Schlechter Kuss, schlechter Sex

Schlechter Kuss, schlechter Sex

Kussecht? Der praktische Schnelltest. Oder: Wer’s obenrum nicht kann, darf untenrum nicht ran.

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von Dominique Feusi am 8.7.2021, 15:20 Uhr
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«Buah, ich hätte ihn früher küssen müssen!», sagte die T. Doch nicht mit der überschwänglichen Begeisterung einer Frischverliebten, die bereits die verlorenen Sekunden an den Lippen ihres Adonis beklagt. Sie hat es verzagt gesagt, so in der Art wie wenn man Chateaubriand bestellt und dann was kriegt, das wie gekochte Katze aussieht. Das habe ich so nicht gewollt! Das geht sofort zurück! Aber da hatte sie Richard Gere für Arme schon mitgenommen. Zwar wirkte er wie ein scharfes Stück. Tja, aber kein Glück, sie hat was ohne Würze bekommen.

Wie wenn man Chateaubriand bestellt und dann was kriegt, das wie gekochte Katze aussieht.


Dabei weiss man doch gerade jetzt, wie wichtig das Testen ist. Jedenfalls bestätigen 100% der Frauen, die ich kenne, den bekannten und oft angewandten Schnelltest am heterosexuellen Mann: Schlechter Kuss, schlechter Sex. Wer kann, der kann. Oder aber: Wenn’s obenrum schon nicht passt, ist die Chance relativ schlecht, dass er’s untenrum noch in die Meisterklasse schafft.
Der Putzfisch
Der Ausnahme zur Regel bin ich nie begegnet. Okay, meine persönliche Feldstudie beschränkt sich auch auf einen einzigen Versuch. Dann war mein Bedarf auf ewig gedeckt, der Typ hat beim Küssen ständig mein Gesicht abgeleckt. Also wir reden hier von grosszügigem Speichelauftrag. Wie eine Katzenmutter, die ihre Kleinen putzt. Ich kam mir schon leicht anverdaut vor. Dabei habe ich die Gesichtsreinigung mittels Speichel schon beim gefürchteten Nastuch meiner Grossmutter nicht geschätzt.
Aber ich war noch sehr jung, hatte jedoch schon etwas Erfahrung und in meinem jugendlichen Übermut dachte ich, dass man nach einem schlechten Kuss den wilden Hengst einfach zureiten muss. Oder dem lahmen Gaul die Sporen geben. Die Sache mit der Übung und dem Meister eben. Nun ja, ich lag komplett daneben. Und hatte den seltsamsten Sex meines Lebens.

In meinem jugendlichen Übermut dachte ich, dass man nach einem schlechten Kuss den wilden Hengst einfach zureiten muss.


Wir waren gänzlich inkompatibel. Es war in etwa so, wie wenn Sie probieren, mit den Knien Harfe zu spielen. Oder zum Öffnen einer Konservendose ein Faxgerät benutzen. Wer weiss, vielleicht ist er ja für eine andere Frau ein Liebesgott. Oder sagen wir: hoffentlich! Man lebt ja meist in der Überzeugung, dass alles an den anderen liegt. Ganz allgemein und speziell zwischen den Laken. Da sind wir in unserer Vorstellung doch alle Granaten.
Feuchtgebiete
Der Speichler war mit seiner Leistung jedenfalls vollends zufrieden. Man kann’s auf die Biologie schieben, so war’s nicht allein seine Schuld, denn das Phänomen hat einen chemischen Hintergrund: Im Speichel des Mannes befindet sich Testosteron, das die Libido der Frau anregt und auf eine schnelle Fortpflanzung abzielt, weshalb Männer beim Küssen laut Studien 33 Prozent mehr Speichel ... nun ja, vergiessen.

Deshalb wollen die meisten Frauen beim Küssen nicht vom Kinn bis zu den Haaren ins Speuz-Alpamare.


Frauen nutzen den Speichel des Mannes hingegen, um die genetische Kompatibilität abzuchecken. Die dazu benötigte Menge ist minim. Deshalb wollen die meisten Frauen beim Küssen nicht vom Kinn bis zu den Haaren ins Speuz-Alpamare.
Kuss und Schluss
Wo Richard Gere für Arme mit der Zunge falsch abgebogen ist, weiss ich nicht. Dabei hat alles so toll begonnen: Der Zürcher Offizier und Gentleman sass beim Fussballschauen in der Gartenbeiz plötzlich hinter der T., die zwei verstanden sich prächtig, und als die T. sagte, dass sie mit Richard Gere für Arme noch in die Verlängerung gehe und ihn zu sich nach Hause nehme, haben wir Beifall geklatscht. Zumal die T. ständig Angebote erhält, aber die Anwärter stets mit einer roten Karte abwatscht.
Doch dann haben sie sich im Hauseingang geküsst und die T. hat sofort beschlossen, dass Richard Gere für Arme nun nach Hause muss. Tja, das Verdikt kam auf der Zielgeraden. Dabei war er schon fast drin. Also in der Wohnung. Aber auf dem Welcome-Teppich gab’s die falsche Lippen-Akrobatik, und da hat sie ihm, sehr modern, auf ihre Kosten ein Uber bestellt, brachte Richard Gere ein Bier vor die Tür und dann hiess es: Adieu, Herr Offizier und Gentleman. Auf Nimmerwiedersehen.
Oder wie’s beim Massagesalon ums Eck im Fenster steht:
«NO HAPPY END!»

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