Thierry Burkart: Liberalismus ohne Bindestrich

Thierry Burkart: Liberalismus ohne Bindestrich

Thierry Burkart will FDP-Präsident werden. Das hat etwas Logisches. Trotzdem steht viel auf dem Spiel – für ihn persönlich und seine Partei.

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von Dominik Feusi am 16.8.2021, 09:23 Uhr
Der logische FDP-Präsident: Thierry Burkart (Bild: Ruben Sprich)
Der logische FDP-Präsident: Thierry Burkart (Bild: Ruben Sprich)
Er macht es. Thierry Burkart, FDP-Ständerat aus dem Aargau stellt sich für das FDP-Präsidium zur Verfügung. Er war schon lange der Favorit von vielen an der Basis der FDP, doch er hielt sich bedeckt, während die Medien reihenweise «Kron»- und «Topfavoriten» – meist links von Burkart – aus dem Ärmel zauberten, die dann reihenweise absagten.
Burkart ist an der Basis beliebt. Der Grund: Er hat früher als andere gemerkt, dass das Gros der Partei weder den EU- noch den Ökokurs der Spitze mitträgt. Und er hat davor gewarnt, dass die Partei sich nicht mit Themen profilieren könne, bei denen sie gespalten sei.

Schon immer liberal

Nun könnte man nach all den Absagen von anderen meinen, er mache es, weil es niemand sonst macht. Dem ist aber nicht so. Burkarts Aufstieg an die Spitze der FDP hat etwas Logisches. Er war schon immer liberal.
Im Gespräch mit Markus Somm sagt er, sein Liberalismus gründe darin, dass er als Sohn einer alleinerziehenden Mutter schon immer für sich selber habe schauen müssen. Vermutlich versteht er deshalb mehr von der freiheitlichen DNA der Partei als viele Mode-Liberale, die Liberalismus, verstanden als individuelle Freiheit und Eigenverantwortung, ohne ein einschränkendes Wort nicht aushalten.

Burkart ist nicht «wirtschafts-liberal», «öko-liberal», «sozial-liberal» oder «gesellschafts-liberal», sondern einfach liberal – ohne Bindestrich und Adjektiv.


Nein, Burkart ist nicht «wirtschafts-liberal», «öko-liberal», «sozial-liberal» oder «gesellschafts-liberal», sondern einfach liberal – ohne Bindestrich und Adjektiv davor oder dahinter. Burkart weiss: Mit dem Bindestrich holt man sich Bevormunder, Sachzwänge und Abhängigkeiten an Bord.

Eine Kampfansage

Genau deshalb ist er eine Kampfansage an alle, die aus der FDP seit Jahrzehnten eine Steigbügelhalterin für ihre eigene Politik machen wollen. Für eine EU-Politik, welche die staatspolitischen Grundlagen des von der FDP wesentlich geprägten Staates und seiner Institutionen abschafft. Oder für einen Kampf gegen den Klimawandel, der Marktwirtschaft und Wettbewerb der Ideen und Lösungen über Bord wirft. Oder für eine Revision von AHV und beruflicher Vorsorge, die sich nicht darum kümmert, ob es in dreissig Jahren noch eine Altersvorsorge gibt oder nicht.
Seine Gegner in Politik und Medien werden nichts unversucht lassen, ihn als Anhängsel der SVP zu diskreditieren. Bereits jetzt war zu lesen, mit Burkart rücke die FDP «nach rechts». Ihm kann (und soll) dies egal sein.

Burkart könnte die bürgerliche Zusammenarbeit wiederbeleben, nach dem Motto «getrennt marschieren, gemeinsam zuschlagen».


Denn es ist ganz einfach: Natürlich stimmen FDP und SVP (und die Mitte) ab und zu überein. Denn beide (alle drei) sind bürgerliche Parteien. Sie vereint das Bekenntnis zu einer Gesellschaft mit eigenverantwortlichen Menschen, die selbstbestimmt leben wollen – unabhängig von politischer Bevormundung und ihrer Regulierung. Burkart könnte die bürgerliche Zusammenarbeit wiederbeleben, nach dem Motto «getrennt marschieren, gemeinsam zuschlagen».

Partei der selbstbestimmten Menschen

Und was bedeutet dieser Liberalismus für die FDP? Er ist eine Chance, möglicherweise ihre letzte. «Träume nicht dein Leben, lebe deinen Traum», darum geht es. Nur eine liberale Gesellschaftsordnung macht das möglich. Nichts ist für Wählerinnen und Wähler attraktiver als das Programm des Liberalismus ohne Bindestrich. Burkart hat das Zeug dazu, dies sichtbar zu machen. Anbiederung an irgendwen braucht er nicht, krankhafte Abgrenzung ebenso wenig. Genau das entspricht Burkarts Persönlichkeit: Er ist zugänglich und stets freundlich im Ton, aber sein Standpunkt ist sein Standpunkt.
In zwei Jahren sind Wahlen. Für die FDP steht viel auf dem Spiel. Es gibt viel zu verlieren – mehr als ein Bundesratssitz – aber es gibt auch viel zu gewinnen, nämlich das Vertrauen (und die Stimmen) der bürgerlichen Schweiz, besonders jenes Teils, der mit Stil und Konservativismus der SVP Mühe haben.
Burkart kann dies gelingen, wenn er sich mit Leuten umgibt, denen er vertrauen kann und die seine Überzeugungen teilen – anstatt auf die linksliberalen Berater Petra Gössis zu setzen. Und wenn er sich auf seinen liberalen Kompass und die Basis der FDP verlässt statt auf den Applaus der Medien und der politischen Gegner schielt.
Anmerkung: Der Autor besuchte dasselbe Gymnasium wie Burkart (ein paar Klassen höher – und gar nicht liberal).

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