Furrers Klartext

Der Nanny State will dem Schoggihasen an den Kragen

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15.04.2025
Schreckensszenario für griesgrämige Kostverächter: Schoggi-Osterhase. Karikatur: Chat-GPT
Schreckensszenario für griesgrämige Kostverächter: Schoggi-Osterhase. Karikatur: Chat-GPT

Urs Furrer ist Direktor des Schweizerischen Gewerbeverbandes sgv und schreibt regelmässig für den Nebelspalter.

Man muss nicht an den Osterhasen glauben, um einen solchen zu vertilgen: In diesen Tagen freut sich Jung und Alt auf den alljährlichen Schoggihasen-Schmaus. Rund 20 Millionen Osterhasen werden laut Chocosuisse in der Schweiz jedes Jahr hergestellt. Das sind zwei bis drei Stück pro Erwachsenen, Kind und Kegel: Was für Viele Freude und Genuss bedeutet, ist für griesgrämige Kostverächter ein Schreckensszenario. Zu Letzteren gehören die Gesundheitsapostel in Bundesbern: Sie wollen, dass wir alle weniger Schoggihasen essen.

Genuss und Freude ade

Damit nicht genug: Auch sonst soll das Volk weniger von allem essen, was viel Zucker, Fett oder Salz enthält. Darum treibt der Bund die Hersteller von solchen Produkten vor sich her. Zum Beispiel mit Vereinbarungen, in denen sich die Produzenten verpflichten, den Anteil staatlich unerwünschter Zutaten zu verringern – egal, ob es den Konsumenten passt oder nicht. Auch die Bewerbung solcher Produkte will der Bund künftig beschränken. Die Entscheidung darüber, welche Werbung wie verboten wird, soll dabei an Herausgeber von Ernährungsempfehlungen delegiert werden, beispielsweise an die Weltgesundheitsorganisation WHO.

Eine traurige Vorstellung. Im Kontrast dazu steht die Freude der Kinder, welche jedes Jahr in der vorösterlichen Zeit landauf, landab bei Confiseuren an Schoggihasen-Giessen teilnehmen dürfen. Ginge es nach den strengen Beamten in Bern, dürften die Gewerbler solche Anlässe künftig nicht mehr bewerben. Und noch schlimmer: Wahrscheinlich dürften sie solche Anlässe gar nicht mehr durchführen. Was wäre noch erlaubt, was nicht? Um keine Busse zu riskieren, müssten Confiseure künftig auf solche Veranstaltungen wohl verzichten. Für die griesgrämigen Beamten wäre das Ziel erreicht. Aber die Welt würde ein Stück trauriger.

Gaht’s no?

Noch schlimmer als der Confiseur ist für viele Bewegte und Beamte der Metzger. Denn dieser verkauft Fleisch – ganz schlimm! Die Beamten der Stadt Zürich haben einen Klimaschutzplan ausgerollt, wonach jeder Stadtbewohner künftig nur noch 330 Gramm Fleisch pro Woche essen soll. Die Umerziehung soll mit «Aufklärungskampagnen» und sonstiger steuerfinanzierter Propaganda gelingen. Gleichzeitig will die Stadt kommerzielle Werbung verbieten. Das ist real existierender Sozialismus – mitten in der Schweiz.

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Spätestens jetzt denken Sie wahrscheinlich: Gaht’s eigentli no? Was sich wie Belehrungen für kleine Kinder liest, machen Politik, Verwaltung und NGOs Tag für Tag mit uns. Der Staat sagt uns immer mehr, was wir konsumieren dürfen, was gut und was schlecht für uns ist. Das muss aufhören. Denn es ist anmassend.

Ein viel gehörtes Argument für den immer fetter werdenden Nanny State lautet: Der Staat will doch nur, dass es uns gut geht. Das kann doch nicht falsch sein! Die Antwort: Doch, es ist falsch. Denn die Denkweise dahinter ist falsch – und gefährlich. Sie geht von einem betreuungsbedürftigen Bürger aus, der von der Wiege bis zur Bahre an der Hand genommen und geführt werden muss. Doch gerade unsere direkte Demokratie basiert auf der Annahme eines eigenverantwortlichen, selbstbestimmten Bürgers. Ich behaupte deshalb: Der Nanny State ist letztlich ein Angriff auf unsere direkte Demokratie. Denn er stellt eine der wichtigsten Grundannahmen derselben in Frage: den mündigen Bürger.

Eigeninitiative ade

Mit seinen Verboten und Vorschriften ruiniert der Nanny State die Eigeninitiative, von der dieses Land lebt. Die Bürger verlieren zunehmend ihre Eigenverantwortung. Weil die immer tiefer greifende staatliche Betreuungsmaschinerie den Menschen die Abhängigkeit geradezu aufschwätzt. Die Freiheit – eine unserer wichtigsten Errungenschaften – wird scheibchenweise abgeschafft. Bis es zu spät ist und sie ganz weg ist. Wie beim berühmten Frosch im sich erhitzenden Wasser, der nicht mehr herausspringen kann.

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Die Gesundheitsapostel in Bundesbern wollen, dass wir alle weniger Schoggihasen essen: Osterhasen der Confiserie Honold. Bild: Keystone

Doch machen wir uns nichts vor. Der Nanny State hat mächtige Freunde. Denn er ist ein grosser Regulierungstreiber und führt zu einem immer grösseren Staats- und Verwaltungswachstum. Schliesslich müssen all die Einschränkungen und Verbote ausgearbeitet, überwacht und kontrolliert werden. Es braucht Strategien, Studien etc. Das freut Beamte, Öko-Sozialisten (die Juso-Enteignungsinitiative lässt grüssen!) und NGOs. Viele von Letzterem sind eher Regierungs- als Nichtregierungsorganisationen, die am Schluss vom Staat unser Steuergeld überwiesen erhalten.  

Die Opfer dieser Entwicklung sind – einmal mehr – die KMU, die Steuerzahler und der gesunde Menschenverstand. Es liegt an uns: Es ist höchste Zeit, dass wir uns wehren. Schliesslich sind wir keine Babys. Deshalb unterstützt der Schweizerische Gewerbeverband sgv die Anti-Nanny-State-Kampagne «bin-kein-baby.ch».

 

Wer wissen will, wie sich der Nanny State konkret auf die KMU auswirkt: siehe hier

Wer mehr über die Kampagne gegen den Nanny-State wissen will: siehe hier

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