Showdown bei Bio Suisse

Showdown bei Bio Suisse

Hat Bio Suisse Angst vor mehr Konkurrenz und Wettbewerb? Am Mittwoch wird sich zeigen, was dem Verband der Biolandwirtschaft wichtiger ist: die eigene Nische oder die Ideale des Biolandbaus.

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von Claudia Wirz am 12.4.2021, 15:00 Uhr
Wie viel Bio braucht die Schweiz?
Wie viel Bio braucht die Schweiz?
Eigentlich hätte man gedacht, oder zumindest gehofft, dass dem Biolandbau und ihren obersten Vertretern etwas Idealistisches, etwas Pionierhaftes eigen sei; dass sie getrieben seien von einer unternehmerischen Mission, um die Welt ein Stück weit besser zu machen.
Doch wenn Urs Brändli, Präsident von Bio Suisse, im «Kassensturz» erklärt, warum der Vorstand von Bio Suisse gegen die Trinkwasserinitiative ist, ist von solcherlei Pioniergeist wenig zu spüren. Vielmehr zeigt sich, dass sich der oberste Biobauer im Land bestens auskennt im Repertoire der strukturkonservativen Argumente seiner konventionellen Berufskollegen. Seine Begründungen, warum der Bio Suisse-Vorstand gegen die Trinkwasserinitiative ist, könnten auch vom Bauernverband stammen. Sie sind allesamt planwirtschaftlicher Natur und wollen marktwirtschaftliche Mechanismen so gut es geht ausschalten.
Es brauche, meint Brändli im Interview mit dem «Kassensturz», «faire» Rahmenbedingungen für die Biobauern. «Fair» ist ein beliebtes Wort in Landwirtschaftskreisen. Es tönt gut und appelliert ans Herz; niemand ist gerne «unfair». Aber in diesem Zusammenhang steht der Begriff selber für etwas ausgesprochen Unfaires. Er ist eine noble Umschreibung für das vermeintliche Recht auf Marktabschottung und die daraus entstehenden überhöhten Konsumentenpreise sowie für anderweitige Subventionen.
Zuviel Konkurrenz ist also auch beim Bio Suisse-Vorstand unbeliebt. Ein Bioland Schweiz könnte wohl die Pfründen der Alteingesessenen gefährden. Schon einmal habe es eine Überproduktion von Biomilch gegeben, sagte Brändli. Das lasse den Preis erodieren. Dabei bräuchten die Bauern existenzsichernde Preise, damit sie ihre Höfe weiterführen könnten. Dieses Argument ist nicht nur hochgradig planwirtschaftlich – nur in der Planwirtschaft muss sich der Preis nach den Produktionskosten und nicht nach dem Mechanismus von Angebot und Nachfrage richten – es zielt auch auf die Zementierung bestehender Strukturen ab. Nach dieser Lesart darf kein Bauernbetrieb, und sei er noch so ineffizient geführt, untergehen. Die exakt gleichen Argumente führte die Bauernlobby ins Feld, als es vor rund zehn Jahren um die Aufhebung der Milchkontingentierung ging.
Die Haltung des Bio Suisse-Vorstands zur Trinkwasserinitiative ist antimodernistisch und strukturkonservativ. Im Verband der Biobauern hat dies zu heftigen Kontroversen geführt. Nicht wenige Biobauern verstehen sich nämlich tatsächlich als idealistische und innovative Unternehmer und sind bereit, den Biomarkt zu entwickeln, mit neuen Produkten und neuen Ideen. Sie sehen in einem allfälligen Bioland Schweiz eine marktwirtschaftliche Chance.
Die Delegiertenversammlung von Bio Suisse dürfte also interessant werden. Am kommenden Mittwoch um genau 10:05 nimmt die Parolenfassung zur Trinkwasserinitiative gemäss Traktandenliste ihren Lauf. Ob sich die unternehmerischen oder die planwirtschaftlichen Kräfte durchsetzen werden? Man darf gespannt sein.
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