Feusi Fédéral, Ep. 146

Jacqueline de Quattro: «Wir sind kein Indianerreservat»

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27.06.2024

Die Waadtländer FDP-Nationalrätin über die Biodiversität, was der Umwelt wirklich hilft und den Wiederaufbau der Armee, was er kostet und wieso sich die Schweiz der Nato annähern, ihr aber nicht beitreten sollte.  

«Nicht so schlimm»

«Ich bin auch für die Biodiversität, aber die Frage ist, wie wir das erreichen.» Die Kantone und Gemeinden würden sich bereits enorm für die Biodiversität engagieren, sagt die ehemalige Waadtländer Umweltdirektorin. Die Initiative behindere die Produktion von Energie aus Sonne, Wind und Wasser. Die Landwirtschaft gebe sich schon grosse Mühe. Gibt es eine Biodiversitätskrise? Jacqueline de Quattro findet die Lage «nicht so schlimm». Zahlreiche Arten seien je zurückgekehrt. Wie man die Biodiversität schützt, soll weiterhin lokal und regional bestimmt werden.

«Initiative verhindert Entwicklung»

Die Forderung der Initianten, 30 Prozent des Landes für die Biodiversität zu reservieren, führe dazu, dass weniger Güter produziert und mehr importiert werden müsse. «Wir müssen mehr auf Qualität statt Quantität setzen.» Und die Initiative verhindere die Entwicklung des Landes, namentlich im Tourismus, im Wohnungsbau oder beim Verkehr. Die Schweiz sei doch kein Indianerreservat. 

Wir haben zwanzig Jahre lang andere Prioritäten gesetzt und bei der Armee gespart. Der konventionelle Krieg ist zurück in Europa. Jetzt müsse die Schweizer Armee wieder aufgebaut werden. Die Bedrohung sei heute aber anders und breiter als früher. Jacqueline de Quattro denkt an Drohnen, Cybergefahren oder Desinformation. 

«Wir haben kein Problem mit den Mitteln, sondern wo wir sie beim Staat einsetzen. Der Schweizer bezahlt schon genug Steuern.» De Quattro fordert, dass die Subventionen unter die Lupe genommen werden – ohne Tabu. «Wir dürfen keine heiligen Kühe haben.» 

De Quattro ist in der Nato-Delegation des Parlamentes. Sie spricht sich für gemeinsame Übungen aus. «Wir müssen mit den anderen zusammen arbeiten, um für den Ernstfall bereit zu sein.» Eine «Igel-Strategie» wie im Zweiten Weltkrieg sei nicht mehr möglich. 

Mit der Nato üben, aber nicht beitreten

Ist das nicht ein Problem für die Neutralität? Jacqueline de Quattro findet nicht: «Wir machen ja nicht bei einem Angriff mit.» Einen Nato-Beitritt lehnt die Sicherheitspolitiker ab. «Das wäre mit der Neutralität nicht vereinbar.» Bei gemeinsamen Übungen gehe es um die Verteidigung des Landes. Die Schweizer Neutralität sei bewaffnet, und deshalb müsse sie die Verteidigung auch üben. «Wir dürfen nicht vom Ausland Unterstützung im Ernstfall erwarten, wenn wir nicht aufrüsten und unsere Verteidigung üben. Das wäre unglaubwürdig und egoistisch.»

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