Tausende verlieren den Job wegen der Corona-Massnahmen

Tausende verlieren den Job wegen der Corona-Massnahmen

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von Dominik Feusi am 29.3.2021
Eines von fünf KMU hat bereits wegen Corona Mitarbeiter entlassen. Bild: Shutterstock
Eines von fünf KMU hat bereits wegen Corona Mitarbeiter entlassen. Bild: Shutterstock
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Trotz Milliarden an staatlichen Hilfen kommt es zu Stellenabbau, besonders bei kleinen und mittleren Betrieben.

Bis jetzt ist die Schweizer Wirtschaft einigermassen gut durch die Pandemie gekommen. Das ist insofern keine Überraschung, als dass Bund und Kantone rund vierzig Milliarden Franken zur Verfügung gestellt haben, um die Auswirkungen abzufedern. Dazu gehören vor allem die Härtefallgelder und die Kurzarbeitsentschädigung.
Doch jetzt kommen schlechte Nachrichten. Gemäss einer Umfrage der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) bei 251 Unternehmen haben 21 Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen der Schweiz wegen Corona Mitarbeiter entlassen. Insgesamt gaben 35 Prozent in der Befragung an, Kündigungen ausgesprochen zu haben. Jedes vierte Unternehmen beurteilt die Wahrscheinlichkeit als gross bis sehr gross, in den nächsten zwölf Monaten in finanzielle Schwierigkeiten zu geraten.
Die Ergebnisse der Umfrage lassen befürchten, dass die Massnahmen des Bundesrates gegen die Pandemie nicht nur die Gastronomie und die Hotellerie treffen, die unmittelbar davon betroffen sind, sondern die ganze Wirtschaft. Das könnte ganz besonders der Fall sein, wenn Kurzarbeitsentschädigung und Härtefallgelder auslaufen, mit denen die Wirtschaft momentan gestützt und die Krise zugedeckt wird.

43 000 Stellen abgebaut

In der Hotel- und Gastrobranche sind gemäss Zahlen des Bundesamtes für Statistik im vergangenen Jahr 43000 Stellen gestrichen worden. Die Auswirkungen des gegenwärtigen Beizen-Lockdowns sind darin noch nicht enthalten. Gemäss einer Umfrage des Branchenverbandes Gastrosuisse von Anfang März hat fast jeder fünfte Betrieb aufgegeben (18,4%). Vier von zehn Betrieben sind in ihrer Existenz bedroht. Nur gut ein Drittel der Unternehmen in der Gastrobranche (34,9%) kann mit Sicherheit bestätigen, dass er nicht eingehen wird.
Für Gastrosuisse-Präsident Casimir Platzer sind das Zahlen, welche die Politik alarmieren müssten. Er hält die andauernde Schliessung der Restaurants für unnötig. Dies trotz steigenden Fallzahlen. «Entscheidend ist die Belegung in den Spitälern und die Todesfälle», findet Platzer, «und die ist stabil tief.» Der Bundesrat hänge zu stark an den Fallzahlen, obwohl ein überwiegender Teil der positiv Getesteten gar keine medizinische Versorgung benötige. «Und dann ändert er nach Belieben die Kriterien oder ihre Berechnung.»

KOF sieht Erholung ab Sommer

Optimistischer schaut die Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich (KOF) in die Zukunft. Sie hat gestern ihre Prognose vom Februar um einen ganzen Prozentpunkt nach oben korrigiert. Ab dem zweiten Quartal erwartet die KOF eine deutliche Erholung der Wirtschaft. Diese werde auch dem Arbeitsmarkt allmählich Auftrieb geben und einen langsamen Aufbau der Beschäftigung zur Folge haben. Für dieses Jahr geht die KOF von einem BIP-​Wachstum von 3.0% aus. Sie nimmt allerdings an, dass sich die Pandemie nicht in die zweite Jahreshälfte zieht. Ist die Prognose Zweckoptimismus?
Der Grund für die optimistische Prognose sei, so sagt Jan-Egbert Sturm, Direktor der KOF, dass sich die Wirtschaft im Winterhalbjahr weniger negativ entwickelt habe als erwartet. Zusammen mit der guten Erfahrung in Bezug mit der Konsumentwicklung im letzten Sommer lasse das eine rasche Erholung erwarten. Die Lage für die Gastronomie und die Hotellerie sei sehr schwierig, aber in anderen Branchen werde eingestellt, zum Beispiel in der Finanzindustrie oder im öffentlichen Sektor. Den Höchststand der Erwerbslosigkeit erwartet die KOF Ende Jahr mit für die Schweiz hohen fünf Prozent.
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