Knackeboul und seine Nazivergleiche

Knackeboul und seine Nazivergleiche

Neonazis, esoterische Spinner und Füdlibürger: David Lukas Kohler alias Knackeboul überzieht die Kritiker der Coronamassnahmen mit wenig schmeichelhaften Namen. Neuestens bemüht er sogar das Ende des dritten Reichs für seine Vergleiche.

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von Stefan Millius am 4.6.2021, 05:30 Uhr
Bild:Wikimedia / Habegger Zürich
Bild:Wikimedia / Habegger Zürich
Der Rapper Knackeboul hat sich eine einfache Welt gezimmert. Es gibt die Guten. Das sind Greta Thunberg, die SP, die WHO und überhaupt alles, was bei den Medien hoch im Kurs steht. Und dann gibt es die Bösen. Die SVP als eine Art Anführer dieser Fraktion, dann die SVP, vielleicht noch die SVP, die SVP allenfalls – und schliesslich auch noch die Kritiker der Coronamassnahmen.
Damit ist Knackeboul in seiner Zunft zwar nicht der einzige, aber er gehört zu den wenigen, die dieses Weltbild in den sozialen Medien regelmässig auf beleidigende, herabsetzende Weise transportieren. Dabei bemüht er gerne historische Vergleiche, wie beispielsweise hier auf Twitter.
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Die These vom angeblichen Aufmarsch der Rechtsextremen bei Coronakundgebungen ist so alt wie unbelegt. Knackeboul liefert ein Bild mit, bei dem man sich verzweifelt fragt, inwiefern es die massgebende Rolle von Neonazis bei der Massnahmenkritik belegen soll. Reicht allenfalls bereits das Tragen eines Schweizer Kreuzes als Emblem? Oder die Thurgauer Kantonsflagge? Wirkt die Frau vorne rechts allenfalls wie eine potenzielle Bombenlegerin im Namen der Faschismusnostalgiker?
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Mit Neonazis haben 99,9 Prozent der Anwesenden in etwa so viel gemeinsam wie der FC Tuggen mit der Champions League. Aber auch sonst geht der Künstler recht freizügig um mit falsch verwendeten Begriffen. Die von ihm kritisierten «Füdlibürger» sind charakterisiert dadurch, dass sie sich anpasserisch und kleinbürgerlich durchs Leben bewegen, ohne Zivilcourage und öffentliches Engagement. Inwiefern das auf Leute zutrifft, die sich am Wochenende auf meist unbewilligten Demonstrationen den Wasserwerfern und dem Tränengas der Polizei aussetzen, bleibt unklar.
Gleichzeitig muss man aber wohl auch froh sein, wenn Knackeboul verfehlte, aber offenbar ernst gemeinte Vergleiche anstellt. Übler wird es nämlich, wenn er versucht, lustig zu sein:

«hat man bei impfgegnern schon versucht, ob sie sich evtl. ampfen oder umpfen liessen statt impfen? vielleicht haben sie ja nur mit dem i ein problem.»

Knackeboul auf Twitter
Und auch wenn beim gebürtigen Langenthaler die Zeiten, in denen ihn einige für seine Musik kannten, schon länger vorbei sind, versucht er immer wieder, die Rapper-Tradition der Fäkal- und sonstiger Ekelsprache hochzuhalten:

«sätze, die man 2021 sagen kann: 'als ich erfahren habe, dass marco rima beim nebelspalter eine show kriegt, hab ich fast in meine maske gekotzt'.»

Knackeboul auf Twitter
Doch auch die Behörden kriegen dann und wann ihr Fett weg. Zum Beispiel die in Neuenburg. Dass dort eine Coronakundgebung bewilligt wurde, lässt Knackeboul fassungslos zurück. Das geschehe, «während die Pandemie immer noch wütet und Menschen gemütlich nach dem Shoppen ihr Bierchen in der Beiz geniessen.» Wo die Pandemie derzeit noch wütet, mag er allerdings nicht aufzeigen, was angesichts der aktuellen Zahlen auch schwierig wäre.
Während er sich über angebliche Rechtsradikale an friedlichen Demonstrationen aufregt, hat er übrigens kein Problem damit, selbst mit Gewaltfantasien zu kokettieren, wenn er beispielsweise schreibt: «Manchmal würde man gerne in Gesichtern von Redaktoren eine kleine Faustparty feiern.»
Immerhin kann Knackeboul jetzt die Liste seiner potenziellen Prügelopfer verlängern.


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