Videomaterial ungefragt übernommen: SRF droht eine Betreibung

Videomaterial ungefragt übernommen: SRF droht eine Betreibung

Ein Videoproduzent will rund 20’000 Franken vom Schweizer Fernsehen. Der Sender hatte ungefragt Material der Bündner Firma für die Satiresendung «Deville» verwendet. Mahnungen blieben bisher unbeantwortet, nun droht der Filmer mit der Betreibung.

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von Stefan Millius am 10.11.2021, 13:30 Uhr
Screenshot aus der bewussten «Deville»-Sendung. (Bild: SF)
Screenshot aus der bewussten «Deville»-Sendung. (Bild: SF)
In massnahmenkritischen Kreisen ist «WDChur» eine feste Grösse. Der Inhaber der Firma, Werner Deflorin, bietet die Erstellung und Bearbeitung von Videomaterial an. Aktuell ist er aber oft privat in Sachen Corona unterwegs und fängt beispielsweise Impressionen von Kundgebungen ein. Diese verbreitet er auf verschiedenen Kanälen.

30 Sekunden aus privatem Material

Aus diesem Fundus hat sich das Schweizer Fernsehen (SRF) ziemlich freihändig bedient. Und zwar für eine Ausgabe der Sendung «Deville» im vergangenen Oktober. Knapp 30 Sekunden lang wird eine Sequenz der Aufnahmen von WDChur von einem massnahmenkritischen Anlass gezeigt. Zu sehen ist das hier ab Minute 13:59.
Die Quelle wird während des Ausschnitts unten rechts eingeblendet. Was für Werner Deflorin aber nichts am Sachverhalt ändert: Das Material, das er auf der Plattform «Twitch» publiziere, sei urheberrechtlich geschützt. Dass der Originalclip bearbeitet worden sei, verletze zudem die Werksintegrität.

Kaum als Zitat «zur Veranschaulichung»

Unter gewissen Umständen erlaubt es das Zitatrecht, ein fremdes Bild oder einen Clipausschnitt zu zeigen, um einen im Beitrag dargestellten Sachverhalt zu illustrieren. Auch das sieht Deflorin hier nicht gegeben. Der Ausschnitt sei nicht als Zitat gekennzeichnet, und im Rahmen einer Satiresendung könne man auch nicht davon ausgehen, dass das Videomaterial «zur Veranschaulichung dient».
Im Namen seiner Firma WDChur stellte er SRF deshalb das verwendete Material in Rechnung. 18’620 Franken soll das kosten. Die Summe sei auf der Grundlage der Reichweite des Senders branchenüblich, hielt Werner Deflorin in seinem Schreiben fest. Inzwischen sind knapp 1000 Franken «Verzugszins» dazu gekommen. Denn die Rechnung und die danach folgende Mahnung blieben bislang unbezahlt und unbeantwortet. Diese Woche hat der Filmer die «letzte Mahnung» eingeschrieben verschickt. Sollte weiterhin nichts passieren, werde er eine Betreibung gegen das Schweizer Fernsehen einleiten, so der Churer.

Sender reagiert nicht

Der nationale TV-Sender scheint sich gar nicht erst auf eine Diskussion einlassen zu wollen: Auf Mails von Deflorin folgte bislang die automatisierte Standardantwort. Auch eine Anfrage des «Nebelspalters» blieb bisher ohne Reaktion.
Einen neckischen Seitenhieb kann sich Werner Deflorin in seiner letzten Mahnung mit Zahlungsziel von zehn Tagen nicht verkneifen. Er sei auch bereit, über eine Ratenzahlung zu sprechen, falls das Schweizer Fernsehen nicht liquid genug sei für die Gesamtzahlung.
Aber der Filmer hat inzwischen dazu gelernt: Bei seinen jüngsten Veröffentlichungen vermerkte er jeweils, dass Videoausschnitte nur von «alternativen Medien» verwendet werden dürften. Zu diesen dürfte SF kaum gehören.

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Stefan MilliusHeute, 17:00comments

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