Was die Volksinitiative «Tschüss Genderstern!» will
Bürgerliche Parteien haben gegen dieses Genderstern-Sprachreglement eine Volksinitiative lanciert: Tschüss Genderstern! Die Initiative verlangt eine klare und verständliche Sprache (was die Stadt bisher auch gut fand). Die Sprache soll nicht unnötig verkompliziert werden.
Die Stadtzürcher Behörden sollen nicht eine politisch aufgeblasene Sprache anwenden, sondern in ideologiefreiem, korrektem Deutsch mit der Bevölkerung kommunizieren.
Der Genderstern will nicht die Sprache, sondern unser Verständnis von Geschlecht verändern
Der Genderstern geht viel weiter als die feministische Linguistik, die Sprache entwickeln und das generische Maskulinum («alle Lehrer») weghaben will. Der Genderstern ist die Botschaft einer Ideologie, welche mit der «heteronormativen Weltanschauung» – unserem herkömmlichen Verständnis von Geschlecht –, aufräumen will. Das will auch der Stadtrat (Exekutive) von Zürich und negiert neu die biologische Definition von Geschlecht. Mann und Frau sind jetzt «nicht mehr als binäre Fixgrösse» zu verstehen, schreibt er in seinem Beschluss 465/2022 zur Einführung des Gendersterns. «Alle Geschlechter (neu nicht nur das männliche und das weibliche) sollen mitgedacht und sichtbar gemacht werden».
Dass Männer und Frauen eine nicht mehr geltende «binäre Fixgrösse» sind, hat der Stadtrat einem Kommentar zum Gleichstellungsgesetzt entnommen – herausgegeben von Schweizerischen Gewerkschaftsbund SGB.
Das «gefühlte» Geschlecht steht im Genderstern
Mit seiner neuen Geschlechterdefinition abseits der Biologie begibt sich der Stadtrat auf umstrittenes, ideologisch aufgeladenes Terrain. Zwar ist die Natur ist nicht perfekt, und so kommen ca. 0.5% der Menschen mit einem nicht eindeutigen Geschlecht zur Welt (Disorders of sexuel development), sogenannt Intersexuelle. Das ist aber kein «drittes Geschlecht». Da ist sich die Wissenschaft einig.
Tatsächlich geht es nicht in erster Linie um Intersexuelle. Es geht um trans Menschen, für die sich die LGBTQ-Bewegung stark macht (und das auch darf). Das T in LGBTQ steht für Transgender. Menschen also, welche biologisch zwar Mann oder Frau sind, sich aber nicht so fühlen, ihr Geschlecht ihrem Empfinden nach neu definieren möchten, auch als etwas zwischen Mann oder Frau. Die deutsche Zeitung taz beschreibt das so: «Damit wird Geschlecht zu einer Sache der Innerlichkeit – eben der Identität – und von der Körperlichkeit vollständig losgelöst. Geschlecht als Geschlechtsidentität gibt keine Auskunft darüber, was Geschlecht ist, sondern lediglich darüber, wie und wo es sich ausdrückt.»
Kurzum: Es geht um ein gefühltes Geschlecht. Geschlecht wird neu fernab dessen definiert, was wir heute darunter verstehen. Und weil das ein so fundamentaler Bruch ist, den der Stadtrat mit seinem Sprachreglement nachvollzieht, klammert er alle Texte davon aus, die juristisch von Belang sind – dort müssen die Behörden weiterhin korrektes Deutsch ohne Genderstern anwenden. Zwar ist das gemäss Stadtrat respektlos, aber wenn’s drauf ankommt, geht’s offenbar nicht anders.
Weg mit den Geschlechtern, sagt der Genderstern
Die Ideologie, die sich hinter dem Genderstern verbirgt, wird von der Queer-Bewegung getragen. Sie kämpft für die Neudefinition von Geschlecht, will mit der «heteronormative Weltanschauung» Schluss machen. Männer und Frauen werden neu als cisgender definiert. Die Queer-Ideologie will das biologisch fundierte Verständnis von Geschlecht «dekonstruieren»; schlussendlich soll es gar keine Unterscheidung von Geschlechtern mehr geben. Deshalb wenden sich viele Feministinnen gegen dieses queere Geschlechterverständnis: Sie befürchten, sehr zu Recht, dass damit Errungenschaften des Feminismus zerbröseln.
Annahme des Gendersterns setzt ein Signal – auch an die Schulen
Was die Stadt macht – erst recht nach einer diesbezüglichen Volksabstimmung! –, hat Signal-Charkter. Schon heute, so schreibt der Stadtrat, würden sich «Zürcher Organisationen und Unternehmen» betreffend «tans-inklusiver» Sprache an die Stadt wenden.
Das Genderreglement der Stadt kann für viele weitere Institutionen als Blaupause verstanden werde: Wenn’s die Stadt macht, machen wir’s auch. Das dürfte auch in die Schulen hineinwirken, wo mancherorts schon heute, entgegen der deutschen Rechtschreibung, der Genderstern von den Schülerinnen und Schülern eingefordert wird. Es ist eben nicht bloss ein Reglement, das kaum jemand bemerken wird, sondern es setzt ein fettes Signal für die Definition der Geschlechter nach der queeren Ideologie.
Die Stadt Zürich übernimmt mit dem Genderstern die queere Ideologie und propagiert sie via Zwangssprache. Es ist aber fundamental falsch, wenn eine politische Behörde eine Ideologie – ob man sie nun unterstützt oder nicht – über die Sprache als allgemeingültig festschreibt.
Die Argumente der Gegner – und ihre Widerlegung
Die Genderstern-Befürworter versuchen im Abstimmungskampf die von ihnen gewollte Phantasiesprache kleinzureden. Ihre Standpunkte lassen sich leicht entkräften:
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Die Genderstern-Fans sagen, dieses sei ja kein Zwang, jeder und jede dürfe sprechen und schreiben, wie er oder sie will.
Falsch – für die Bevölkerung gilt: Schreiben schon, aber Lesen nicht! Städtische Verlautbarungen werden – wenn das generische Maskulinum nicht anders umgangen werden kann –, mit dem Genderstern geschrieben. 450'000 Menschen in der Stadt sind so gezwungen, behördliche Texte in einer ideologisch aufgeladenen Gender-Sprache zu lesen. Das ist das Sprachdiktat von oben nach unten.
Der Genderstern und sein Reglement sind aber auch ein Sprachdiktat gegen innen: Alle Beamtinnen und Beamten müssen den Stern anwenden. 33'000 Angestellte der Stadt müssen also die deutsche Rechtschreibung auf Anordnung missachten.
- Der Genderstern ist gemäss der Stadt ein Zeichen des Respekts. Das heisst umgekehrt: Alle, welche den Genderstern nicht anwenden, sind respektlos gegenüber trans Menschen. Das würde nicht nur auf die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung zutreffen, sondern auch auf Kantons- und Bundesbehörden, Gerichte und die allermeisten Medien, welche den Genderstern explizit nicht anwenden. Das Wort «Respekt» zeigt, dass die Stadt das Sprachverhalten auch der eigenen Bevölkerung in Gut und Böse klassifiziert. Wer will schon als respektlos gelten?
Das angeordnete Verwenden des Genderstern ist aber eine Respektlosigkeit all jenen Stadtbürgern gegenüber, welche sich durch ihre eigene Behörden nicht fort zu mit einer regelwidrigen und politischen Sprache ansprechen lassen wollen.