Die Solothurner SP-Nationalrätin und Pflegefachfrau über die Pflegeinitiative, die Arbeitsbedingungen im Gesundheitswesen, die Zuwanderung und wieso sie die Nachhaltigkeitsinitiative ablehnt.
Viereinhalb Jahre nach der Annahme der Pflegeinitiative kritisiert SP-Nationalrätin Farah Rumy die mangelhafte Umsetzung im Parlament. Die bürgerliche Mehrheit wolle die Initiative gar nicht ernst nehmen. Die Kernforderungen – bessere Löhne, mehr Zeit pro Patient, planbare Dienste und klare Höchstarbeitszeiten – blieben weitgehend unberücksichtigt. Die Folge sei ein anhaltender Exodus aus dem Beruf. «Rund 300 Pflegende pro Monat verlassen den Beruf – das schädigt unsere Versorgung.»
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Pflegebürokratie nimmt zu
Die Pflege sehe sich mit älter werdenden Patientinnen und Patienten konfrontiert, die oft mehrere schwere Krankheiten gleichzeitig hätten. Es brauche deshalb immer mehr Personal. Die Behandlungen seien immer komplexer und die Teams immer kleiner, sagt Rumy. «Dokumentationspflichten, fragmentierte Informatik und Abrechnungsregeln binden Zeit, die am Bett fehlt.» Die Pflege fordere nicht einfach mehr Lohn: «Wenn die Arbeitsbedingungen stimmen, wird der Lohn sekundär.
«Das wird ein Riesenproblem»
Die Nachhaltigkeitsinitiative würde die Situation noch verschlimmern, findet Rumy. Die Initiative könnte ab 2027 die Zuwanderung drosseln und die Personenfreizügigkeit wäre gefährdet. «Im Gesundheitswesen sind wir zu einem Drittel vom Ausland abhängig – eine Zuwanderungsbremse wäre ein Riesenproblem», befürchtet Rumy.
Dass die Zuwanderung ein Grund für die tiefen Löhne in der Pflege sein könnte, glaubt Rumy nicht. Die Schweiz brauche die Menschen, die hierher kämen, auch in Zukunft: «Sie sind massgeblich auch für den Wohlstand dieses Landes verantwortlich.» Die Schweiz profitiere von der EU.