Nicolas Rimoldis Kampf für Schweizer Werte

Der Alphamann und die Respekt-Ohrfeige

Illustration: Marina Jung
Illustration: Marina Jung

Nicolas A. Rimoldi, der Alphamann der Schweizer Freiheitsbewegung, hat wieder zugeschlagen – im wahrsten Sinne des Wortes. Bei der Einreichung von Unterschriften gegen die elektronische Identitätskarte verpasste er dem Berner EDU-Grossrat Samuel Kullmann eine Ohrfeige, die so laut klatschte, dass die ganze Schweiz von diesem Ruf-Selbstmord Rimoldis erfuhr.

Kullmann hingegen trug seine Unterschriftenbögen wie einen Schutzschild vor sich. «Ich wollte nur die Demokratie retten», flüsterte er, während ihm Rimoldis Zigarrenrauch in die Nase kroch.

Der wahre Höhepunkt folgte in Rimoldis nachfolgender Interview-Beichte: «Selbstverständlich wusste ich, was ich mache. Aber ich werde mich nicht entschuldigen. Nein: F*** dich und verpiss dich, Kullmann.» Eine rhetorische Meisterleistung, wie man es gewohnt ist vom «Mass-Voll!»-Kämpfer (oder sollte die Bewegung bald «Masslos!» heissen?).

Rimoldi, der Mann mit der Diplomatie eines Elefanten in einem Porzellanladen, behauptete: «Ich fragte ihn freundlich, ob er wusste, dass wir von seiner Partei belogen wurden. Doch er grinste nur süffisant, bejahte und lief davon.» 

Für unseren Alphamann war das die «maximale Respektlosigkeit» – offenbar ein schlimmeres Vergehen als das ungebetene Handanlegen an gewählte Volksvertreter. «Er hat geweint wie eine kleine Bitch. Ich hoffe, Kullmann lernt daraus und behandelt Menschen nun mit Respekt und Anstand.»

Kullmann hingegen entgegnete mit der Ruhe eines Mannes, der seine Gebetszeiten einhält: «Ich meinte nur, dass niemand mehr mit ihm zusammenarbeiten möchte. Das machte ihn richtig wütend.» Vielleicht gerade deshalb, weil die Aussage mehr Wahrheitsgehalt hat, als Rimoldi lieb ist – nach der «Flättere» wohl noch mehr als zuvor.

Die EDU indessen sieht in Rimoldis Tätlichkeit einen weiteren Beweis für den Verfall biblischer Werte (zumindest jene im neuen Testament) und Kullmann tut, was jeder Schweizer mit einem anständigen Sozialkredit-Score tun würde: Er erstattet Strafanzeige – vermutlich säuberlich ausgefüllt und mit einem Bibelzitat zur Vergebung versehen.

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Und so kämpfen beide Seiten weiter: Rimoldi mit der Faust der Empörung und dem Vokabular eines entnervten Teenagers, Kullmann mit dem Strafgesetzbuch und dem mahnenden Zeigefinger der Tugendhaftigkeit.

Man darf auf eine demokratische Ohrfeige für Rimoldi gespannt sein. Bis auf eine parteiinterne Funktion bei den Jungfreisinnigen Luzern, seiner früheren politischen Heimat, hat Rimoldi noch nie ein offizielles Amt bekleidet. Seither ist er aber bei allen politischen Kandidaturen gescheitert – von der Wahl zum Präsidenten der Jungfreisinnigen Luzern bis zu den letzten Nationalratswahlen.

Bis dahin bleibt zu hoffen, dass wir nicht in Reichweite sind, wenn Rimoldi das nächste Mal den Respekt mit der Handfläche vermittelt.

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