Kampfzone Asphalt: Augen auf bei der Ferienwahl

Kampfzone Asphalt: Augen auf bei der Ferienwahl

Wenn Sie es nicht lassen können und nach einem Jahr gelebter Solidarität unbedingt ins Ausland fahren müssen, sollten Sie sich Zeit nehmen für etwas internationale Verkehrskunde. Packen Sie ein Alkohol-Testgerät ein und unterschätzen Sie die Österreicher nicht!

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von Ralph Weibel am 23.7.2021, 10:00 Uhr
Nebelspalter
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Viva l'Italia! Aber das Dolce Vita kann verdammt teuer werden, wenn Sie mit dem Auto im Land des neuen Fussball-Europameisters unterwegs sind. Schlimmstenfalls kostet eine Autofahrt bei unserem südlichen Nachbarn schnell 1381 Euro, also rund 1400 Franken. Leider schützt Unwissenheit nicht vor Strafe, und wer je das süffisante Lächeln eines Carabinieri gesehen hat, dem ein Schweizer Autofahrer ins Netz gegangen ist, weiss, wovon hier die Rede ist. Ein richtiges Grinsen hat er auf dem Gesicht, wenn er Sie mit Ihrer schwangeren Frau, leicht angetrunken, rauchend, zu schnell, ohne Warnschild am ans Heck montierten Velo, fehlendem CH-Kleber und zuguterletzt ohne Warnweste in Griffnähe, aus dem Verkehr zieht. Das wäre das volle Paket.

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Doch nicht nur die Italiener freuen sich über einen Zustupf für die maroden Staatsfinanzen. Fast alle Länder bewirtschaften ein paar interessante Vorschriften, die es zu kennen gilt, damit das Feriengeld nicht im Staub der Bürokratie versiegt, sondern mit Gelati und überteuerten Liegestühlen am Strand versandet.

Rauchende Köpfe

So ist es in diversen Ländern verboten mit Minderjährigen oder Schwangeren im Auto zu rauchen. Was von sich aus dem gesunden Menschenverstand widerstrebt. Spitzenreiter sind dabei die Griechen, nicht beim Rauchen, sondern der Busse dafür. Bis zu 3000 Euro kann die Sucht kosten. Die Schwiegereltern darf man übrigens uneingeschränkt vollqualmen.
Ein besonderes Talent haben Gendarmen in Österreich. Die können Geschwindigkeitsübertretungen ohne Blitzer zur Kasse bitten, indem sie die Übertretung bis zu 30 Stundenkilometern abschätzen. Entschleunigt sind dafür die Spanier. Seit vergangenem Mai gilt in Städten auf einspurigen Strassen Tempo 30 und in schmalen Gassen gar 20. Viele Spanier verbringen ihre Siesta seither fahrend durch die Stadt, was das Unfallrisiko nicht wie gewünscht reduziert. Immerhin gewähren spanische Behörden einen Rabatt von 50% auf Strafzettel, wenn dieser innerhalb von 20 Tagen bezahlt wird. Unbürokratisch freikaufen kann man sich in Frankreich, wo ein Strafzettel im Tabakladen beglichen werden kann. Gleichzeitig besteht hier die Möglichkeit, das obligatorische Alkoholtestgerät zu kaufen. Beim Rauchen im Auto einfach nicht mit den Zigaretten verwechseln.

Warnug vor der Warnung

Besonders teuer wird es in Estland, ja ich weiss, da macht keiner Ferien, aber vielleicht hat Sie Ihr Navi falsch geleitet, wenn Ihnen kein Licht aufgeht. Mit 190 Euro wird das Fahren ohne Abblendlicht gebüsst. Wer das kleinlich findet, sollte dort bleiben und nicht nach Kroatioen fahren. Dort müssen Sie in einer Verkehrskontrolle ein Lampen-Ersatzset vorzeigen, neben dem Pannendreieck und dem Verbandskasten. Mieten Sie sich besser gleich einen Krankenwagen! Mit Warnweste, versteht sich. In einigen Ländern müssen alle Mitreisenden eine tragen, die bei einer Panne aussteigen, und nicht in die leergetrunkene Bierflasche urinieren wollen.
Überhaupt ist Warnung alles. So braucht man für das Fahrrad am Heck des Fahrzeuges in Italien eine normierte Blechtafel mit fünf roten Streifen, in Spanien eine mit drei Streifen, dafür aus Alu und gleich zwei, wenn die Fracht so breit ist wie das Auto.
Wer noch richtig Gas geben will, der kann das eigentlich nur noch in Deutschland. Dafür gilt besondere Vorsicht auf dem Parkplatz eines Supermarktes. Dieser darf eigene Regel erlassen und einen privaten Dienst beschäftigen, der Knöllchen verteilt. Zudem trifft in Deutschland bei einem Unfall vor dem Supermarkt in der Regel beide Beteiligten eine Mitschuld.Während in Kroatien der kleinste Unfall polizeilich betreut werden muss, verlangt Österreich beim Anrücken selbiger wegen eines Blechschadens 36 Euro "Blaulichtsteuer".

Zurück nach Italien

Aber wen es aus der Schweiz ins Ausland zieht, der fährt meist nach Italien. Dort werden die meisten Autos nicht mehr geklaut, sondern von der Polizei beschlagnahmt und verkauft. Ab 1,5 Promille Alkohol wird das Auto eingezogen, wenn der Besitzer es fährt. Es lohnt isch also, den Partner oder die Partnerin nach ausgiebigem Chiantikonsum ans Steuer zu lassen. Meist hilft es, einen italienischen Polizisten milde zu stimmen, wenn Sie sich als glühenden Fan der Squadra Azzurra outen. In diesem Sinne: Fahren Sie gut in die Ferien!

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