Nippel gehen nicht, aber die Wahrheit geht noch viel weniger

Nippel gehen nicht, aber die Wahrheit geht noch viel weniger

Endlich wurde ich ganz persönlich zum Opfer der Facebookzensur, die ich anhand der Geschichten anderer schon oft thematisiert habe. Nur lässt mich die Entscheidung von Mark Zuckerbergs kleinen Gehilfen etwas ratlos zurück. Die nackte Wahrheit ist offenbar ein Problem.

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von Stefan Millius am 2.1.2022, 18:00 Uhr
Bild: Pixabay
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Es ist lange her, und ich hatte es schon vergessen. Darauf gestossen bin ich erst, als ich herausgefunden habe, wie man als Facebooknutzer das persönliche Sündenprofil anzeigen kann. Und in der Tat, ich war schon einmal ein böser Junge. Ich habe gegen die Regeln der sozialen Plattform verstossen. Und wie!
Vor Jahren habe ich auf Facebook einen «Blick»-Artikel gepostet. Es ging um einen «FKK-Strand», an dem Leute beim Sex erwischt wurden. Bei der Boulevardpresse herrschte nackte Aufregung. Mein journalistischer Ehrgeiz war damit geweckt. Eine einfache Googlesuche zeigte, dass der bewusste Campingplatz in Frankreich das wohl bekannteste Ferienziel von Swingern ist. Der angebliche Skandal ist dort vorprogrammiert. Man geht buchstäblich nur dorthin, um mit anderen Leuten Sex zu haben. Ich fand die aufgeregte Schlagzeile daher sehr lustig und habe sie mit einem entsprechenden Kommentar verbreitet.
Nur leider wurde dabei das «Blick»-Bild ebenfalls angezeigt, und darauf waren – klein, aber eben doch da – weibliche Brustnippel zu sehen. Facebook teilte mir daraufhin mit, ich solle mich bitte künftig besser benehmen, sonst habe es Konsequenzen. Ich habe, keine Frage, das öffentliche Wohl gefährdet, indem ich einen kostenlosen Artikel einer weit verbreiteten Zeitung verlinkt habe. Keine Ahnung, wie viele Menschen ich durch den Anblick von Nippel langfristig traumatisiert habe. Wo im Internet findet man denn sonst schon nackte Nippel?

Verbrechen an der «Gemeinschaft»

Daraufhin war ich lange brav. Rund um mich herum beklagten viele Leute die wachsende Zensur in den sozialen Medien im Zusammenhang mit dem Thema Corona. Ich habe das mehrfach journalistisch thematisiert, aber es schien stets, als könnte ich selbst schreiben, was ich wollte, man liess mich in Ruhe.
Bis kurz vor Weihnachten. Da wurde einer meiner Beiträge von Facebook gelöscht, verbunden mit der Warnung, ich solle doch bitte die «Gemeinschaftsstandards» künftig einhalten. Offenbar ist die Facebook-Gemeinschaft eine sehr homogene Gemeinschaft, in der man die Dinge nur in eine Richtung sehen darf.
Was hatte ich Ungeheuerliches geschrieben? In aller Kürze folgendes: Ich hatte darauf aufmerksam gemacht, dass angesichts der aktuellen Politik die bisher geforderte Impfung – zwei Stiche – bald nicht mehr reicht zur Erlangung der persönlichen Freiheit. Bereits wird vielerorts der Booster vorausgesetzt, weil die «normale» Impfung irgendwie einfach nicht reicht. Mehr noch: Unter «1G» soll schleichend nicht mehr «geimpft», sondern «geboostert» verstanden werden.
Moderna bietet inzwischen ein Impf-Abo an, und Experten sagen, man solle bitte alle paar Monate zur Auffrischung der Impfung antraben. Die ursprüngliche Lösung des Problems, die Impfung in zwei Etappen, löst offenbar gar nichts mehr. Neu ist eine periodische Erneuerung gefragt, Enddatum ist der Sankt Nimmerleinstag.

Ob es stimmt, ist nicht die Frage

Mich verwirrt das ein bisschen. Ich zehre heute noch von meiner Impfung gegen die üblichen Kinderkrankheiten, die scheint also ziemlich langlebig. Ich war kürzlich beim Arzt, und mit keinem Wort hat er erwähnt, ich müsse dringend nach über 40 Jahren endlich einen Masern-Booster holen, weil mir sonst die Masern drohen. Diesen ewigen Effekt habe ich bis heute mit dem Wort «Impfung» assoziiert, aber offenbar versteht man heute darunter etwas anderes.
Also habe ich am 22. Dezember 2021 auf Facebook darauf aufmerksam gemacht, dass diese spezifische Impfung gegen Covid-19 offenbar keine der mir bisher bekannten Vorteile von Impfstoffen einhält. Und dass diejenigen, die zur Erlangung des heiss ersehnten Zertifikats brav den Oberarm hingehalten haben, nun wohl nicht mehr lange von den Vorteilen profitieren, weil die Ansprüche des Staates (und der Pharmaindustrie) plötzlich steigen.

Nur ein Hinweis auf Tatsachen

Nun kann man die Impfdebatte natürlich kontrovers führen und auch die aktuelle Politik gern für sinnvoll halten, das ändert aber nichts daran, dass die Aussage völlig korrekt war: Was uns vor einigen Monaten noch als Schlussstrich unter die ganze Sache verkauft wurde, ist nun plötzlich der Auftakt für viel mehr. Bis hin zum «Impf-Abo». Ich mag Abos, sie sind praktisch, beispielsweise im öffentlichen Verkehr. Dass man das nun aber braucht, um Covid-19 zu besiegen, ist neu, und ich dachte mir, es müsste möglich sein, darauf hinzuweisen, dass das einst nicht die Idee war. Eine Art Dienst am Leser mit dem, was eigentlich sowieso jeder weiss, der Zeitung liest.
Falsch gedacht. Facebook mag auch die Wahrheit nicht hören. Nichts, was in irgendeiner Weise die Impfung abwerten könnte, hat Platz. Selbst dann nicht, wenn die Schöpfer der Impfung ihre Kreation gleich selbst abwerten, indem sie uns mitteilen, dass es leider noch nicht reicht. Vielleicht folgt auf das Impf-Abo ja bald die Dauerinfusion, die es braucht, um geschützt zu sein.

Wahr ist, was dem Staat gefällt

Facebook ist eine wählerische Plattform. Auch Fakten dürfen nur dann publiziert werden, wenn sie den Vorgaben entsprechen. Und die haben nichts mit der Suche nach der Wahrheit zu tun, sondern mit der Erfüllung einer bestimmten Aufgabe. Klar, das soziale Medium ist ein privates Unternehmen und kann daher seine eigenen Regeln machen. Nur ist der Gründer Mark Zuckerberg seit langem Dauergast vor staatlichen Behörden, die sehr wohl finden, aufgrund der faktischen Monopolstellung gehe es den Staat etwas an, was Facebook macht. Das heisst, dass Facebook nur theoretisch privat ist, es hängt am Tropf des Staates und tut derzeit alles, um diesen zu befriedigen.
Inklusive den Bestrebungen, selbst die nackte Wahrheit zu zensieren.

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