Printausgabe

John H. Gibbon

image 19. Mai 2023 um 07:00
Markus Vassalli (MAX)
Markus Vassalli (MAX)
Bis vor 70 Jahren hatte die Herzchi­rurgie ein zentrales Problem, das sichere Operationen am Herzen verunmöglichte: der Mangel an Operationszeit. Nicht weil Ärzte so kleine Pensen hatten oder Herzpatienten Schlange standen, sondern weil es für solche Eingriffe einer temporären Abklemmung der grossen Herzgefässe bedarf, was die Sauerstoffzufuhr zum Gehirn unterbricht; und das wird nach ein paar Minuten bekanntlich äusserst ungesund.
Deshalb tüftelte der Chirurg John Heyham Gibbon (1903–1973) lange an einer Herz-Lungen-Maschine, mit der die lebensnotwendigen Funktionen ­vorübergehend «outgesourct» werden sollten. 1935 baute er einen Prototyp, mit dem eine Katze eine halbe Stunde überlebte, leider war es bereits ihr neuntes und letztes Leben.
Es gab noch weitere Rückschläge und Todesfälle, bis die Maschine endlich einwandfrei arbeitete: Vor 70 Jahren, am 6. Mai 1953, gelang Gibbon an der Pennsylvania University in Philadelphia die erste erfolgreiche Herzoperation an einem Menschen unter Einsatz der Herz-Lungen-Maschine; sie übernahm 26 Minuten lang die Funktion von Herz und Lungen einer 18-jährigen
Patientin. Heute wird die sogenannte extrakorporale Zirkulation routinemässig vor allem bei offenen Herzoperationen eingesetzt. Gibbons bahnbrechende Erfindung gab auch anderen Bereichen entscheidende Impulse.
Zu erwähnen ist die Hirn-Maschine, welche die Funktion des menschlichen Denkens für kurze Zeit, oder auch permanent, übernehmen kann. Im Gegensatz zu den eher teuren und sperrigen Herz-Lungen-Maschinen trägt heute praktisch jede und jeder eine solche Hirn-Maschine bei sich. Man nennt sie Smartphone.
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Jürg Kühni


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