Zertifikate: Hotels müssen Geimpfte diskriminieren

Zertifikate: Hotels müssen Geimpfte diskriminieren

Touristen mit Zertifikaten von ausserhalb der EU müssen draussen oder in ihrem Zimmer essen, selbst wenn sie die Impfung mit einem anerkannten Impfstoff belegen können.

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von Dominik Feusi am 15.9.2021, 11:42 Uhr
Muss Gäste aus Drittstaaten aus dem Restaurant weisen, obwohl sie geimpft sind: Hotel Schweizerhof in Luzern (Bild: Urs Flüeler/Keystone)
Muss Gäste aus Drittstaaten aus dem Restaurant weisen, obwohl sie geimpft sind: Hotel Schweizerhof in Luzern (Bild: Urs Flüeler/Keystone)
Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat Schweiz Tourismus letzte Woche schriftlich mitgeteilt, dass nur die in der Bundesverordnung anerkannten Covid-Zertifikate in den Hotels anerkannt werden dürfen. Das sind ausschliesslich jene der EU und der Efta-Staaten.

Gäste müssen draussen bleiben

Seit Montag dürfen deshalb Gäste von ausserhalb der EU oder der EFTA nicht mehr im Innern eines Hotels essen. Nur noch auf der Terrasse oder in ihrem Hotelzimmer dürfen sie etwas bestellen. Dies auch, wenn sie mit dem gleichen Impfstoff geimpft wurden wie alle anderen Gäste und dies mit einem Impfpass belegen können.
«Wir haben rund zwanzig Prozent Gäste aus den USA, den Golfstaaten und Brasilien», erzählt ein Hotelier aus Luzern (Name der Redaktion bekannt). «Die meisten haben einen Impfausweis, der ihren Schutz mit einer mRNA-Impfung bestätigt, aber der gilt hier nicht.» Er müsse das dann den Gästen schonend beibringen. «Wer kein Zertifikat hat, der kann nicht in die Restauration gelassen werden.» Die Terrasse sei zugänglich, aber jetzt sei der Sommer vorbei. «Um in Innenräumen zu essen, müssten sie sich alle zwei Tage testen lassen.»

Am Buffet bedienen, im Zimmer essen

«Die Gäste verstehen das natürlich nicht, denn sie durften ja einreisen», sagt der Gastgeber, «nicht einmal das Frühstück ist möglich.» Entweder würden sie sich mit Maske am Buffet bedienen und dann im Zimmer essen, oder gleich den Roomservice verlangen. Die Probleme bestätigten auch andere Häuser mit internationalen Gästen, zum Beispiel das Hotel «Trois Rois» in Basel oder der «Schweizerhof» in Luzern. Clemens Hunziker vom «Schweizerhof» hofft, dass vor allem die Amerikaner oder auch die arabischen Gäste bald mit Ihrem Impfausweis akzeptiert werden.
Hotelleriesuisse reagierte schnell. Am Dienstag informierte der Verband in einem Mail an seine Mitglieder, die Behandlung internationaler Gäste aus Drittstaaten habe «in den letzten Tagen für viel Kopfschütteln gesorgt.» Die Regelung des BAG sei «weder gastfreundlich noch praktikabel», schrieb Hotelleriesuisse. Der Bund müsse rasch eine Lösung präsentieren. Man stehe mit dem BAG in Kontakt.
Das BAG verweist in seinem Schreiben an Schweiz Tourismus auf den Anhang 5 der Zertifikatsverordnung. Dort können andere Zertifikate aus Drittstaaten anerkannt werden. Das Problem dabei: Der Anhang ist leer.

Es laufen Konsultationen

Das könnte sich allerdings ändern. Das BAG schreibt, der Bundesrat habe den Kantonen einen Vorschlag zur Konsultation geschickt, um die Liste der für ein Schweizer Zertifikat zugelassenen Impfstoffe auf die Liste der europäischen Arzneimittelagentur EMA auszuweiten. Er wird voraussichtlich am Freitag über die Ausweitung entscheiden.
Ob dies dann dazu führt, dass Impfausweise aus Drittstaaten anerkannt werden, lässt das BAG offen. Auch weshalb man beim Bund sich ausschliesslich an die Beschlüsse der EU angelehnt hat, statt eine pragmatisch-schweizerische Lösung zu finden, beantwortet das BAG nicht.
Auf alle Fälle wird Bundesrat Alain Berset am nächsten Montag Fragen aus dem Parlament beantworten müssen. Nicolò Paganini (Mitte, SG), Präsident von Schweiz Tourismus, will vom Bundesrat wissen, wann er gedenkt, ausländische Impfausweise anzuerkennen.

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