B-Post in der Postfiliale

B-Post in der Postfiliale

Die Schweizer Post ist mit der Paketflut überfordert. Und die Postkunden nerven sich immer mehr: Die Wartezeiten in den Postfilialen werden jedes Jahr länger.

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von Beni Frenkel am 28.5.2021, 11:00 Uhr
Wer Geduld hat, wird auch bedient. Bild: Post
Wer Geduld hat, wird auch bedient. Bild: Post
Google weiss alles. Auch wie lange die Wartschlange ist. Zum Beispiel in der Postfiliale an der Burgfelderstrasse in Basel. Sieben Kundenschalter sind da vorhanden. Google Maps kommt aber zum Ergebnis: «In der Regel verbringen hier Menschen 15 Minuten.»
Eine Viertelstunde Wartezeit für die Aufgabe eines Pakets; nicht alle Kunden haben so viel Geduld. Nina, ganz bestimmt nicht. Die Kundin schreibt – wieder auf Google Maps – eine «Rezension»: «Es gibt zwar 7 Schalter, aber es sind maximal 1-2 besetzt - 20 Minuten Wartezeit - will die Post eigentlich die Kunden vergraulen, damit sie noch mehr Filialen schliessen kann? Wenn ja, weiter so!» Von fünf möglichen Bewertungssternen vergibt sie nur einen.
Wer sich einen Tag frei nimmt und die Kundenreaktionen auf die verbliebenen 878 Postfilialen durchliest, merkt: Da brodelt etwas in der Bevölkerung. «Unsere» Post, die einstige Sympathieträgerin in der Stadt und auf dem Land, vergrault immer mehr ihrer Kunden. Sehr häufig werden dabei die Wartezeiten kritisiert. Die Kommentare stammen nicht von Wutbürgern, sondern von Menschen, die tief enttäuscht sind vom Staatsbetrieb. Nochmals zur Basler Postfiliale. H.U. schreibt: «Ich schäme mich für diese «Post». Noch nie habe ich eine 1 Stern-Kritik abgegeben.» Für die Basler Postfiliale gab es dann die Premiere.
Dass die Wartezeiten deutlich zugenommen haben, zeigt auch der Geschäftsbericht der Post. Seit vier Jahren nimmt die Wartezeit kontinuierlich zu. 2016 wurden 95,8 Prozent der Kunden innerhalb von sieben Minuten bedient. Dieser Wert fiel in den Folgejahren auf 94,9%, 94,7%, 94,3% und 2020 auf 92,6%. So tief wie noch nie.
«Die Post hatte kurzfristig immer wieder coronabedingte Ausfälle im Personalbestand.», schreibt das Unternehmen auf Anfrage. Als Erklärung genügt diese Aussage nicht. Mit 414'296 Aussetztagen ihres Personals lag die Post letztes Jahr um über 1000 Tage unter dem Schnitt der Jahre 2016-2019. Die Daten stammen aus den Kennzahlen 2020 der Post.
Hinzu kommt: Die Auslagerung von Postfilialen in Agenturen hat sich während Corona als Eigengoal erwiesen. Weil beispielsweise Sportgeschäfte mit Paketdiensten schliessen mussten, verlagerten sich die Kundenströme auf die verbliebenen Postfilialen.
Rückblickend gesehen hat die Schweizer Post nicht flexibel genug auf die Pandemie reagiert. Noch immer stehen die Kunden Schlange bis zur Strasse. In ihren Händen: kleine und grosse Pakete. Dank Zalando und Co. könnte der Staatsbetrieb eigentlich vor Glück schreien: Seit sieben Jahren vermeldet er bei den verarbeiteten Paketen Rekordzahlen. Letztes Jahr waren es über 180 Millionen.
Das stark reduzierte Netz an eigenen Postfilialen kommt mit dieser Flut aber nicht zurecht. Und die Postagenturen, zum Beispiel von Volg, bieten nur einen rudimentären Dienst an. Paketsendungen ins Ausland gehören zum Beispiel nicht dazu.
In die Bresche sollen darum die My Post 24-Automaten springen. Der Clou: Der Kunde muss die Paketaufgabe selbst erledigen: Adresse erfassen und in eine Box legen. 183 Automaten stehen mittlerweile in der Schweiz herum. Wie stark der weitere Ausbau erfolgen kann, hängt davon ab, wie rentabel die Automaten sind und wo es in den zersiedelten Städten überhaupt noch Platz gibt. Als Alternative zu den Filialen eignen sich die Automaten wenig. Die Boxen sind schnell belegt und das Prozedere stellt eine technische Hürde dar.
Immerhin: Als Dank, dass ihre Kunden die Arbeit übernehmen, erlässt ihnen die Post ein Teil der Paketgebühren. Die günstigsten Paketgrössen kosten statt 7 nur 5.50 Franken. Der Preiserlass gilt aber nur bis Ende dieses Jahres.
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