Zeitungsente der Woche: Der Bundesrat vergisst seine eigene Strategie – und niemanden kümmerts

Zeitungsente der Woche: Der Bundesrat vergisst seine eigene Strategie – und niemanden kümmerts

Die Normalisierungsphase, in der wir uns befinden, sieht eigentlich weitere Lockerungen vor. Die Medien wollen davon nichts wissen. Für den «Blick» ist die aktuelle Politik bereits ein «Kuschelkurs».

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von Sebastian Briellmann am 13.8.2021, 12:16 Uhr
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Und nun also doch, «Normalisierungsphase», klingt gut, nach eineinhalb Jahren Corona-Einschränkungen. Ab jetzt gilt: Neue Freiheiten. Neue Risiken.
Der «Blick» erkennt in der Corona-Politik des Bundesrats, meist vertreten von SP-Gesundheitsminister Alain Berset, jedoch einen «Kuschelkurs».
Und der «Tages-Anzeiger» nennt Bersets Auftritt von dieser Woche «brüsk», hält deutlich fest, was auch Bundesrat und Bundesamt für Gesundheit (BAG) betonen: «Ja, es wird mehr Tote geben. Und das nehmen wir in Kauf.» Begeistert klingt das nicht.
Mutiger Bundesrat? Eigenverantwortung als oberstes Credo?
Nun, der Bundesrat agiert sicherlich nicht mutlos vieles, was Berset an diesem Mittwoch sagt, klingt freiheitlich und vernünftig. Es ist rhetorisch ein sehr guter Auftritt.
Störend ist nur, dass der Bundesrat vergisst, was er selbst im April kommuniziert hat. Einmal in der sogenannten Normalisierungsphase angekommen, ist der Bundesrat der Ansicht, «dass dann keine starken gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Einschränkungen mehr zu rechtfertigen sind.» Die Massnahmen, die noch verbleiben, sollten schrittweise aufgehoben werden. Und deutlich wird kommuniziert: «An dieser Strategie soll auch dann festgehalten werden, wenn die Impfbereitschaft der Bevölkerung entgegen der Erwartungen tief bleibt.»

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Medienmitteilung des BAG am 21. April: Klare Worte, schwammige Umsetzung. Foto: Screenshot BAG

Was der Bundesrat vergisst, vergessen auch die Medien. Man spricht von Normalität, aber Normalität ist das nicht. (Lesen Sie hier den Kommentar zu den Corona-Massnahmen des Bundesrats)
Maskenpflicht im öffentlichen Verkehr und in Innenräumen, Zertifikatspflicht bei Grossveranstaltungen: Auch diese Massnahmen müssten, nimmt man den Bundesrat beim Wort, in den nächsten Wochen aufgehoben werden. Dass dies geschehen wird: Davon ist nicht auszugehen.
Dabei gäbe es nur noch eine richtige Massnahme bei den Massnahmen: damit aufzuhören. Unter Druck wird die Regierung aber kaum kommen. Für viele Medien ist bereits der Status quo ein gewagter, ein zu gewagter Schritt. Stichwort: «Kuschelkurs.»

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