Vorteil, ethnische Minderheit: Warum sich weisse Studenten im den USA als Latinos ausgeben

Vorteil, ethnische Minderheit: Warum sich weisse Studenten im den USA als Latinos ausgeben

Diversity ad absurdum: An US-amerikanischen Colleges hilft es, wenn man bei der Bewerbung schummelt.

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von Hans Rentsch am 16.11.2021, 08:00 Uhr
Vorteil ethnische Minderheit: Wer nicht weiss ist, hat an US-Universitäten oftmals bessere Zulassungschancen. Foto: Keystone
Vorteil ethnische Minderheit: Wer nicht weiss ist, hat an US-Universitäten oftmals bessere Zulassungschancen. Foto: Keystone
Die amerikanischen Hochschulen sind bekanntlich die Hot Spots des Diversity-Hypes, der bereits – ohne die spezifisch amerikanische ethnische Komponente – auch an unsere Hochschulen hinübergeschwappt ist.
Jedes Jahr bewerben sich in den USA angehende College-Studentinnen und -Studenten um die Aufnahme an der Hochschule ihrer Wahl. In den aufwendigen Zulassungsanträgen sind Noten sowie ausserschulische Leistungen und Empfehlungen anzugeben – aufgrund derer dann über die Zulassung entschieden wird.
Die US-amerikanische Informationsplattform «Intelligent.com» hat im Juli dieses Jahres 1250 weisse College-Bewerber und Bewerberinnen ab 16 Jahren gefragt, ob sie bei ihrer Bewerbung gelogen hatten. Und tatsächlich: Überraschend viele schummelten bei ihrer Bewerbung, indem sie angaben, einer ethnischen Minderheit («racial minority») anzugehören. Damit wollten sie die Diversity-Bemühungen der betreffenden Hochschule nutzen, um die Zulassung oder mehr finanzielle Unterstützung zu erhalten.

Erstaunlicher Gender-Gap

Die Umfrage ergab, dass 34 Prozent der Weissen, die sich für ein College beworben hatten, in ihren Bewerbungen fälschlicherweise behaupteten, Angehörige einer ethnischen Minderheit zu sein. 81 Prozent der Befragten sagten, sie wollten damit ihre Chancen auf eine Aufnahme verbessern. 50 Prozent gaben an, sie hätten auch gelogen, um von der Finanzhilfe für Minderheiten zu profitieren.
77 Prozent der schummelnden weissen Kandidaten wurden von den belogenen Colleges aufgenommen. Während andere Faktoren bei ihrer Aufnahme eine Rolle gespielt haben mögen, glaubten 85 Prozent der Bewerber, die gelogen hatten und angenommen wurden, dass die Fälschung ihres ethnischen Minderheitenstatus ihnen bei der Zulassung zum College geholfen habe.
Ein Gender-Gap ist gerade beim Lügen um Positionsvorteile zu erwarten, aber er ist in diesem Falle doch erstaunlich gross. Angehende Studenten logen bei einer College-Bewerbung dreimal häufiger als Studentinnen. 48 Prozent der männlichen Befragten gaben bei ihrer Hochschulbewerbung an, einer Minderheit anzugehören, jedoch nur 16 Prozent der weiblichen.
Fast die Hälfte aller Befragten, die über ihren Minderheitenstatus gelogen hatten, gaben sich in ihren Bewerbungen als amerikanische Ureinwohner aus. 13 Prozent bezeichneten sich als Latinos, 10 Prozent erklärten sich zu Schwarzen (African Americans), und 9 Prozent gaben an, asiatische Wurzeln zu haben oder pazifische Inselbewohner zu sein.
Laut Kristen Scatton, Managing Editor von «Intelligent.com», ist die Häufigkeit von Bewerbern, die behaupten, amerikanische Ureinwohner zu sein, möglicherweise auf die populäre Erzählung zurückzuführen, dass bei vielen Amerikanern ein kleiner Prozentsatz ihrer DNA von einem indianischen Stamm rührt. Die Forschung habe jedoch gezeigt, dass dies nicht allzu häufig sei, insbesondere bei weissen Amerikanern. «Aber die Bewerber verlassen sich darauf, dass kein College sie auffordern wird, eine DNA-Probe zur Überprüfung vorzulegen.»

Moralische Appelle

Scatton warnte zukünftige Bewerber, dass sich Risiko nicht lohne, solche Tricks zu verwenden, um die Zulassungschancen zu erhöhen. «Bei einer College-Bewerbung über irgendetwas zu lügen, einschliesslich der Rasse, ist nie eine gute Idee», sagte sie. «Hochschulen können und werden Zulassungsangebote zurückziehen, wenn sie feststellen, dass Studierende während des Bewerbungsprozesses gelogen haben.»
Es ist bezeichnend, dass man das Problem der schummelnden Studenten nicht in der Fragwürdigkeit einer diskriminierenden Diversity-Policy der Colleges sieht, sondern moralische Appelle an die Studenten richtet. Doch moralische Ermahnungen sind wirkungslos, wenn die regulatorischen Fehlanreize einer überzogenen Diversity-Politik, nach dem Gesetz der «unintended consequences», in die andere Richtung wirken.

Zur Person

Hans Rentsch ist promovierter Ökonom und Publizist. Zudem ist er Mitgründer des liberalen Think Tanks Carnot-Cournot-Netzwerk.

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