Thomas Süssli, Armeechef, bei Markus Somm: «Die Jungen kommen wieder gerne ins Militär».

Thomas Süssli, Armeechef, bei Markus Somm: «Die Jungen kommen wieder gerne ins Militär».

Warum braucht es eine Armee? Kriege in Westeuropa, wo die Schweiz liegt, wirken wie Science-Fiction. Wann würde uns Österreich je noch überfallen, warum sollte Italien morgen Lugano bombardieren? Trotzdem ist Süssli überzeugt, dass es eine Armee braucht, wie könnte es auch anders sein?


Er muss an sie glauben. Doch im Gespräch mit Markus Somm entwirft Süssli ein vielschichtiges, realistisches und zuweilen düsteres Bild der Bedrohung. Nicht dass wir das noch nie gehört hätten: Cyber-War, Terrorismus, Migration und so weiter, und doch macht Süssli einen guten Eindruck: Wenn man ihn reden hört, dann lernt man einen Militärkopf kennen, der so gar nichts mit dem alten Militärkopf zu tun hat, wie er im Kalten Krieg angeblich verbreitet war. Genauso wenig gleicht er den Internationalisten, Berufskriegern und Nato-Fans, die in den 1990er Jahren die Armee beinahe ruiniert haben. Süssli ist ein Chef, der gerade Jungen erklären kann, warum er sie dringend braucht – und was die Armee zu bieten hat.Tatsächlich dürfte ihm das derzeit nicht so schwerfallen. Süssli beobachtet, dass die Jungen sehr viel motivierter in die Armee kommen. Warum? Natürlich lockt sie eine Art Abenteuer, aber auch das Erlebnis von Extremsituationen, und die Chance, früh und real Verantwortung zu übernehmen – in einem Alter, da man den Jungen sonst nur zutraut, Steuern zu bezahlen oder die Fahrprüfung zu bestehen.Süssli selbst war ein Rekrut, der eigentlich nicht weitermachen wollte – wie es so häufig vorkommt bei hohen Offizieren. Als er aber dann die Offizierslaufbahn einschlug, gab es kein Zurück, stetig und mit Begeisterung stieg er auf. Dennoch ist er ein Spätberufener, lange diente er gar nicht als Berufsoffizier, sondern blieb ein Milizler. Verglichen mit manchen seiner Vorgänger im hohen Kader ist Thomas Süssli so gesehen ein aussergewöhnlicher Chef der Armee: der ausgebildete Informatiker hat ein Leben lang in der Privatwirtschaft gearbeitet, insbesondere für Banken wie Credit Suisse, UBS oder Vontobel, er lebte im Ausland, unter anderem in London und in Singapur, bevor er 2015 als Berufsoffizier in die Armee wechselte. Seit dem 1. Januar 2020 ist er Chef der Armee. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder. Und er ist ein Zürcher.Ein Gespräch über die Schweizer Armee, die beste in der Schweiz, über Krieg und Frieden und über die Frage, wie man die Armee den Jungen näher bringt.

Juni 10, 2021