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Cartoon: Silvan Wegmann


 

 

In den Rücktrittsbekanntmachungen der Bundesräte und in den Ankündigungen zur Kandidatur der neu Antretenden werden so viele Politfloskeln bemüht, dass sich der ‹Nebi› bemühen musste, diese einmal ins Verständliche zu übersetzen. 

 

Die Abtretenden:

Ich trete ab. – Ich haue ab. 

Jetzt lege ich mir einen Hund zu. – Ich war lange genug der Hund. 

Ich habe der Nationalratspräsidentin mein Demissionsschreiben eingereicht. – Ich machte mein Kreuz auf ein Papier, das mir der Parteipräsident unter die Nase hielt. 

Der Entschluss, zurückzutreten, ist über mehrere Monate gereift. – Der Fraktionschef rief mich gestern Abend an und schrie ins Telefon, endlich meinen faulen Hintern von diesem Sessel wegzubewegen!

Es wird keinen Doppelrücktritt geben. – Das wäre ja noch schöner, den letzten Auftritt teilen zu müssen.

Ich habe immerhin 10 Doppelbesteuerungsabkommen ausgehandelt. – Ich habe mich von 10 Staatschefs unterbuttern lassen. 

Merz und Leuenberger haben eine unterschiedliche Ausgangslage für das Austrittsdatum. – Hansruedi soll so schnell wie möglich weg, bei Moritz kommts nach 15 Jahren auf einen Tag mehr oder weniger nicht so drauf an. 

Ich will den Gotthard-Durchstich nicht verpassen. – Wenn ich schon den Rücktritt um Jahre verpasst habe, will ich wenigstens da pünktlich sein.

Meine Familie hat mir geraten, mal kürzerzutreten. – Meine Alte will, dass ich zuhause mehr helfe. 

Was mir recht gibt, ist das Resultat. – Bitte lassen Sie mir doch ein wenig Würde. 

Ich habe meine Dossiers immer nahe verfolgt. – Ich musste den Geschäften stets hinterherrennen. 

Ich muss mir selbst keinen Vorwurf machen. – Alle andern machen mir schon genug Vorwürfe. 

Ich weiss noch nicht, was ich anschliessend machen werde. – Aber ein paar nette Anfragen für fette VR-Mandate liegen schon vor. 

Der Rücktritt fällt mir schwer. – Sie können sich nicht vorstellen, wie ich die Schnauze voll habe!

Es war mir eine Ehre, diesem Land zu dienen. – Auch wenn es für das Land manchmal eine Schande war.

Ich habe mir die Suppe Libyen nicht eingebrockt. Ich habe mir die Suppe UBS nicht eingebrockt. – Ich habe nur beide Suppen dann noch versalzen. 

Die Fraktion hat keinerlei Druck ausgeübt, dass ich den Rücktritt geben sollte. – Die haben mir nur gezeigt, wo die Tür ist.

Die Kritik war nicht gerecht, aber das gehört zur Politik. – Ihr verdammten Medienschweine! 

Mein Kardiologe findet, ich habe eine Leistungsfähigkeit von über 100 Prozent. – Das Volk findet, meine Leistungsfähigkeit liege eher bei unter 20 Prozent. 

Ich bereue nichts. – Ich weine nachts heimlich in mein Kissen.

Man muss meine Dossiers mit der Gelassenheit und dem Abstand von einigen Jahren betrachten. – Lassen wir bitte rasch Gras drüber wachsen.

Ich ziehe mich nun aus der Bundespolitik zurück. – Achtung, Regionalpolitik!

 

Die Kandidaten:

Ich habe mir den schweren Entschluss, zu kandidieren, reiflich überlegt. – Ich bin seit Jahren geil auf den Job.

Wer kandidiert, ist grundsätzlich bereit, jedes Departement zu übernehmen. – Ich bin scharf aufs Reisen im Aussenministerium.

Ich habe grössten Respekt vor diesem Amt. – Ich bin heiss aufs Prestige. 

Ich will dafür sorgen, dass der Bundesrat das Vertrauen des Volkes zurückgewinnt. – Wir müssen unsere Fehler einfach noch besser vertuschen. 

Ich verzichte auf die Kandidatur, weil es nicht der richtige Zeitpunkt ist. – Ich lass mich doch nicht verheizen. 

Meine Chancen kann ich jetzt noch nicht beurteilen, aber ich denke, sie sind intakt. – Meine Frau sucht schon die Möbel für mein Bundesratsbüro aus. 

Die Kandidatin unserer Partei hat beste Chancen und ideale Voraussetzungen. – Egal wer, Hauptsache nicht die SVP!

Ein Bundesrat hat die Pflicht, in jedem ihm zugeteilten Ministerium sein Bestes zu geben. – Bitte, bitte, nicht das Gesundheitsdepartement.  

 

 

Roland Schäfli



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