Taskforce: AstraZeneca wird wohl weiterhin nicht zugelassen

Taskforce: AstraZeneca wird wohl weiterhin nicht zugelassen

Der britische Impfstoff wird seit Beginn des Jahres in verschiedenen Ländern verabreicht – in der Schweiz bislang nicht. Dokumente zeigen, dass dies wohl noch länger so bleiben wird.

image
von Serkan Abrecht am 4.6.2021, 04:00 Uhr
Wird es wohl in der Schweizer weiterhin nicht geben: Das Vakzin von AstraZeneca (Bild: Marco Verch).
Wird es wohl in der Schweizer weiterhin nicht geben: Das Vakzin von AstraZeneca (Bild: Marco Verch).
Grossmehrheitlich sind sie geschwärzt, die Protokolle der «Arbeitsgruppe Impfstoff» der Taskforce COVID-19 des Bundes. Der «Nebelspalter» hat einen Antrag zur Herausgabe der Sitzungsprotokolle beim Start der Impfkampagne eingereicht und die Protokolle von Dezember bis Februar erhalten. Am 3. Februar sagt der Vertreter der Schweizerischen Heilmittelbehörde Swissmedic (die Namen der Teilnehmenden wurden vom Bund anonymisiert) : «Die Wirksamkeit von AstraZeneca ist nicht ausreichend für eine Zulassung.»
Am gleichen 3. Februar hat Swissmedic kommuniziert, dass man weitere Daten von AstraZeneca fordere. In ihrer Medienmitteilung wird jedoch nichts über die fehlende Wirksamkeit des Impfstoffs geschrieben. So deutlich wurde scheinbar nur intern gesprochen.

image
Ausschnit aus den Sitzungsprotokollen.

AstraZeneca hat laut Angaben des BAG bereits Anfang Oktober letzten Jahres ein Zulassungsgesuch bei Swissmedic gestellt – es ist bis heute hängig. Der Bund hat sogar 5,3 Millionen Dosen vorbestellt. Dass die Wirksamkeit des Impfstoffs vorhanden ist, ist schon seit Längerem klar. Dies zeigt die erfolgreiche Impfkampagne in Grossbritannien, die stark mit dem Stoff von AstraZeneca durchgeführt wurde. Der Streit um den Impfstoff zwischen der EU und Grossbritannien ist rein politischer Natur (der «Nebelspalter» berichtete).
Doch am 18. Mai goss Martin Ackermann, Leiter der wissenschaftlichen Taskforce, erneut Öl ins Feuer. Es sei nicht ausgeschlossen, dass die indische Variante in Grossbritannien deshalb so verbreitet sei, weil dort mit AstraZeneca geimpft wird, sagte er an einer Pressekonferenz. Belege für diese Aussage lieferte er nicht. Mehrere Studien bestätigen sogar die Wirksamkeit des Impfstoffs.
Die University of Edinburgh beispielsweise kommt zum Schluss, dass ein schwerer Krankheitsverlauf durch Corona bereits wenige Wochen nach der ersten Impfung mit AstraZeneca zu 94 Prozent ausgeschlossen werden kann. Der in der Schweiz zugelassene Impfstoff Biontech/Pfizer schützt hingegen nur zu 85 Prozent vor einem schweren Krankheitsverlauf.
Eine Zulassung von AstraZeneca in der Schweiz wird also seit Monaten auf die lange Bank geschoben. Vielleicht wird sie nie erfolgen. Auf Anfrage schreibt Swissmedic, dass aus den Daten, die AstraZeneca im März nachlieferte keine neuen Kenntnisse gewonnen wurden. Deshalb werden weitere Studienresultate erwartet. Der Mitarbeiter, der so deutlich über AstraZeneca in der Taskforce sprach, habe die Faktenlage gekannt. «Der Ball liegt bei AstraZeneca», schreibt Swissmedic.

Mehr von diesem Autor

image

Sicherheitspolitik: Eine neue Lobby entsteht

Ähnliche Themen