«Ich bin eine Macherin»

«Ich bin eine Macherin»

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von Alex Reichmuth am 7.4.2021, 12:46 Uhr
Bild: zVg
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Vanessa Meury ist beruflich und politisch auf der Überholspur. Die 24-jährige Präsidentin des Energie Clubs Schweiz kämpft gegen die Stromstrategien des Bundes - und für Atomkraft.

Vanessa Meury aus Grenchen ist zwar erst 24 Jahre alt, aber sie hat beruflich und politisch schon einiges erreicht. Selbstbewusst beantwortet sie Fragen zu ihrer Person und ihren Plänen. Mit Überzeugung vertritt sie ihre Standpunkte und Ansichten.
«Ich hatte mitbekommen, dass sie eine Präsidentin suchen, und beschloss, mich zu melden.» So antwortet Meury auf die Frage, wie es gekommen ist, dass sie an der Spitze des Energie Clubs Schweiz steht. Im Mai 2018 war es dann soweit: Die damals 21-jährige wurde als Vereins-Präsidentin gewählt. Das Vorgehen ist typisch für Meury: Sie traut sich eine Aufgabe zu, analysiert die Situation - und schlägt dann zu. «Ja, ich bin eine Macherin, und setze immer alles daran, gesetzte Ziele zu erreichen», sagt die junge Frau. Bis jetzt ist ihr das ganz gut gelungen.
Der Energie Club Schweiz ist eine noch junge Organisation. Nach dem «Ja» des Stimmvolks im Juni 2017 zum Energiegesetz des Bundes fanden sich einige Gegner der Vorlage zusammen und kamen zum Schluss, dass in der Schweiz eine Lobbyorganisation fehle, die sich konsequent für eine sichere Stromversorgung einsetzt.

Ernüchterung macht sich breit

Mit dem Energiegesetz wurde beschlossen, dass keine neuen Atomkraftwerke mehr gebaut werden dürfen und der wegfallende Strom, fast 40 Prozent der Schweizer Jahresproduktion, nach und nach durch erneuerbare Energie ersetzt werden soll. Dieser Alternativstrom soll im Wesentlichen von Solarpanels und Windturbinen stammen, zu einem Teil auch durch Geothermie und einen Ausbau der Wasserkraft erzeugt werden.
Doch obwohl noch keine vier Jahre seit der Abstimmung vergangen sind, macht sich Ernüchterung breit: Die Geothermie funktioniert bis jetzt in der Schweiz nicht, der Bau von Windrädern ist durch Einsprachen blockiert, und die Erhöhung von Staudämmen erscheint erst recht unrealistisch. Zudem liefert die Fotovoltaik, sofern der angestrebte rigorose Ausbau überhaupt bewältigt werden kann, nur dann Strom, wenn die Sonne scheint. Insbesondere im Winterhalbjahr, wenn die Nächte lang und die Tage oft trüb sind, ist von Solarpanels nur ein geringer Beitrag an die Stromversorgung zu erwarten.
«Wir haben uns in eine Sackgasse manövriert», so Vanessa Meury. Es sei an der Zeit, in der Energiepolitik «den Reset-Knopf zu drücken». Man müsse der Bevölkerung reinen Wein einschenken und klar machen, dass die Energiestrategie des Bundes früher oder später zu Versorgungsengpässen in Sachen Strom führe. Es sei denn, man wolle die drohenden Lücken mit dem Bau von Gaskraftwerken überbrücken. «Aber das steht im Gegensatz zur angestrebten Reduktion des CO2-Ausstosses, die ja auch ein Ziel der Energiestrategie ist», meint Meury.

«Wir machen uns abhängig vom Ausland»

Die Schweiz laufe Gefahr, mehr und mehr von Stromimporten abhängig zu werden. Schon heute ist das Land im Winter auf Stromlieferungen aus dem Ausland angewiesen. Doch ob Nachbarstaaten wie Deutschland oder Frankreich auch in Zukunft die Schweiz versorgen wollen und können, steht in den Sternen. Insbesondere Lieferungen aus Deutschland sind fraglich, da dort wegen dem gleichzeitigen Atom- und Kohleausstieg der Strom ebenfalls knapp wird.
«Wir machen uns als Schweiz abhängig vom Ausland, und das ist das Letzte, was ich möchte», sagt Vanessa Meury. Unabhängigkeit und Selbstbestimmung sind für sie zentrale Anliegen - auch bei ihrem parteipolitischen Engagement: Seit drei Jahren führt sie die Junge SVP des Kantons Solothurn an.
Zur Jungpartei ist Meury über eine Arbeit gekommen, die sie im letzten Lehrjahr als Immobilienbewirtschafterin geschrieben hat. «Es ging bei dieser Arbeit darum, das politische Engagement von Jugendlichen zu ergründen», erinnert sie sich. Sie habe sich daraufhin selber für Politik zu interessieren begonnen, und habe die Standpunkte der Parteien analysiert.
Schnell sei sie darauf gekommen, dass die SVP ihr am besten entspreche, weil sie volksnah sei und die Unabhängigkeit der Schweiz hochhalte. «Es gab zwar Stimmen, die mich davor warnten, zur Volkspartei zu gehen, weil junge Frauen es dort schwer hätten», sagt Vanessa Meury. «Aber das spornte mich nur noch mehr an: Ich wollte beweisen, dass das Gegenteil wahr ist.» Sie trat der Jungen SVP bei, wurde 2018 zu deren Präsidentin gewählt - und hat weitere Pläne: Mittelfristig strebt sie einen Sitz im Kantonsparlament an, längerfristig sogar einen im nationalen Parlament.
Auch beruflich hat Meury klare Ziele. «Ich will mich selbständig machen - möglichst bald.» Nach der erwähnten Lehre in der Immobilienbranche arbeitet sie heute in leitender Stellung in einem Immobilien-Treuhandunternehmen in Grenchen. Selber ein KMU zu führen, sei ihr Traum. Momentan bereite sie sich mit einer Weiterbildung darauf vor.

«Ich bin klar für Kernenergie»

Mit dem Energie Club Schweiz will Vanessa Meury ebenfalls hoch hinaus. Der Verein, der heute über 250 Mitglieder zählt, soll künftig eine wichtige Stimme in Sachen Energiepolitik sein, die bei Entscheidungsträgern und Medien nicht überhört werden kann. Der Energie Club setzt sich für Atomkraft ein, als Mittel zur Sicherstellung der Versorgungssicherheit. «Ja, ich bin klar für Kernenergie», so Meury. Nur mit neuen Kernkraftwerken könne die drohende Stromlücke geschlossen werden, ohne die CO2-Ziele zu gefährden und ohne sich vom Ausland erpressbar zu machen.
Es sei keine Zwängerei, verhältnismässig kurz nach dem «Ja» der Bevölkerung die Kernenergie erneut ins Spiel zu bringen, ist Meury überzeugt. «Das Volk ist mit irreführenden Informationen versorgt worden. Wir haben uns das Ziel gesetzt, hier für Ausgleich zu sorgen.»
Auffällig beim Energie Club ist, dass im Vorstand gleich mehrere junge Leute sitzen. Auch Sebastian Stadler und Olivier Gassler sind im gleichen Alter wie die Präsidentin. Der Vorwurf, beim Verein handle es sich nur um die altbekannte «Atomlobby» in neuem Kleid, dürfte darum ins Leere laufen. Vanessa Meury jedenfalls gehört zu den Vertretern der jungen Generation, die ihre Schlüsse selbstständig ziehen - und sich nicht von einer alten Garde den Kurs vorgeben lassen.
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