Trotz Impfpflicht: Swiss fliegt nicht mehr nach Hongkong

Trotz Impfpflicht: Swiss fliegt nicht mehr nach Hongkong

Der intern kommunizierte Bescheid ist brisant. Denn damit wackelt die Begründung für die umstrittene Impfpflicht des Flugpersonals noch mehr.

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von Philipp Gut am 4.12.2021, 10:35 Uhr
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Die Meldung überrascht: Die Swiss hat entschieden, den Flugbetrieb nach Hongkong bis auf Weiteres einzustellen. Dies gilt ab dem 4. Dezember, wie aus einer internen Mitteilung hervorgeht. «Mögliche Alternativen wie eine Turn-Around-Operation via einen anderen Far-East-Hub oder das Übernachten auf dem Flugzeug sind kommerziell und/oder regulatorisch nicht darstellbar», heisst es in dem Schreiben weiter.
Als Grund für Einstellung des Flugbetriebs nach Hongkong nennt der Krisenstab der Swiss, dass sich «die operativen Rahmenbedingungen in Hongkong derart zugespitzt» hätten, «dass die weitere Flugoperation nach HGK in der bisherigen Form nicht mehr durchführbar ist». Hintergrund sind verschärften Quarantäne-Vorschriften in Falle eines positiven Tests von Crew-Mitgliedern. Ausserdem schreibt die Swiss mit ungewohnter Schärfe: «Dabei sind die Massnahmen für die bei der Einreise negativ getesteten und ohnehin geimpften Crew Member für uns weder nachvollziehbar noch akzeptabel.»

Gespräche auf höchster politischer Ebene

Im Moment liefen «auf höchster politischer Ebene Diskussionen mit der Regierung von Hongkong mit dem Ziel, die Operation für die ausländischen Airlines und Crews wieder zumutbar zu machen», heisst es weiter.
Die Swiss hat Recht: Das rigorose Regime von Hongkong ist tatsächlich schwer nachvollziehbar. Denn nach eigenen Angaben der Swiss ist in bald zwei Jahren Pandemie kein einziger Fall einer Ansteckung an Bord einer Swiss-Maschine bekannt.

Schiefes Licht auf Impfzwang

Gleichzeitig wirf der Entscheid, den Flugbetrieb nach Hongkong einzustellen, ein schiefes Licht auf die Swiss selbst. Ihren umstrittenen Entscheid («Jetzt geht die Swiss zu weit», titelte der «Tages-Anzeiger»), eine Impflicht für das gesamte Flugpersonal einzuführen, begründete sie nicht zuletzt damit, dass Hongkong ein solche Impflicht verlange. Hongkong war damit weltweit ein Ausnahmefall.
Die Ironie der Geschichte: Seit dem 1. Dezember dürfen Piloten und Kabinencrewmitglieder der Swiss nicht mehr fliegen, die sich nicht dem betriebsinternen Impfzwang beugen. Sie werden automatisch entlassen werden. Nur drei Tage später werden nun auch die geimpften Kollegen gegroundet, die sich mit der Impfung den Zugang nach Hongkong erspritzt hatten. Damit führt sich das Impfobligatorium der Swiss ein Stück weit selbst ad absurdum.

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