In wenigen Tagen, am 27. September 2026, stimmen wir über die Ernährungsinitiative ab, und nur zwei Monate später, am 29. November, über die Feuerwerksinitiative. Über beiden Initiativen weht der Hauch des Nanny State. Der Hauch eines Staates, in welchem Beamte wie Gouvernanten im Detail vorschreiben, was wir in unserem Alltag noch tun dürfen und was wir zu unterlassen haben, eines Staates, der unser Leben immer mehr durchdringt und lenkt.
Die Ernährungsinitiative verlangt, dass mindestens 70 Prozent unserer Lebensmittel aus dem Inland stammen müssen und dass die Bauern weniger tierische und mehr pflanzliche Lebensmittel produzieren. Wie im Kommunismus würde damit künftig der Staat steuern, was auf unseren Äckern produziert wird, was noch importiert respektive nicht mehr importiert werden darf, was es in den Läden noch zu kaufen gibt und was auf unsere Teller kommt. Eine grauenhafte Vorstellung, bei welcher es jeder freiheitlichen Seele in diesem Land den Magen umdreht.
Zur Person
Urs Furrer (*1972) ist seit Mai 2024 Direktor des Schweizerischen Gewerbeverbandes (sgv). Zuvor leitete der Jurist und Rechtsanwalt während zehn Jahren die Verbände Chocosuisse und Biscosuisse und war in führenden Positionen bei Expertsuisse und economiesuisse tätig.
Staatliche Umerziehung
Es ist schon erschreckend genug, wie schon heute Beamten in linken Städten ihre Mitmenschen auf den richtigen Ernährungspfad lenken wollen. So diktiert der «Klimaschutzplan 2024» der Stadt Zürich den Bewohnerinnen und Bewohnern der grössten Schweizer Stadt: «Der Fleischkonsum nimmt pro Einwohner um zwei Drittel ab. Vom schweizweiten Konsum 2022 ausgehend, welcher pro Person knapp 1 kg pro Woche betrug, ist bis 2040 ein Zielwert von maximal 330 g pro Woche zu erreichen.» Gaht’s eigentli no?
Ein weiteres Ziel der Stadtzürcher Beamten für eine «gesunde, klimafreundliche Ernährung» betrifft die «Verringerung des Konsums von leeren Kalorien wie Alkohol oder süssen und salzigen Snacks». Da will uns der Nanny State also nicht nur die Bratwurst, sondern auch noch das Feierabendbier verbieten. Dass für dieses Anti-Apéro-Ziel «noch kein messbarer Indikator» besteht, ist ein kleiner Trost. Der Nanny State ist eine trostlose Sache. Die Umerziehungspläne der Kostverächter in den Stadtzürcher Amtsstuben darf nicht zum Eidgenössischen Normalfall werden.
Antiföderalistische Initiative
Nicht minder trostlos ist der Blick auf die Feuerwerksinitiative. Wie der Cervelat gehören auch Feuerwerke am 1. August oder an Seenachtfesten zu den schönen, gelebten Traditionen der Schweiz, die sich als Gemeinschafterlebnisse tief in unsere Kindheitserinnerungen eingeprägt haben.
Natürlich gibt es Orte, wo Feuerwerks-Spektakel aus Lärm- oder sonstigen Gründen unpassend oder unerwünscht ist. An solchen Orten kann Feuerwerk schon heute eingeschränkt oder auch ganz verboten werden – und zwar von den Leuten vor Ort, welche die Verhältnisse kennen. Die Entscheidungen werden in den Gemeinden und Kantonen debattiert und gefällt. Die Feuerwerksinitiative will aber die Gemeinden entmündigen: Sie will, dass künftig Beamte in den Amtsstuben der Kantonshauptorte darüber entscheiden, ob in Hintertupfikon oder in Ober-Chrachenegg die Lunte einer Rakete angezündet werden darf oder nicht.
Und selbst die kantonalen Beamten wären nicht frei bei ihrem Entscheid: Sie müssten sich an die Vorgaben des Bundes halten. Ausnahmebewilligungen dürften nur für «Anlässe von überregionaler Bedeutung» erteilt werden. Die Feier zum Aufstieg des Fussballvereins im Dorf gehört wohl kaum dazu. Auch ein Feuerwerk zum 100-Jahr-Jubiläum eines Bauunternehmens mit musikalischer Begleitung durch die Dorfmusik dürfte kaum bewilligt werden. Auch das: eine trostlose Aussicht.
Bei Bratwurst und Bier ein Feuerwerk bestaunen zu dürfen: Für mich ist das ein Stück Lebensqualität in einem freien Land. Wer will, kann mich dafür simpel nennen. Der Nanny State beginnt aber in den kleinen Dingen. Wenn wir ihn nicht in die Schranken weisen, wuchert er immer weiter. Darum: Jetzt Nein zur Ernährungsinitiative und dann zwei Monate später auch Nein zur Feuerwerksinitiative stimmen.

