Die Fakten: China hat 2023 so viele Autos exportiert wie kein anderes Land – darunter auch sehr viele E-Autos.
Warum das wichtig ist: Europas Politiker haben dafür gesorgt, dass China nun die europäische Autoindustrie zu zerstören droht. Noch mehr Politik wird nicht helfen.
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Luca de Meo, CEO von Renault, ein alter, erfahrener Automanager mit Stationen bei Toyota, Fiat, Lancia, Alfa Romeo, VW, Audi and Seat, hat diese Woche am Genfer Automobilsalon vor der gelben Gefahr gewarnt – natürlich sagte er das so nicht, das wäre politisch allzu unkorrekt gewesen, in der Substanz ging es aber darum:
- Wenn Europa nicht aufpasse, würden die chinesischen Autobauer den Kontinent erobern
- Zwar sei man bereit für die «Herausforderung» – aber ohne Hilfe des Staates gehe es nicht
- Es werde zu viel reguliert, vorgeschrieben und verboten – hier könnte der Staat Gutes tun, indem er weniger täte
- Ebenso forderte er, was in Europa oft gefordert wird, wenn die Wirtschaft nicht so tut, wie sie sollte – eine neue Industriepolitik zugunsten des Autos: «Wir brauchen eine Art Airbus für kleine Autos»
Wenn de Meo hier Airbus erwähnt, dann deshalb, weil dieser deutsch-französisch-britisch-spanische Konzern tatsächlich das beste (und erfolgreichste) Beispiel einer länderübergreifenden, vom Staat geförderten Zusammenarbeit darstellt.
Ein gutes Beispiel, aber womöglich eher die Ausnahme?
Jedenfalls schwebt de Meo vor, dass die europäischen Autohersteller enger kooperierten – auch mit Unterstützung des Staates, insbesondere der EU, um den Chinesen Herr zu werden.
Panik herrscht. Die britische Zeitung Telegraph redete kürzlich vom «industrial wipe-out», der bevorstehe, von der «Auslöschung» der europäischen Autoindustrie, einer der zentralen Branchen des Kontinents.
Tatsächlich ist im Osten ein Gigant erwacht.
- 2023 stieg China zum grössten Autoexporteur der Welt auf – und verwies den alten Leader Japan auf den zweiten Rang
- Insgesamt exportierte die chinesische Autoindustrie über 5 Millionen Autos (einschliesslich LKW und Busse) – was umso bemerkenswerter scheint, als die Chinesen den amerikanischen Markt noch nicht einmal betreten haben
Dafür den europäischen.
Insbesondere mit den viel billigeren, aber qualitativ durchaus konkurrenzfähigen E-Autos versetzen die Chinesen die einheimischen Hersteller in Angst und Schrecken. Als ob die Hunnen wieder vor den Toren stünden, möchten die Europäer am liebsten die Zugbrücken hochziehen und mit Pech und Schwefel die chinesischen Autos begrüssen. Wenn auch mit Grund.
Bereits gilt BYD, eine chinesische Automarke, die man noch vor wenigen Jahren eher für ein Deodorant gehalten hätte, als die beliebteste Automarke der Welt. Selbst Tesla wurde abgehängt.

Den Chinesen hilft, dass sie sich seit Jahren systematisch auf den (angeblichen) Siegeszug des E-Autos eingestellt haben.
- Inzwischen beherrschen sie am besten, wie man Batterien baut: 75 Prozent der weltweiten Produktion befindet sich in chinesischer Hand
- Ebenso haben sie sich den Nachschub an entscheidenden Rohstoffen dafür gesichert, wenn nicht monopolisiert, vor allen Dingen in Afrika
- Und sie dominieren deren Verarbeitung: 90 Prozent des Lithiums, das man für die Batterieherstellung verwendet, wird von chinesischen Raffinerien veredelt
Europa zittert. Europa flennt. Europa weiss nicht mehr ein noch aus.
