Ein internationales Netzwerk aus Professoren, Forschern und Wissenschaftsjournalisten wirft dem Weltklimarat IPCC vor, den Stand der Erkenntnisse zum Klimawandel einseitig wiederzugeben und damit die Öffentlichkeit in die Irre zu führen. Die Vorwürfe kommen von der Climate Intelligence Foundation (Clintel), einer Stiftung, die 2019 in den Niederlanden gegründet wurde (siehe hier).
Experten der Clintel-Foundation haben die Publikationen des IPCC aus dem sechsten Zyklus, der seit 2018 im Gang ist, unter die Lupe genommen. Darunter sind insbesondere der Sechste Sachstandsbericht (bestehend aus mehreren Teilberichten), aber auch drei frühere Spezialberichte. Insgesamt umfassen diese Publikationen rund 10’000 Seiten (siehe hier).
Was wichtig ist:
Clintel hat dabei die zentralen Aussagen bestimmter Kapitel der IPCC-Berichte auf ihren wissenschaftlichen Gehalt überprüft. Das Resultat lautet, dass es in jedem untersuchten Kapitel «Verzerrungen und gravierende Fehler» gebe. Die Stiftung hat die Erkenntnisse in einem 180-seitigen Bericht mit dem Titel «Die eingefrorene Sicht des IPCC auf das Klima» («The Frozen Climate Views of the IPCC») veröffentlicht (siehe hier). Vorsitzender des Weltklimarats ist seit 2015 der südkoreanische Ökonom Hoesung Lee.
«Enorme Voreingenommenheit zugunsten schlechter Nachrichten»
Mitgeschrieben am Clintel-Bericht haben unter anderem Nicola Scafetta, italienischer Professor für Atmosphärenphysik, Ole Humlum, norwegischer Professor für Physikalische Geographie, und Ross McKitrick, kanadischer Professor für Ökonomie. Auch der amerikanische Wissenschaftsjournalist Kip Hansen oder der deutsche Chemiker Fritz Vahrenholt zählen zu den Co-Autoren (Interview mit Vahrenholt: siehe hier und hier).
Der Clintel-Bericht sei vermutlich «die erste seriöse internationale Bewertung» des Sechsten Sachstandsberichts des IPCC, heisst es seitens der Stiftung. Dabei habe Clintel aufzeigen können, dass der Weltklimarat unter anderem die Klimageschichte umschreibe, unplausible Worst-Case-Szenarien hervorhebe, eine enorme Voreingenommenheit zugunsten schlechter Nachrichten aufweise und gute Nachrichten aus der Zusammenfassung für politische Entscheidungsträger heraushalte.
Klimavariabilitäten in den letzten 2000 Jahren, wie die gut dokumentierte Kleine Eiszeit (von 1300 bis 1750), würden kleingeredet, indem bestimmte Temperatur-Rekonstruktionen übergangen worden seien.
Der Clintel-Bericht wirft dem IPCC etwa punkto klimabedingten Todesfällen Einseitigkeit vor. Ein genauer Blick auf die Sterblichkeitsdaten zeige, dass die Zahl dieser Todesfälle so niedrig sei wie nie zuvor. Doch einschlägige wissenschaftliche Publikationen dazu, etwa solche des amerikanischen Umweltwissenschaftlers Roger Pielke jr. und des dänischen Statistikers Björn Lomborg, seien vom IPCC übergangen worden.
Der Weltklimarat soll Rosinenpickerei betreiben
Der Weltklimarat habe weiter versucht, die Existenz des sogenannten thermischen Holozän-Klimaoptimums, eine Wärmeperiode zwischen 10’000 und 6000 Jahren vor heute, verschwinden zu lassen (mehr Informationen zu diesem Klimaoptimum siehe hier). Auch Klimavariabilitäten in den letzten 2000 Jahren, wie die gut dokumentierte Kleine Eiszeit (von 1300 bis 1750), würden kleingeredet, indem bestimmte Temperatur-Rekonstruktionen übergangen worden seien.
