Wie kann der Anteil Männer an den Unis wieder erhöht werden?

Wie kann der Anteil Männer an den Unis wieder erhöht werden?

Ein Soziologe will mit neuen Erkenntnissen die Leistungsfähigkeit erhöhen. Nun liegt der Ball beim Europäischen Parlament.

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von Beni Frenkel am 5.1.2022, 08:30 Uhr
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Manfred Öckel hat sich an die Zahl bereits gewöhnt: 38,9 Prozent. So hoch (oder tief?) ist der Anteil Männer an den hiesigen Hochschulen. Der Professor für Soziologie an der Uni Basel hat erst kürzlich ein Buch herausgegeben, das sich der Frage widmet: «Können Männer noch Uni?» (Springer Verlag). Die Zahl der männlichen Hochschulabsolventen ist seit der Jahrtausendwende rückgängig. «Zuerst waren es die sogenannt weichen Fächer, also Kunst, Literatur, Soziologie.»
Seit drei Jahren nimmt der Anteil aber auch bei den Wirtschafts- und naturwissenschaftlichen Fakultäten kontinuierlich ab. Auch an den Fachhochschulen bestehen immer weniger männliche Studenten die Abschlussprüfungen.
Öckel beschäftigt sich seit Jahren mit diesem Phänomen. Hält er Vorlesungen, befinden sich fast nur noch Frauen im Hörsaal. Der 54-Jährigen ist überzeugt: Viel hängt mit dem täglichen Konsum von Porno-Videos zusammen. So verbringen Männer ab 20 Jahren durchschnittlich drei Stunden pro Tag vor dem Bildschirm. Bei Frauen sind es knapp 20 Minuten.

Pornos mit Unterbrechungen

Öckel: «Hirnstrommessungen bei männlichen Probanden haben ergeben, dass beim Betrachten eines Sexfilms die Neuronensynapsen semiverkalken.» Der Fachbegriff beschreibt die Verlangsamung der Nervenzellen. Wissenschaftliche Untersuchen haben ausserdem ergeben, dass bereits nach fünf Jahren die Hirnleistung um 23 Prozent abnimmt.
Um diesen Leistungsverfall zu stoppen, schlägt Öckel darum vor, die Pornos mit Buffer (Unterbrechungen) zu unterlegen. «Alle zehn Sekunden sollen stimulierende Quizfragen aufploppen», so der Vorschlag des renommierten Wissenschaftlers. Dadurch würden die Betrachter ihre Synapsen erhalten.
Die Unterbrechungen bestehen zum einen aus mathematischen Fragen: «Wie viel ergibt 9 mal 10?» Erst bei der richtigen Antwort läuft der Pornofilm weiter. Aber auch sprachlich-räumliche Aufgaben fordern den Konsumenten heraus: «Wie es heisse: die Tisch, dem Tisch, der Tisch?» Als wirkungsvoll haben sich auch logische Fragen entpuppt: «Wie heisst der Onkel der Mutter des Vaters?»

Historische Figuren ploppen auf

Öckel berichtet im Buch von einem Probanden, Marco M. (24 Jahre), der an der Pädagogischen Hochschule leider schon bei der Zwischenprüfung scheiterte. Marco M.: «Früher habe ich sicher etwa 100 Mal den Pornofilm angeguckt, wo eine Frau in der Küche arbeitete und plötzlich ihren Arm nicht mehr aus dem Abflussrohr kriegte. Dann rief sie ihrem Stiefsohn an. Doch statt zu helfen, f**** er sie von h*****.»
Mit den Unterbrechungen alle zehn Sekunden hätten sich nun seine kognitiven Fähigkeiten massiv verbessert, so Öckel. Marco M. ist wieder auf Kurs zum Lehrer.
Im zweiten Teil des Buches geht es um die visuelle Verstärkung, die ebenfalls leitungssteigernd ist. Öckel berichtet von einem Zürcher Start-up-Unternehmen, das eine neuartige Software herausgegeben hat. Dabei werden Gesichter in Filmen ohne Zeitverzögerung verändert. Im beliebten Pornofilm von Marco M. ist die Hausfrau keine Blondine mehr, sondern Margaret Thatcher. Marco M.: «Erst wenn ich zehnmal auf den Kopf klicke, wird er wieder blond.»
Aber ist es wirklich durchsetzbar, dass die Pornoindustrie nur noch Filme herausgibt, in denen ständig Fragen aufploppen und Gesichter durch historische Figuren ersetzt werden? Öckel verweist auf das Europäische Parlament, dass sich genau mit dieser Frage beschäftigt.
Wann die ersten Pornos mit Unterbrechungen auf den Markt kommen, ist aber noch ungewiss. Die Software ist schon da. Nun geht es nur noch um den politischen Willen.

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