von Janine Tuccio-Bürgin
Gewisse Menschen sind erstaunlich tolerant, solange du genau in ihren leider oftmals beschränkten Horizont passt. Ich nenne sie auch liebevoll die toleranten Intoleranten. Ich darf ja heutzutage alles sein: Influencerin, Yogalehrerin, astrologische Heilerin oder Unternehmerin mit Duftkerzen-Shop. Aber sobald ich offen sage, dass ich Waffen mag und auch mehrere besitze und sogar in einem Waffengeschäft gearbeitet habe, reagieren manche plötzlich, als hätte man ihnen gerade den Weltuntergang angekündigt. Oder noch besser, sie bekommen moralische Schnappatmung. Willkommen in meinem Leben.
«Du förderst Krieg!» Wurde mir gesagt. Diese Aussage konnte ich noch nie ernst nehmen. Denn nach derselben Logik müsste jeder Autoverkäufer Verkehrstote fördern und jeder Küchenladen Messerangriffe aktiv unterstützen. Mein Mantra: «Nicht der Bleistift macht die Schreibfehler, sondern der Mensch dahinter.» Und genau darum geht es doch bei allem. Selbstverantwortung. Es ist einfacher, Gegenstände zu dämonisieren, als über gesellschaftliche Ursachen zu sprechen. Wer Böses denkt, ist ein Schelm. Und auch ein Schütze ist ein Pazifist!
Und ja, ich besitze eine pinke Glock-Pistole mit einer wunderschönen Hello-Kitty-Gravur auf dem Schlitten. Und ich lieb sie!
Manche Personen wirken regelrecht beleidigt von der Existenz meiner pinken Pistole. Mir ist das Hans wie Heiri, wie man auf schön schweizerisch sagt.
Absolut absurd finde ich die Diskussion rund um das Waffenrecht in der Schweiz. Wir leben in einem Land mit Schützentradition, Milizarmee und vergleichsweise wenig Waffengewalt. Trotzdem benehmen sich manche Politiker inzwischen so, als wäre jeder Schweizer-Schütze ein internationaler Waffenkartellboss. Und natürlich zeigt man ständig Richtung EU. Mehr Regeln, mehr Formulare, mehr Einschränkungen. Als könnte Bürokratie menschliche Probleme lösen. Übrigens lachen die Kriminellen über solche Gesetze. Der normale Bürger hingegen darf Formulare ausfüllen, Nachweise sammeln und sich behandeln lassen, als plane er heimlich den Sturz der westlichen Zivilisation. Ein Unding, wenn du mich fragst.
Aktuelle Ausgabe: «Die Schweiz rüstet auf»
In der neuesten Ausgabe des Nebelspalter-Magazins geht es um die Schweiz im Ernstfall: Ein satirischer Blick auf Krieg und Frieden. Während Europa aufrüstet und der Krieg in der Ukraine kein Ende findet, fragt der Nebelspalter: Ist die Schweiz bereit für ein Kriegsszenario? Wie viele Raviolidosen lagern Sie im Keller? Und funktioniert Neutralität auch als Schutzschild gegen Drohnen?
Ich sag’s mal ganz direkt: Ich lasse mir von Leuten, die wahrscheinlich schon Angst vor einem Victorinox-Taschenmesser haben, sicherlich nicht erklären, was richtig und was falsch ist. Ein bisschen mehr Bewusstsein für die Traditionen in unserem Ländli tut nicht weh. Und eine pinke Pistole, ja, die gönn ich mir trotzdem!

