Wer wird Nachfolger von Petra Gössi?

Wer wird Nachfolger von Petra Gössi?

Petra Gössi gab ihren Rücktritt bekannt. Das Kandidatenkarusell beginnt sich zu drehen. Wir haben uns umgehört, wer zu den Favoriten zählt.

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von Sandro Frei am 14.6.2021, 18:35 Uhr
Sie ist weg. Petra Gössi. Nun beginnt der Kampf um die Nachfolge. Quelle: Ruben Sprich
Sie ist weg. Petra Gössi. Nun beginnt der Kampf um die Nachfolge. Quelle: Ruben Sprich
Mitarbeit: Dominik Feusi, Serkan Abrecht

 

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Damian Müller: Der männliche Gössi

Der Luzerner FDP-Ständerat Damian Müller ist ein enger Vertrauter von Petra Gössi. Er hat die Kehrtwende in der Klimapolitik mit ihr eingeleitet, mitgetragen und das nun abgelehnte CO2-Gesetz als Ständerat mitgeprägt. Ähnliches gilt für die EU-Politik der FDP. Müller half mit, aus der Ablehnung des Rahmenabkommens durch die Delegiertenversammlung ein «Ja aus Vernunft» der Fraktion zu machen. Darum sei er auch «more of the same» («mehr vom gleichen»), heisst es in der Fraktion. Für eine Stellungnahme war Müller nicht erreichbar. Nach dem Nein zum CO2-Gesetz, für das er weibelte, dürfte er parteiintern aber einen schweren Stand haben.

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Andrea Caroni. Quelle: Ruben Sprich

Andrea Caroni: Der aus dem Osten

Caroni ist aktuell Vizepräsident der Partei. So fällt ihm die Aufgabe zu, den Prozess der Nachfolgefindung von Petra Gössi in die Wege zu leiten. Zum aktuellen Standpunkt möchte er nichts über seine persönlichen Absichten kundtun. Der Prozess werde erst jetzt in die Wege geleitet und über die dafür vorgesehenen Gremien, namentlich die Parteipräsidentenkonferenz, vorangetrieben. Der Appenzeller hat zwei kleine Kinder und wird es sich deshalb wohl zweimal überlegen, ob er sich das zeitintensive und nervenaufreibende Amt des Präsidenten antun soll.

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Chrstian Wasserfallen. Quelle; Ruben Sprich

Christian Wasserfallen: Der Absager

Der Berner FDP-Nationalrat wurde schon vor fünf Jahren ins Spiel gebracht. Und schon damals sagte er ab. Auch jetzt will er nichts von einer Kandidatur für das Präsidium wissen. Wasserfallen stand für eine liberale Umweltpolitik und wurde von Gössi mit der Kehrtwende aus den dafür zuständigen Kommissionen entfernt. Sowohl in der EU-Frage wie jetzt beim CO2-Gesetz kritisierte Wasserfallen die Parteileitung scharf und forderte eine Kurskorrektur. Selber an die Spitze, das sei mit seiner Tätigkeit in der Privatwirtschaft nicht vereinbar, sagt er.

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Susanne Vincenz-Stauffacher. Quelle: Wikimedia

Susanne Vincenz-Stauffacher: Die Ikone der Linken

Die Präsidentin der FDP Frauen will, wenig überraschend, erneut eine Frau an der Spitze. Also weshalb dann nicht sie? «Ich habe bereits das beste Präsidentinnen-Amt inne», sagt sie lachend. Aber sie weiss, dass ihr Name in der FDP kursiert. Und wenn keine andere Frau will, dann sollte sie doch so konsequent sein und selber antreten? «Ich äussere mich momentan nicht dazu. Zuerst wird einmal eine Findungskommission einberufen, bei der wir natürlich vertreten sein wollen.» Es darf davon ausgegangen werden, dass sie vor allem Druck machen wird, dass eine Frau aufs Ticket kommt. Aus feministischem Prinzip.

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Philippe Nantermod. Quelle: Ruben Sprich

Philippe Nantermod: Der Kämpfer aus dem Wallis

Der Walliser ist Vizepräsident der FDP Schweiz und seit 2015 im Nationalrat. Er ist national bekannt geworden durch seine Moderationen der eidgenössischen Delegiertenversammlungen, welche er jeweils mit Charme über die Bühne bringt. Und mindestens auf Französisch ist er ein harter Debattierer, wie man von Auftritten in welchen Medien weiss. Der Bergler hat sich wenig überraschend noch nicht aus der Deckung gewagt, und wartet ebenfalls die Prozesse der Findungskommission ab. Auch er ist als Vizepräsident mit dem Aufgleisen des Findungsprozesses absorbiert. Nach zwei Deutschschweizer Präsidenten ist es eventuell wieder Zeit für einen lateinischen Präsidenten.

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Thierry Burkart. Quelle: Ruben Sprich

Thierry Burkart: Der im Hintergrund

Der Aargauer Ständerat Thierry Burkart sagt, der Rücktritt von Petra Gössi habe ihn überrascht. Klar ist aber: Burkart war nie zufrieden mit dem Kurswechsel unter Gössi. Er hat die Parteileitung in der EU-Frage und beim CO2-Gesetz schon früh offen kritisiert. Seine Kantonalpartei hat das CO2-Gesetz sogar abgelehnt. Auf die Frage, ob er sich selber zur Verfügung stelle, sagt er bloss: «Kein Kommentar». Damit hält sich der Aargauer alle Optionen offen, zum Beispiel für den Fall, dass der linke Flügel mit einer Kandidatur kommt. Dann ist er möglicherweise bereit, sich in die Schlacht zu werfen.

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Andri Silberschmidt. Quelle: André Springer

Andri Silberschmidt: Der Favorit, der nicht will

Der Zürcher Nationalrat hat sich zum Shootingstar der FDP entwickelt. Und sein Name wird auffallend oft genannt, wenn es um die Nachfolge von Petra Gössi geht. Er ist der Favorit von einigen einflussreichen Leuten. Er selber wollte sich am Montag zu den Vorgängen bei der FDP lange nicht äussern. «Ich gebe Ihnen keine Auskunft.». Er rede zurzeit mit keinem Medium. Der 27-Jährige würde den Führungsanspruch des Zürcher Freisinns wieder aufleben lassen.
Am späteren Nachmittag folgt dann das Dementi via Twitter. Er nehme sich aus dem Rennen um das Präsidialamt, dies, um sich auf seine berufliche Karriere zu konzentrieren. Die nächsten Jahre wolle er Milizpolitiker bleiben. Schliesslich sei er auch noch nicht lange Nationalrat und wolle sich erst das Handwerk für zukünftige Aufgaben aneignen.

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