Feusi Fédéral

Simon Stadler: «Ich will nicht die Alpen voll pflastern», Ep. 68

Der Urner Mitte-Nationalrat über die Energiestrategie, Solar- und Windkraftwerke in den Alpen, die Versorgungssicherheit und was er als ehemaliger Lehrer gegen den Lehrermangel tun würde.

image 23. September 2022, 15:45


Gleich mit zwei Vorlagen soll fünf Jahre nach der Abstimmung über die Energiestrategie der Ausbau von Solar- und Windkraftwerken beschleunigt werden. «Es ist gut, dass wir vorwärtsmachen», sagt der Urner Nationalrat Simon Stadler, «ich verstehe, dass man den Natur und Umweltschutz ritzt, aber bei den frei stehenden Solaranlagen bin ich kritisch. Es ist jetzt ein Hyperaktivismus ausgebrochen, um nicht zu sagen, gewissen Kollegen sind die Sicherungen durchgebrannt.» Ein Projekt allein benötige die Fläche von 700 Fussballfeldern. Das gebe ihm zu denken.

«Windräder im Mittelland»

«Mein Herzensanliegen ist, dass es eine faire Lastenverteilung gibt», sagt Stadler. Der Kanton Uri habe schon viel zu tragen. Darum fordert Stadler andere Regionen auf: «Im Mittelland müssen Windkraftanlagen verwirklicht werden und nicht nur Solarkraftwerke in den Alpen.»

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Der Ständerat will für die Solaranlagen die Planungspflicht und die Umweltverträglichkeitsprüfung aufheben und einen Vorrang vor allen nationalen kantonalen Interessen beschliessen. Simon Stadler findet das Vorgehen der kleinen Kammer nicht seriös. «Es ist nicht würdig, das so schnell durchzudrücken. Es würde auch im Winter noch reichen.» Er ist dagegen, überstürzt unsere Alpen voll zu pflastern. Die Vorhaben seien sehr einschneidende Eingriffe in die Natur.
Der Import von Strom werde weiterhin wichtig bleiben. Die AKWs würden die nächsten zwanzig Jahre Bandenergie bringen. Was dann kommt, lässt Stadler offen. Man müsse offen sein gegenüber allen Technologien, aber momentan wolle niemand ein AKW bauen. Eine grundsätzliche Änderung der Energiepolitik findet Stadler nicht nötig.

«Erziehungsdirektoren haben geschlafen»

Es sei bedenklich, wenn man unausgebildete Leute unsere Kinder ausbilden lasse, sagt Stadler. «Die Erziehungsdirektoren und die pädagogischen Hochschulen haben die Situation verschlafen». Der Zugang zu den pädagogischen Hochschulen könnte einfacher sein. Das Durchschnittspensum müsse durch die Schulleiter erhöht werden. «Wenn alle Lehrer etwas mehr arbeiten würden, hätten wir keinen Mangel.»
Warum hören viele Lehrer auf? Es habe mit den Eltern und der Bürokratie zu tun, findet Stadler. «Gewisse Eltern können einem tagelang beschäftigen», erzählt er. Man sitze viel am Schreibtisch und sei nicht mehr so frei wie früher, sogar für einen Ausflug an den See oder ein Klassenfoto.

«Das Wachstum der Weltbevölkerung wird früher oder später zum Problem.»

Simon Stadler, Nationalrat Mitte, Uri

Treiber des Lehrermangels ist aber die Zuwanderung. «Das Wachstum der Weltbevölkerung wird früher oder später zum Problem. Hier in der Schweiz müssen wir uns bewusst sein, Zuwanderung hat Folgen, wir in Uri sehen das im Stau am Gotthard.»

Das Zuwanderungs-Dilemma

Muss man die Zuwanderung denn beschränken? Am besten wäre es, wenn die Menschen gar nicht in die Schweiz kommen würden, sagt Stadler. «Ich will keine Zehn- oder Elf-Millionen-Schweiz.» Gleichzeitig habe die Schweiz einen Fachkräftemangel. «Wir sind auf gewisse Zuwanderung angewiesen.» Es sei ein Dilemma.

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