Land Rover managt den Elektrohype.

Land Rover managt den Elektrohype.

Land Rover hat auf die neuen Leitplanken zu Gunsten von Umwelt- und Klimaschutz schnell reagiert, bleibt aber bei seinen Leisten: Keine Sportwagen, keine Limousinen, keine Familien-Vans.

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von Jürg Wick am 19.11.2021, 07:16 Uhr
Den aktuellen Defender gibt es neu auch wieder mit einem währschaften V8.
Den aktuellen Defender gibt es neu auch wieder mit einem währschaften V8.
2012 hat die EU Sanktionen für die Autohersteller eingeführt, sofern die gesetzten CO2-Grenzwerte im so genannten Flottenverbrauch überschritten werden. Die Schweiz hat dieses Muster vollumfänglich übernommen, ja sogar verschärft. Wir haben damals die Chance gehabt, angeschlossen im Verbund mit der EU, etwas glimpflicher wegzukommen, hätten wir uns von der CO2-Ausgangslage her eingerichtet. Die damalige Bundesrätin Doris Leuthard war dagegen. Die Schweiz fährt zu Lasten der hierzulande begehrten 4x4 eine exklusive Schiene und die Importeure bezahlten im zweiten Halbjahr 2012 insgesamt 3,5 Mio. Franken an Sanktionen – der Bund will in diesem Zusammenhang das Wort «Busse» nicht hören. Kaskademässig sind die Grenzwerte weiter verschärft worden. Für 2020 fordert der Bund von den Importeuren insgesamt rund 133 Mio. Franken an Sanktionszahlungen für die Personenwagen ein. Neu hinzu kommen weitere 15,7 Mio. für die neuerdings inkludierte Sparte leichte Nutzfahrzeuge à là Sprinter oder Transit, mit noch herausforderenden Grenzwerten.
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Range Rover schmissiger gedacht: Range Rover Velar.

CO2-Status Land Rover

Der sparsamste Range Rover (4,4 L Turbodiesel mit 313 PS) emittierte vor neun Jahren 253 g/km auf 100 Kilometer CO2, der «kleinste» Evoque als 2,2 Liter Turbodiesel mit 150 PS kam auf 169 Gramm. Gefordert waren durchschnittlich 136 g/km.
Die Emissionen 2021 für die sparsamsten Modelle von Land Rover, immer mit Allradantrieb und Getriebeautomatik mit Pauschalwert 95 g/km:
Range Rover Evoque: 309 PS/44 g/km
Range Rover: 404 PS/78 g/km.
Den technischen Fortschritt in neun Jahren darf man durchaus phänomenal nennen, ist allerdings nicht im Sinne der Grünen; es sank ja nicht bloss der Verbrauch, sondern gleichzeitig stieg die Motorenleistung markant, und, dies nebenbei, die Verkaufspreise sind nur moderat gestiegen.
Bei den sparsamsten Land Rover Modellen inklusive Range Rover Velar und Land Rover Discovery sowie Defender handelt es sich um Plug-in-Hybride, welche auch rein verbrennerisch betrieben werden können, aber die meisten Besitzer solcher Fahrzeuge dürften zu Hause eine Steckdose haben, um das Fahrzeug über Nacht aufladen zu können. Damit kann man auch einen über zwei Tonnen schweren Range ohne Langstrecke unter der Woche rein elektrisch fahren. Aber es gibt weiterhin Autofahrer, welche davon noch nicht überzeugt sind. Sie bestellen sich ihren Evoque mit dem verfügbaren P250 mit 250 PS oder den grossen Range Rover oder Range Rover Velar mit einem währschaften V8 mit 565 PS. Auch den Defender bekommt man neuerdings auf Wunsch mit einem derartigen Kraftprotz.
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Range Rover etwas einfacher gemacht: Land Rover Discovery.
Beim neuen, hauptsächlich für Expeditionen konzipierten Defender sieht das Anforderungsprofil jedoch anders aus. Hier dürften der Dreiliter-Turbodiesel mit 250 und 300-PS, wie sie auch für die meisten anderen Modelle zur Verfügung stehen, die wesentlichste Rolle spielen. Darüber hinaus kann der Kunde auch für einen potenten Zweiliter-Benziner mit Twinscroll-Turbolader bis zu 300 PS optieren.

Zwei Welten

Land Rover hat sich stramm und effizient den neuen Anforderungen unterworfen; einige Weltregionen lassen sich jedoch nicht mit den westlichen Klimaschutzanforderungen bewirtschaften. Zum Beispiel die Sahara, Sibirien, die Northern Territorys in Kanada, die Mongolei oder die Falklandinseln – wo Land Rover seit Jahrzehnten Marktführer ist. Regionen, welche mit dem Elektrohype nicht`s anfangen können. Den Kraftakt Elektromobilität lässt sich umso besser stemmen, je lückenloser man weltweit verankert ist. Einerseits mit edlen Fahrzeugen für den Westen, andererseits mit technisch ausgereiften Produkten für die unwegsamen Gebiete auf der gleichen Erde; automobil gibt es zwei Welten.
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Mit dem Range Rover Evoque gelang den Briten eine echte Überraschung.

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