Mauchs schlechte Klima-Bilanz

Mauchs schlechte Klima-Bilanz

Die Zürcher Stadtpräsidentin Corine Mauch kassiert vom Flughafen Zürich einen Riesenbatzen und heizt mit Erdgas. Trotzdem gilt sie als Öko-Vorbild. Warum eigentlich?

image
von Beni Frenkel am 18.6.2021, 07:21 Uhr
USA-Flüge, Gasheizung und wenig Wirkung als Flughafen-VR: Mauchs persönliche Öko-Bilanz ist durchwachsen. Bild: Shutterstock
USA-Flüge, Gasheizung und wenig Wirkung als Flughafen-VR: Mauchs persönliche Öko-Bilanz ist durchwachsen. Bild: Shutterstock
Der «Blick» wollte es Anfang Mai genau wissen: «CO₂-Gesetz: Wie sieht die Klima-Bilanz der Befürworter aus?» Die Zürcher Stadtpräsidentin Corine Mauch (SP) antwortete dem Journalisten, dass sie auf Flugreisen ins Ausland verzichte, es gebe ja auch die SBB.
Vor drei Jahren hatte sie dann aber doppelt Glück: Erstens fand in Chicago ein internationales Bürgermeistertreffen statt und zweitens befindet sich die US-Metropole nicht im Schienennetz der SBB. Mauch konnte also für einmal eine Ausnahme machen und ohne schlechten Gewissens nach Chicago fliegen. Die zwei Business Class-Flüge und die beiden Hotelübernachtungen kosteten die Steuerzahler dann knapp 7500 Franken. Die CO2-Emissionen für das wichtige Bürgermeistertreffen? 4,2 Tonnen. Um den Klimawandel aufzuhalten, sollte man gemäss myclimate.org höchstens 2 Tonnen CO2 verursachen. Pro Jahr.
Über 380'000 Franken für VR-Mandat
Dass für Mauch andere Massstäbe gelten, wird auch bei ihrem VR-Mandat beim Flughafen Zürich offenbar. Sie sitzt dort seit zehn Jahren. Von Seiten des Kantons hat Regierungsrätin Carmin Walker Späh (FDP) Einsitz im VR. Mauch hat in den letzten zehn Jahren insgesamt 380'261 Franken vom Zürcher Flughafen kassiert. Walker Späh hingegen muss jeden Franken und Rappen dem Kanton abgeben. Das belegen die Geschäftsberichte des Zürcher Flughafens.
Mauchs Leistung als VR kann man schlecht einschätzen. Interessant ist, dass sie ausgerechnet in ihrer vermeintlichen Paradedisziplin nicht vorwärts kommt: die Reduktion von CO2-Emmissionen des Flughafens. 1991 betrug der Ausstoss des Flughafens noch 50'000 Tonnen. 2011, als Mauch gerade in den VR einzog, wurde dieser auf etwa 22'000 Tonnen reduziert. Seit Mauchs Antritt stiegen die Emissionen wieder an. 2020 lag er bei über 27'000 Tonnen.
Die 2000-Watt-Gesellschaft ist Mauch ein wichtiges Anliegen, das sie immer wieder betont. Sie erwähnt zum Beispiel, dass sie mit dem Velo zur Arbeit fährt. Damit schafft sie Nähe zur Bevölkerung, die sich allerdings immer wieder wundert, warum die Stadtpräsidentin ohne Helm fährt. Die Velofahrt schont natürlich die Umwelt. Entscheidend ist aber wahrscheinlich: Mit dem Velo kommt sie (gemäss Google Maps) vier Minuten früher im Stadthaus an als mit dem Auto.
Grosses Haus, schlechte Heizung
Ein Pressesprecher bat den «Nebelspalter», ihren Wohnsitz geheim zu halten. Darum nur so viel: Sie besitzt ein prächtiges Mehrfamilienhaus im noblen Zürcher Kreis 6, wie eine Anfrage beim zuständigen Notariat bestätigte. Ein Liegenschaftsverwalter schätzt den Marktwert auf über 5 Millionen Franken.
Das Haus wird ökologisch gesehen allerdings schlecht geheizt. Mauch besitzt eine Gasheizung. Immerhin: «Isolationsoptimierungen sind geplant», schreibt sie zurück. Und dann seien auch noch Solarkollektoren auf dem Dach angebracht worden.
Ob das reicht, die Welt zu retten?
  • Schweiz
Mehr von diesem Autor
image

Die Peitsche für Adolf Ogi, die Diamanten für Calmy-Rey

image
Beni Frenkel, 1.7.2021
comments4
Ähnliche Themen
image

Erstaunliche Erkenntnis: Wer früher in Rente geht, ist weniger gesund

image
Stefan Bill, Heute, 08:33
comments2