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150 Jahre Nebelspalter – Editorial

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28.03.2025

Als der Nebelspalter vor 150 Jahren in Zürich zum ersten Mal erschien, hatte sich der Gründer, Jean Nötzli, ein Journalist und Autodidakt in Sachen Witz, wohl nie vorgenommen, dass er 150 Jahre lang durchhalten würde. Zu tagesaktuell dachte Nötzli, zu zeitgebunden schien sein Humor, und im Übrigen auch jener vieler seiner Nachfolger: Der Nebelspalter wollte nie Geschichte schreiben, sondern Politik machen. Dass er selber zu einer Geschichte werden würde: Es stand nicht auf der Agenda.

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Was war das für eine Schweiz, die damals, 1875, mit dem Nebelspalter eine neue, wenn nicht seine erste richtige Satirezeitschrift erhielt? Es handelte sich um eine Schweiz, die einen Epochenbruch erlebte, sowohl im Innern als auch in Europa. Vor kurzem war die Bundesverfassung totalrevidiert worden (1874), was unser Land auf immer verändern sollte, zumal erst jetzt das Referendum und damit die direkte Demokratie auf Bundesebene eingeführt worden war.

Wenn den Zeitgenossen wohl auch nicht bewusst war, wie sehr dies unser Land zu einem Sonderfall machen würde: Man hatte so lange darum gekämpft, linke Demokraten gegen rechte Liberale, alle Freisinnigen gemeinsam gegen die Konservativen, und sich im Lauf des jahrelangen Streits so viele Beleidigungen und Verleumdungen an den Kopf geschmissen, dass jedem klar schien: Wichtiges war 1874 endlich entschieden worden. Nötzli, ein politischer Hitzkopf aus Bülach, hatte den Nebelspalter auch dafür ins Leben gerufen. Er wollte weiter streiten.

Nicht, dass wir das nun ewig fortsetzen möchten, – und doch sehe ich darin die Aufgabe des neuen Nebelspalters, der engagiert und unverdrossen, präzis und fair, aber eben auch mit Humor und Warmherzigkeit die Zeiten beschreiben, erklären und gestalten will. Wenn 76 Prozent der Schweizer Journalisten sich gemäss einer wissenschaftlichen Untersuchung selber als links bezeichnen, dann braucht es den liberalen, kritischen Geist des Nebelspalters, der eine Alternative bietet zur Sicht jener, die im Journalismus meinen, die Mehrheit entscheide über die Wahrheit – und nicht die Tatsachen. So gesehen verstehen wir uns als Reinigungsgewitter, als Morgenluft, als Anti-Nebel-Petarde, als Nebelspalter eben – seit 150 Jahren und darüber hinaus.

Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen und bedanke mich bei allen Lesern für ihre Treue und bei den vielen Inserenten für ihre Unterstützung

Markus Somm

Verleger und Chefredaktor

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