Der IPCC würde weiter die Klimasensitivität falsch abbilden. Es handelt sich dabei um die erwartbare Erhöhung der Welttemperatur bei einer Verdopplung der CO₂-Konzentration in der Atmosphäre, eine zentrale Grösse in der Klimawissenschaft. Die Anhebung der Untergrenze der Klimasensitivität von 1,5 auf 2,5 Grad im Sechsten Sachstandsbericht sei wissenschaftlich nicht gerechtfertigt, heisst es bei Clintel. Unter Berücksichtigung aller Forschungsergebnisse liege auch der erwartbare Wert der Klimasensitivität eher unter zwei Grad statt bei drei Grad, wie vom Weltklimarat behauptet.
Eine besonders krasse Fehlleistung des IPCC macht der Clintel-Bericht in Sachen finanzielle Katastrophenschäden geltend. Es gebe laut einer Übersichtsstudie 53 wissenschaftlich begutachtete Publikationen zu diesem Thema. 52 kämen zum Schluss, dass es keinen Anstieg dieser Schäden gebe, die auf den Klimawandel zurückzuführen sind. Der IPCC habe aber die einzige Publikation hervorgehoben, die eine Zunahme der Schäden zeige. Der Vorwurf lautet also: wissenschaftliche Rosinenpickerei.
Frühere Ratschläge aus Wissenschaftskreisen ignoriert
Bereits 2010 kam der Weltklimarat unter Druck, nachdem mehrere Fehler in seinen Berichten aufgetaucht waren. Der Interacademy Council (IAC), ein Zusammenschluss verschiedener Wissenschaftsakademien, stellte damals erhebliche Mängel bei den Führungsstrukturen, der Begutachtung wissenschaftlicher Resultate und der Öffentlichkeitsarbeit beim IPCC fest. In der entsprechenden Untersuchung empfahl der IAC dem Weltklimarat, «Autorenteams mit unterschiedlichen Standpunkten» einzubeziehen. Nur so könne sichergestellt werden, «dass eine vollständige Palette durchdachter Ansichten berücksichtigt wird» (Bericht siehe hier).
Gemäss Clintel betrachtet der Weltklimarat Forscher, die zu abweichenden Schlüssen wie er selbst kommen, wie etwa Roger Pielke jr., «als eine Art ‘Voldemort’». Lord Voldemort ist der bösartige Gegenspieler in der Harry-Potter-Serie.
Die Clintel-Foundation kommt nun zum Schluss, dass der IPCC die damaligen Ratschläge des IAC ignoriert habe. Im Gegenteil würden Forscher, die zu abweichenden Schlüssen kommen, wie etwa Roger Pielke jr., «als eine Art ‘Voldemort’ betrachtet». Lord Voldemort ist der bösartige Gegenspieler in der Harry-Potter-Serie. Entsprechend würde es das IPCC absichtlich vermeiden, die Arbeiten und den Namen des amerikanischen Forschers zu erwähnen.
IPCC reformieren oder auflösen
«Unserer Meinung nach sollte der IPCC reformiert werden, sodass ein breiteres Spektrum an Ansichten einbezogen werden kann», schreibt Clintel in einer Medienmitteilung zum Bericht (siehe hier). «Wenn ein solcher Einbezug unterschiedlicher Ansichten aus irgendeinem Grund nicht akzeptabel ist, sollte das IPCC aufgelöst werden.»

Dass das so passiert, ist allerdings kaum anzunehmen. Der Clintel-Bericht wird von den Medien weitgehend totgeschwiegen, insbesondere auch in der Schweiz. Stattdessen gibt es Vorwürfe an die Mitglieder der Stiftung, von niederen Motiven getrieben zu sein. So liest man etwa bei Wikipedia, Clintel sei eine Stiftung, «die den menschengemachten Klimawandel leugnet» (siehe hier). Zudem werden Clintel Verbindungen zur Ölindustrie vorgeworfen. Einige Schlagworte genügen offenbar, um jegliche Kritik am Weltklimarat im Keime zu ersticken.
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