfeld nicht vorhersehbar ist».

  • Dazu gehören laut Meta der EWR-Raum und die Schweiz, wie ein Sprecher gegenüber dem «Nebelspalter» erklärt.


Neue Generation von KI: Die neuen sogenannten multimodalen KI-Modelle sind in der Lage, wie ein Mensch zu verstehen, zu lernen und Wissen auf eine Vielzahl von Aufgaben anzuwenden.

  • Im Gegensatz zu textbasierten Modellen wie ChatGPT 3, die auf einen Text-Input mit Text antworten können, kann eine multimodale KI beispielsweise ein Bild als Input akzeptieren und einen Ton als Output abspielen.

  • Sie werden dazu mit grossen Textmengen und anderen Datentypen wie Bildern, Videos oder Audioaufnahmen trainiert. 

  • Auf diese Weise können die Modelle neue Muster und Zusammenhänge zwischen Textbeschreibungen und den zugehörigen Bildern, Videos oder Audioaufnahmen lernen.

Zwischen den Zeilen: Gerade weil diese neuen Modelle mit grossen Datenmengen trainiert werden müssen, stellt sich für Meta das Problem, wie das Unternehmen Modelle mit Daten europäischer Kunden trainieren und gleichzeitig die Datenschutzgrundverordnung einhalten kann.

  • Meta betont, wie wichtig es ist, künstliche Intelligenz mit Daten aus den jeweiligen Ländern zu trainieren, wo sie am Ende auch gebraucht wird.


​​O-Ton Meta: «Wenn wir unsere Modelle nicht anhand der öffentlichen Inhalte trainieren, die Europäer in unseren und anderen Diensten teilen, wie z. B. öffentliche Beiträge oder Kommentare, dann werden die Modelle und die von ihnen angetriebenen KI-Funktionen wichtige regionale Sprachen, Kulturen oder aktuelle Themen in den sozialen Medien nicht richtig verstehen.»

Die Vorgeschichte: Meta kündigte im Mai an, öffentliche Posts von Facebook- und Instagram-Nutzern für das Training künftiger Modelle zu verwenden. 

  • Meta sagt, es habe mehr als 2 Milliarden Benachrichtigungen an Nutzer in der EU verschickt, um ihnen die Möglichkeit zu geben, sich abzumelden und im Juni mit dem Training zu beginnen.

  • Meta hat nach eigenen Angaben die EU-Regulierungsbehörden bereits Monate vor der öffentlichen Ankündigung informiert und nur minimale Rückmeldungen erhalten, die es nach eigenen Angaben berücksichtigt hat.

  • Im Juni – nach der öffentlichen Ankündigung der Pläne – wurde Meta angewiesen, die Schulungen zu EU-Daten zu unterbrechen. Einige Wochen später erhielt das Unternehmen Dutzende von Anfragen von Datenschutzbehörden aus der ganzen Region.

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