Der gewaltsame Tod des konservativen Aktivisten Charlie Kirk in den USA sorgt für Diskussionen, auch in der Schweiz. Stefan Millius nahm das Ereignis in einer Spezialausgabe von Daily Mill zum Anlass, über den Zustand der Meinungsfreiheit zu sprechen.
- Im Gespräch mit Janine Tuccio-Bürgin erklärt er, warum Debattenkultur immer öfter durch Schlagworte ersetzt wird, weshalb er die Gefahr vor allem von links wahrnimmt und wo er selbst schon Einschränkungen erlebt hat.
Stefan, du hast kürzlich ein Daily-Mill-Spezial zu den Geschehnissen in den USA gemacht, konkret zum gewaltsamen Tod von Charlie Kirk. Man hat gemerkt, dass das Thema viele Leserinnen und Leser bewegt hat. Welche Reaktionen hast du erhalten?
Stefan Millius: Ich habe die erwartbaren Reaktionen bekommen: Zustimmung von einigen, Kritik von anderen. Aber das gehört dazu – und im Unterschied zu vielen anderen habe ich kein Problem damit. Ich trete auch gerne in den Dialog, sei es auf YouTube, im Nebelspalter oder in den Kommentarspalten. Es geht ja um jemanden, der selbst die Debatte gesucht hat. Entsprechend wäre es falsch, diese nicht zu führen. Und ich muss sagen: Das meiste war anständig und hat einen guten Diskurs ermöglicht.
«Auch in der Schweiz erleben wir einen immer enger werdenden Meinungskorridor.»
Warum hast du dazu eine Spezialsendung gemacht? Hast du das Gefühl, die Meinungsfreiheit ist auch in der Schweiz bedroht?
Selbstverständlich, sie ist weltweit bedroht. Ich kannte Charlie Kirk von TikTok und anderen Plattformen, und auch wenn ich nicht immer seiner Meinung war, finde ich: Genau das macht Debatten spannend. Auch in der Schweiz erleben wir einen immer enger werdenden Meinungskorridor.
- Oft gibt es keine Gegenargumente mehr, sondern nur Kampfbegriffe. Wenn man über Migration reden will, heisst es sofort: rechts.
- Wenn man beim Ukraine-Krieg andere Perspektiven vorschlägt: «Putin-Versteher».
Das ersetzt die sachliche Diskussion. Ich erlebe das vor allem auf der linken Seite sehr stark, obwohl es natürlich auch Rechte gibt, die nicht diskutieren können. Aber meine Wahrnehmung ist: Bei den Linken wird am schnellsten mit Totschlagargumenten gearbeitet und sie sind der Meinung, dass gewisse Meinungen gar nicht existieren dürfen.
«Nicht jeder hat wie ich den Nebelspalter im Rücken, wo ich täglich 15 Minuten frei reden darf. Viele andere merken die Einschränkungen sehr viel stärker.»
Hast du persönlich auch schon erlebt, dass deine eigene Meinungsfreiheit eingeschränkt wurde?
Ja, zum Beispiel wurde ich als Autor von Lesungen ausgeladen, weil Veranstalter meinten, meine Texte seien nicht tragbar. Ein kleiner Verlag hat mich fallen gelassen, weil andere Autoren nicht im gleichen Verlag publizieren wollten wie ich. Das ist für mich existenziell nicht dramatisch – aber es ist ein schlechtes Zeichen. Ansonsten bin ich privilegiert: Ich habe viele Kanäle, wo ich sagen kann, was ich denke. Aber die allgemeine Entwicklung zeigt in eine gefährliche Richtung. Nicht jeder hat wie ich den Nebelspalter im Rücken, wo ich täglich 15 Minuten frei reden darf. Viele andere merken die Einschränkungen sehr viel stärker.