Editorial zur Print-Ausgabe

Es kommt gut

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03.05.2025
Cover Print-Ausgabe
Cover des Nebelspalter-Magazins. Illustration: Christof Eugster

Kommt es gut? Wer diese Frage stellt und auch noch positiv beantwortet wie wir auf dem Cover dieses Nebelspalters, der muss verrückt geworden sein. Und ich gebe es ja zu: Als wir unsere Titelgeschichte konzipiert hatten, war die Welt zwar bereits aus den Fugen geraten, doch gerade im Prozess-des-in-die-Luft-Fliegens, wie das inzwischen den Anschein macht, befand sie sich noch nicht. Damit möchte ich mich nicht entschuldigen, noch distanzieren noch hintersinnen, sondern eher einräumen: Es ist tollkühn, was wir nach wie vor finden. Es kommt gut.

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Gewiss, alles ist eine Frage der Zeit. Selbst wenn Donald Trump scheitern sollte und die Weltwirtschaft mit ihm, irgendwann ist noch die schlimmste Krise vorübergezogen. Das gilt auch jetzt. So naiv oder zynisch das klingen mag. Doch so einfach mache ich es mir dann auch wieder nicht. Ich bleibe dabei: Was Trump mit den wenig feinen Manieren eines Gorillas versucht, – eine neue Ordnung der Welt durchzusetzen –, mag gelingen oder auch nicht, doch wenn nicht, dann ist es nur aufgeschoben. Es kommt ein anderer Trump-Typus, ob in China oder in Amerika, der die Welt auf den Kopf stellt, – die sich halt schon halb auf diesen Weg gemacht hat.

Seien wir ehrlich: Steht nicht vieles schief? Es ist nicht nachhaltig, dass das mächtigste Land der Welt, Amerika, auch das am meisten verschuldete Land der Welt ist. Es ergibt wenig Sinn, dass das Land mit der modernsten und grössten Armee der Welt, dito, nicht mehr in der Lage ist, den Stahl herzustellen, den es für seine Schiffe, Panzer und Kanonen braucht. Noch kann es sein, dass die zweitreichste Region der Welt, Europa, sich von der reichsten Region, USA, einfach die Verteidigung bezahlen lässt, während es den eigenen Sozialstaat auf Kosten auch noch des ärmsten amerikanischen Steuerzahlers ausbaut – wenn auch indirekt, indem wir Europäer uns die Ausgaben fürs Militär sparen. Ebenso kommt es bestimmt nicht gut, wenn eine kommunistische Diktatur, wie das China ist, sich anschickt, zum mächtigsten und gefährlichsten Land der Welt aufzusteigen. Wer will das wirklich?

Irgendwann musste Gegensteuer gegeben werden. Ohne Frage: Mir wäre es ebenso lieber, das wäre seriöser, weniger grob, besser überlegt und ja auch: vorsichtiger geschehen, als was wir das jetzt bei Trump beobachten oder erdulden. Trotzdem stimmt: Trump ist nur das Mittel, dessen sich der schwer fassbare, vielleicht nicht-existente, aber doch immer wieder spürbare Weltgeist zu bedienen scheint, – wenn wir das so hegelianisch ausdrücken wollen.

Ich hoffe, Sie verfallen nach der Lektüre nicht der Depression. Es gibt auch Hoffnung. Es kommt, wie gesagt, gut.

Mit herzlichen Grüssen

Markus Somm

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