Die Fakten: Es sei schon ein starkes Stück, einen Abbau der Postdienstleistungen als im Sinne des Personals zu verkaufen, findet SP-Nationalrat und Gewerkschafter David Roth.
Warum das wichtig ist: Die Schweizerische Post ist vom digitalen Wandel stark betroffen. Viele der physisch geprägten Dienstleistungen wie die Briefpost oder die Schaltereinzahlungen sind seit Jahren rückläufig.
- Bundesrat Albert Rösti präsentierte am Mittwoch deshalb einen umfassenden Modernisierungsplan.
- Post-Verwaltungsratspräsident Christian Levrat verteidigt einen Abbau. Er argumentiert unter anderem damit, dass Pöstler künftig weniger belastet seien, weil sie nicht mehr abgelegene Höfe anfahren müssten.
SP-Nationalrat David Roth sieht das jedoch anders. Im Gespräch mit dem «Nebelspalter» stellt er klar: Weniger Service bedeute nicht weniger Belastung für die Mitarbeitenden.
Die wichtigsten Aussagen in Kürze
- «Es ist sicher so, dass sich die Dienstleistungen der Post verändert haben und sich verändern müssen. Das wird aber oft mit einem Serviceabbau vermischt mit durchaus nachgefragten Dienstleistungen.»
- «Die Post ist ein Service-Public-Betrieb, der über den reinen wirtschaftlichen Erfolg auch eine weitere Funktion hat. Das heisst: KMU sind darauf angewiesen, dass wir ein funktionierendes Logistiksystem haben. Auch die Kunden und Kundinnen sind darauf angewiesen. Das kostet etwas. Die Frage ist, wo die Kosten anfallen.»
- «Briefe und Pakete sind beide im Bereich der Zustellung. Die Pöstler und Pöstlerinnen machen diese Tour gemeinsam. Wenn wir jetzt bei der Briefzustellung abbauen, würde das dazu führen, dass die Post einen Anreiz hat, weniger effizient zu arbeiten. Das heisst zum Beispiel die sinnvolle gemischte Zustellung von Briefen und Paketen wieder aufzutrennen. So kann man dann sagen, dass Briefe nicht mehr rentabel sind. Das ist keine effiziente Arbeite, sondern eher eine finanz-effiziente Arbeit darstellt. Dies aber auf Kosten der Dienstleistungen für die Leute.»
- «Es wird immer über die Dienstleistungen gesprochen, die sich reduzieren. Aber nicht über die, die Potenzial haben. Das Potenzial liegt in den Paketen. Wir werden je länger immer mehr Pakete nach Hause liefern lassen. Das ist effizient und ökologisch, wenn die Leute keine weiten Distanzen fahren, um an ein Produkt zu kommen. Es ist effizient, wenn jemand 300 Pakete im Kofferraum hat und halt nicht nur eines.»
- «Ich bin überzeugt, dass die Bürgernähe weiter gefragt sein wird und sich die Post mit dem gut ausgebildeten Personal auf den Poststellen weiterentwickeln kann. Was nicht gemacht werden kann, ist, dass ein Automat ständig auf neue Services weiterentwickelt werden kann oder in einer Volg-Filiale auch Bankgeschäfte angeboten werden.»
- Der Verwaltungsratspräsident und ehemalige SP-Ständerat Christian Levrat befürwortet den Abbau. Es sei auch eine Entlastung für die Pöstler, wenn diese nicht mehr zu den abgelegensten Orten fahren müssen. David Roth meint dazu:
«Die Behauptung, weniger Arbeit sei im Sinne des Personals, trifft nicht zu. Wenn zwischen zwei Haustüren eine etwas längere Strecke ist, ist das sicher auch keine Mehrbelastung. Die vielen kurzen Stopps mit vielen schweren Paketen sind eine konstante Mehrbelastung. Das heisst nicht, dass Leute, die bei der Post arbeiten, sich auf möglichst langen Strecken ausruhen wollen. Aber das noch als 'im Sinne des Personals' zu verkaufen, ist schon ein starkes Stück.»
- «Die Schwierigkeit wird sein, die Entwicklung der Zukunft und die Bewahrung der Vergangenheit in eine gemeinsame Strategie zu bringen. Ich hoffe, dass wir es auch mit den konservativeren Kräften schaffen, schweizweit einen guten und preiswerten Service weiterhin zu garantieren.»
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