Wer die Polizei abschaffen will, fördert den Waffenhandel

Wer die Polizei abschaffen will, fördert den Waffenhandel

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von Markus Melzl am 3.6.2021, 11:23 Uhr
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In den USA ist die Polizeilandschaft im Umbruch, was massive Waffenkäufe zur Folge hat.

Viele Mainstream-Medien gaben sich redlich Mühe, die Berichterstattung über die Pläne, in Ithaca im Bundesstaat New York, die Polizei abzuschaffen und den landesweiten Anstieg von Waffenkäufen nicht miteinander in Verbindung zu bringen. Der Erfolg dieser Bestrebungen war minim, weil die Sache zu offensichtlich ist. Während der Amtszeit von US-Präsident Donald Trump wurde einhellig die Meinung vertreten, dass Waffenkäufer alte, weisse und erzkonservative Männer sind. Im US-Wahlkampf 2016 hat dann auch die demokratische Kandidatin Hillary Clinton die Hälfte der Trump-Anhänger als einen Sack von Kläglichen (basket of deplorables), Rassisten, Sexisten, Homophobe, Ausländer- und Islamfeinde bezeichnet und dabei wohl viele Waffenkäufer gemeint. Zudem sind viele Demokraten der Auffassung, dass Mitglieder der politisch starken National Rifle Association (NRA) ebenfalls in den Sack von Kläglichen geschmissen werden sollen.
Jetzt wurde aber für gewisse Kreise schmerzlich bekannt, dass viele Frauen und Schwarze Pistolen, Revolver und Gewehre kaufen. Da gibt es Waffen-Gruppen für politisch Linksstehende, für Latinos, die Gruppe Pink Pistols für Schwule und Lesben und die Vereinigung „National African American Gun Association“ mit mehr als 45'000 Mitgliedern. Also nichts da mit ausschliesslich Anhängern des Ku-Klux-Klan. Nach der Tötung des Schwarzen George Floyd durch den ehemaligen US-Cop Derek Chauvin in Minneapolis überprüfen viele amerikanische Kommunen ihre Polizeibehörden. Die Stadt Ithaca im US-Bundesstaat New York will sogar einen Schritt weiter gehen, plant dabei die Auflösung des Police Departements und will die Polizisten durch „Community solution workers“ ersetzen. Das kann ja heiter werden. Der Bürgermeister geht davon aus, dass es in vielen Fällen besser wäre, bei Einsätzen unbewaffnete Zivilangestellte einzusetzen und bei Notrufen wäre es nach den kruden Vorstellung der Stadtoberen sinnvoller, wenn Mitarbeitende ausrücken würden, die für psychische und soziale Krisensituationen geschult sind.
Vielleicht hätte dieser Bürgermeister ein paar Nachtdienste mit seiner Polizeitruppe verbringen sollen um zu realisieren, wie Polizistinnen und Polizisten in der Lage sein müssen, in Krisensituationen deeskalierend ihre Arbeit zu meistern und dies auch mit Menschen in psychisch belastenden Situationen. Und selbstverständlich muss im Extremfall jeder Polizeiangehörige bereit und in der Lage sein, schnell und zielgerichtet repressiv zu handeln. Wer meint, die Menschen in den Vereinigten Staaten fühlen sich primär von der Polizei bedroht, liegt falsch. Die Gewaltkriminalität in allen US-amerikanischen Grossstädten steigt kontinuierlich und dass sich seit den Black-Lives-Matter-Demonstrationen die Polizei bei Einsätzen gegen People of color zurücknimmt, hat nicht zur Beruhigung der Kriminalitätslage geführt. Im Gegenteil. Viele Delinquenten fühlen sich dadurch animiert, weil die Gefahr einer Festnahme drastisch gesunken ist. Wenn bei Hilferufen keine Polizei, sondern irgend ein Solutions Worker daherkommt, dann ist es für viele Bürger naheliegend, seine Sicherheit selbst in die Hand zu nehmen und dazu eignet sich nun mal eine Waffe. Wie heisst es doch: „The only thing stopping a bad guy with a gun, is a good guy with a gun“.
Markus Melzl, ehemaliger Kriminalkommissar und Sprecher der Staatsanwaltschaft Basel-stadt
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