Toni Brunner will ins Parlament zurück. Bundesratsambitionen?

Toni Brunner will ins Parlament zurück. Bundesratsambitionen?

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von Markus Somm am 1.4.2021, 06:59 Uhr
Toni Brunner, ehemaliger Präsident der SVP.
Toni Brunner, ehemaliger Präsident der SVP.
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Brunner will Corona-Politik des Bundes bekämpfen. Ohne bürgerliche Einheit gehe das aber nicht. Er sieht sich als «Brückenbauer».

Für geraume Zeit schien klar, dass Toni Brunner, der ehemalige, charismatische Präsident der SVP, die Politik auf immer verlassen hat. Nun sind andere Töne zu hören. Die Schliessung der Restaurants, mitunter sein eigenes, hat Brunner offensichtlich umgestimmt. Er möchte zurück nach Bern. Die verfehlte Corona-Politik, so Brunner im Gespräch, habe ihn endgültig davon überzeugt.
Nebelspalter: Stets haben Sie betont, Bern sei für Sie erledigt. Nun planen sie ein Comeback. Was ist das Motiv?
Toni Brunner: Ich kann nicht mehr zusehen. Der Staat wird immer autoritärer, er entwickelt sich zur Diktatur. Menschen werden in ihren individuellen Freiheitsrechten beschnitten, Unternehmer dürfen nicht mehr Geschäften. Dass ich sowas tatsächlicheinmal erlebe, dass es so weit kommt, dass sich der Staat so viele Rechte herausnimmt, dass er die Bürger derart bevormundet, um sie abhängig zu machen, das hätte ich mir nie vorstellen können. Das hat in mir einen nie geahnten Prozess ausgelöst.
Nebelspalter: Was ist jetzt das Ziel? Treten Sie an den nächsten Nationalratswahlen wieder an, im Kanton St. Gallen oder gar im Kanton Zürich?
Brunner: Ich bin bereit, mich zur Verfügung zu stellen. In welcher Form möchte ich offenlassen. Aber ich habe vor, jenen Leuten in Bern eine Verstärkung anzubieten, die der Ansicht sind, dass wir dieser Beschränkung der individuellen Freiheitsrechte und dem unablässigen Ausbau der Staatsallmacht ein Ende setzen müssen. So wie es jetzt läuft, kann es nicht weitergehen: Unter dem Motto «Mehr Freiheit, weniger Staat» würde ich mich gerne wieder politisch einbringen.
Nebelspalter: Ist das nicht ein Misstrauensvotum gegen die aktuelle Führung der SVP? Braucht die Partei Sie wieder, weil sie es nicht kann?
Brunner: Inhaltlich gesehen macht es die SVP sehr gut. Was die Partei aber aktuell nicht fertigbringt: Sie ist nicht mehrheitsfähig – dies zu verbessern, wäre mein vorrangiges Ziel. Da würde ich sie gerne unterstützen, auch wenn ich mir bewusst bin, wie schwierig das ist. Aber wir dürfen nicht einfach hinnehmen, dass zum Beispiel ein Nationalrat wie Marcel Dobler, FDP St. Gallen, in der Öffentlichkeit herausposaunt, er verlange eine Öffnung der Läden und Restaurants, und nachher, wenn das Parlament darüber entscheidet, stimmt er dagegen. Wir müssen unbedingt unterbinden, dass man über die Parteigrenzen hinaus irgendetwas verkündet und dann nicht umsetzt. Wir Bürgerlichen müssen wieder lernen zusammenzustehen. Zu tun, für was wir stehen. Aber dazu braucht es Brückenbauer. Als solchen sehe ich mich: Ich würde gerne als Brückenbauer dienen.
Nebelspalter: Ausgerechnet Sie? Sie stehen für einen doch recht robusten, mitunter polarisierenden Kurs der SVP. Sie haben die bürgerlichen Partner in der FDP und der CVP oft vor den Kopf gestossen.
Brunner: Ich bin jetzt in einem Alter, da ich diese Funktion gut wahrnehmen kann, zumindest glaube ich das. Ich bilde mir ein, über die Parteigrenzen hinaus etwas bewirken zu können. Als ich jung war, da war ich vielleicht hin und wieder etwas zu ungestüm. Jetzt, im gesetzteren Alter, weiss ich nur zu gut, dass man ab und zu auf die anderen Bürgerlichen zugehen muss. Ohne Kompromisse geht es nicht.
Nebelspalter: An dieser Formulierung, so würde ich sagen, erkennt man schon, worum es Ihnen geht: Sie wollen doch noch Bundesrat werden. Sie scheinen sich bereits bei der Mehrheit andienen zu wollen. Stimmt der Eindruck, dass Sie Bundesrat werden wollen?
Brunner: Nun, ich würde es so ausdrücken: Sag niemals nie!
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