Zwanghaftes Gendern bei SRF

Zwanghaftes Gendern bei SRF

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von Claudia Wirz am 9.4.2021, 04:00 Uhr
"Wir zeigen Männer in Frauenrollen und umgekehrt" - so will SRF die Welt auf den Kopf stellen.
"Wir zeigen Männer in Frauenrollen und umgekehrt" - so will SRF die Welt auf den Kopf stellen.
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Beim Schweizer Radio und Fernsehen SRF müssen alle gendern. Meinungsvielfalt sieht anders aus.

Die Nachrichtensendung von SRF 4 News dauert nur wenige Minuten. In dieser kurzen Zeit erfahren wir dank SRF vor allem eines: Es gibt Männer und Frauen auf dieser Welt – oder besser gesagt: Frauen und Männer. Diese Information wird uns praktisch mit jedem Satz um die Ohren geworfen, ob wir sie hören wollen oder nicht. Wir hören von den «Palästinenserinnen und Palästinensern», deren umstrittenes Uno-Hilfswerk nun wieder Geld aus Amerika erhalten soll.
Wir erfahren, dass dieses Jahr weniger «Touristinnen und Touristen» die Jungfraubahnen benutzt haben. Und es erreicht uns die Nachricht, dass im Kanton Graubünden für die «Schülerinnen und Schüler» der fünften und sechsten Klasse die Maskenpflicht aufgehoben wird, während die «Schülerinnen und Schüler» der Sekundarstufe sowie die «Lehrpersonen» die Masken weiter tragen müssen. Neuigkeiten zum coronabedingten Erschöpfungszustand bei «Ärztinnen und Pflegern» erfahren wir dieses Mal allerdings nichts. Bei SRF wird rund um die Uhr derart penetrant gegendert, dass dem Hörer nur noch eines bleibt, um sich dieser Gehirnwäsche zu entziehen: ausschalten, Gebührengelder hin oder her.

Eine Meinung für alle

Mit den neuen «Publizistischen Leitlinien» von SRF wird das Bekenntnis zum Endlos-Gendern bei SRF neu in Worte gefasst. Vor kurzem sind diese Leitlinien veröffentlicht worden. Sie seien, schreibt eine Mitarbeiterin der Medienstelle auf Anfrage, «Ausdruck der Wertehaltung und des Selbstverständnisses, für welche SRF und die Mitarbeitenden einstehen.» Auf die Frage, ob denn die gesamte Belegschaft von SRF zur Gendersprache die gleiche Meinung habe, erhält man keine Antwort von SRF; weder als recherchierende Journalistin noch als gebührenzahlende Hörerin. Wenn man bedenkt, dass die Gendersprache in der freien Welt durchaus kontrovers diskutiert wird (Link), stellt sich die Frage, wie es denn um die Gedankenfreiheit von SRF-Angehörigen steht. (Hier geht es zu einem Video dazu von Tamara Wernli)
Wenn man die Publizistischen Leitlinien von SRF hinsichtlich der Gendersprache durchliest, wird jedem freiheitsliebenden Menschen angst und bang. Die Passage strotzt nur so von Vorschriften zum korrekten Sprechen, Schreiben und Denken. Als wären sie Bestandteil eines religiösen Glaubensbekenntnisses, sind die Regeln in eingängigen Wir-Formeln abgefasst: «Den Genderstern vermeiden wir im Allgemeinen. Falls nötig verwenden wir den Doppelpunkt». «Wir beschreiben Menschen nicht mit stereotypischen Sprachbildern». «Wir zeigen Männer in vermeintlichen Frauenrollen und umgekehrt». «Auf unseren Bildern sind auch gleichgeschlechtliche Paare zu sehen». «Menschen mit Beeinträchtigungen sowie Migrantinnen und Migranten werden als selbstverständlicher Teil des Schweizer Alltags gezeigt».

Quoten vor Inhalt

Das genderneutrale Wir-Gefühl von SRF umfasst neben allgemeinen Feststellungen und sprachlichen Anordnungen auch ganz konkrete Handlungsanleitungen zum journalistischen Handwerk. Korrektes Denken und das Erfüllen von Quoten sind oberstes Gebot: «Unseren Willen zum sensiblen Sprachgebrauch zeigen wir insbesondere bei der Berichterstattung über Gruppen mit spezifischen Identitäten (Transgender), indem wir uns konstruktiv mit den Vorschlägen zu Sprachregelungen der entsprechenden Interessenverbände auseinandersetzen».
Was kompliziert daherkommt, heisst, dass gut organisierte, winzig kleine Bevölkerungsgruppen erhalten mit ihren Forderungen bei SRF sozusagen freien Zugang. Oder: «Wir streben bei Expertinnen und Experten ein ausgeglichenes Verhältnis an». «Es ist verbindliche Aufgabe der Redaktionen, in ihren Fachbereichen Expertinnen zu finden und zu befragen». Und dann – zu guter Letzt – werden die Richtlinien zum Gendern noch ganz persönlich: «Jede einzelne Journalistin, jeder einzelne Journalist bei SRF achtet auf eine ausgeglichene Bilanz. Die Vorgesetzten fordern diese aktiv ein». Freiheit sieht anders aus. Meinungsvielfalt sowieso.

Keine Auskunft

Was mit den Widerspenstigen passiert, die sich nicht an diese von Ideologie getragenen Gebote halten oder ihre Quoten nicht erfüllen, ob sie abgemahnt, versetzt oder gar entlassen werden, dazu schweigt die Medienstelle von SRF auch nach mehrmaligem Nachfragen. Und auch darüber, wie viele Reklamationen man wegen des exzessiven Genderns aus dem Publikum erhält – nichts als beredtes Schweigen.
Dafür aber redet ein anderer von Rang und Namen Klartext. Peter Hahne, Freund des Wallis, Journalist alter Schule und ein Urgestein des ZDF, meinte jüngst zum Walliser Boten: «Die Gender-Sprache ist bekloppt». Und er regt eine Volksabstimmung zur Sprachpolitik von SRF an. Das ist eine charmante Idee. Auf das Resultat könnte man gespannt sein.
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