Zu Gast im Rüebliland

Zu Gast im Rüebliland

«Fühlt euch wie zu Hause», rief Susi in die Runde aus ihren und Bärtis Freunden, die sie zwecks Zusammenführung zu einem Nachtessen eingeladen hatte.

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von Isidor mit em Loch im Ohr am 1.12.2021, 08:00 Uhr
Philipp Ammon
Philipp Ammon
Für Bärti ist Susi von Luzern in den Flachkanton gezogen, zu dem einem eigentlich nur Rüeblikuchen einfällt. Im Vorfeld hiess es, man solle ja nichts mitbringen, aber einige haben wohl nachgefragt, denn Bärti nahm vier Töpfe Kartoffelsalat und drei Rüeblikuchen entgegen, während Susi die Hände über dem Kopf zusammenschlug und Platz machte, für all die Dubletten.
Als Bärtis Freunde ihre Füsse in mitgebrachte elefantengraue Filzfinken steckten, teilte ein tiefer Graben die Gäste in Barfüssige und Filzfinkenträger. D‘Friedle meinte, so sehe man wenigstens die weissen Socken nicht. Als sie dann beim Apéro ein fünflagiges Wasabi-Häppchen in ihre grosse Klappe schob, verschlug es ihr für längere Zeit die Sprache, was auch mal gut war. Wegen der kantonsübergreifenden Durchmischung der Gäste „preichte“ es mich bei Tisch zu ein paar Rüebliländer und neben meinen alten Freund Rüedu, der es mit dem «Zuhausefühlen» immer etwas übertreibt. Er holte sich Bier um Bier aus Bärtis Kühlschrank, später aus dem Keller.
Beim Essen sorgte er für Aufsehen, weil er mit blossen Händen Pommes von der Platte schöpfte und Knochen für seinen Hund einsammelte. Als Susi, neu Heimweh-Luzernerin, selbstgebraute «Kafi Huerenaff» servierte, verdrückte Rüedu dazu drei Stück Rüeblikuchen, was ihm ein Allzeithoch auf dem Sympathiebarometer der Flachländer bescherte. Später erzählte er von dem gottvergessenen «Chrachen», in dem er aufgewachsen ist und wie er, vierzehnjährig, mit seinem Maxi Puch nach Amerika flüchten wollte, aber nur bis Ebersecken kam. Dass er sich mit achtzehn in d’Susle verliebte und sie später an einen Opel Manta Fahrer aus Willisau verlor.
Bis zum Abschied in der Morgendämmerung war dank Rüedu und unzähligen «Huerenaffs» eine Brücke zwischen den beiden Kantonen geschlagen. Freiherr Adolf von Knigge mag sich im Grab die Augen gerieben haben, aber objektiv betrachtet sind gute Umfangsformen zwar eine Zier, systemrelevant sind sie aber nicht.

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