Das ist verständlich, vieles steht auf dem Spiel:
- Die Autoindustrie ist – wie gesagt – eine der bedeutendsten Branchen in Europa
- 8 Prozent des gesamten BIP der EU geht auf sie zurück
- Sie leistet 30 Prozent der Ausgaben für Forschung und Entwicklung
- Und sie steht für 13 Millionen Arbeitsplätze
Wenn Attila, der Hunnenkönig, auch ein unangenehmer Zeitgenosse war: Nicht einmal er war imstande, so viel Ruin und Elend in Europa auszulösen wie schlimmstenfalls die chinesischen Autobauer.
Dabei ist die Krise weitgehend selbstverschuldet.
Das Stichwort heisst Netto-Null.
Seit Jahren haben sich die europäischen Politiker darauf kapriziert, der Welt zu zeigen, dass unser Kontinent als erster aus den fossilen Brennstoffen auszusteigen vermag, um das Klima zu schützen.
- Auf den ersten Blick ein löbliches Unterfangen
- Doch statt alles dafür zu tun, dass die Unternehmen sich frei entfalten können, um die nötigen Innovationen und neuen Produkte zu finden, glaubten die europäischen Politiker, es besser zu wissen als die Automanager
- Sie regulieren, sie verbieten (unter anderem den Verbrennungsmotor, ab 2035), sie machen Vorschriften, sie spielen Gott

Zwei Einwände, eine Ironie, wenn auch eine bittere.
- Ich kenne aus der Wirtschaftsgeschichte kaum ein Beispiel, wo der Staat besser einzuschätzen vermochte, welche Technologie sich in Zukunft durchsetzt, als die private Wirtschaft. (Wer daran zweifelt: Fragen Sie einen pensionierten sowjetischen Wirtschaftsplaner)
Industriepolitik lieferte deshalb sehr selten jene Resultate, die man sich erhofft hatte
- Ich kenne auch kein Beispiel, wo man meinte, Innovationen zu fördern, indem man eine konkurrierende, bewährte Technologie einfach untersagte – wie etwa den Verbrennungsmotor.
Es kommt mir vor, als ob wir Nestlé die Herstellung von Schokolade verbieten würden (dazu kommt es vielleicht noch), in der Meinung, Nestlé fände dann ganz schnell einen Ersatz, der uns Konsumenten schmeckt
Schliesslich die bittere Ironie.
Indem die europäischen Politiker so klar festlegten, wie sich der Markt für Autos zu entwickeln hatte, erleichterten sie es den Chinesen, ihre Autoindustrie entsprechend darauf auszurichten.
- Hätten die Chinesen es mit dem Verbrennungsmotor aufnehmen müssen, sie wären wohl nie imstande gewesen, innert nützlicher Frist aufzuholen. Die Europäer waren ihnen technologisch weit überlegen. 100 Jahre Vorsprung verschwindet nicht über Nacht
- Stattdessen wussten die Chinesen genau, was die Politiker in der EU von ihren Autobauern erwarteten: E-Autos, um jeden Preis, buchstäblich. Also produzierten die Chinesen E-Autos – ohne das Risiko eingehen zu müssen, in eine falsche, untaugliche Technologie zu investieren, zumal die europäischen Politiker sich bereit zeigten, ihre Wähler zum Kauf eines E-Autos geradezu zu zwingen
Mit anderen Worten, die Europäer selbst hoben den Markt auf und führten eine Art Planwirtschaft ein.
Damit spielten sie den Chinesen in die Hände.
Wenn ein kommunistisch geführter Staat etwas kann, dann das:
- Planen. Planen. Planen
In der Regel geht das nicht auf – weil die Realität sich selten an solche Pläne hält. Das dürfte sich in ein paar Jahren auch im Fall der E-Autos erweisen. In der Zwischenzeit haben die Chinesen allerdings die europäische Autoindustrie möglicherweise zur Planungsruine umgestaltet.
Oder um es mit Mao Zedong, dem chinesischen Gewaltherrscher, zu sagen:
«Alles, was der Feind bekämpft, müssen wir unterstützen; alles, was der Feind unterstützt, müssen wir bekämpfen.»
Ich wünsche Ihnen einen wunderbaren Tag
Markus Somm

