Gurke der Woche: Es darf nicht sein, was nicht sein darf. Ein Beispiel aus der NZZ

Gurke der Woche: Es darf nicht sein, was nicht sein darf. Ein Beispiel aus der NZZ

Es gibt gute Nachrichten zu Corona. Doch die NZZ schafft es, sie schlecht aussehen zu lassen.

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von Dominik Feusi am 23.4.2021, 13:00 Uhr
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Die Rhätische Bahn (RhB) hat seit Februar 500 Zugbegleiter auf das Covid19-Virus getestet. Dabei wurden ganze drei Fälle entdeckt. Dies berichtet die Neue Zürcher Zeitung.
Gemäss einem Geschäftsleitungsmitglied der RhB haben sich alle drei nicht am Arbeitsplatz angesteckt. Die gute Nachricht entspricht anderen Untersuchungen, zum Beispiel aus Deutschland: Die Ansteckungsgefahr für das Zugspersonal ist gering, obwohl es andauernd in Kontakt mit Fahrgästen ist.
Die gute Nachricht aus Graubünden könnte Anlass sein, kritisch darüber nachzudenken, ob die heute absolute Maskenpflicht in Zügen und Bahnhöfen sinnvoll ist. Und ob es nicht genügen würde, eine Maske immer dann anzuziehen, wenn der empfohlene Abstand von anderthalb Meter nicht eingehalten werden kann. Man könnte jemanden dazu ein paar Fragen stellen.

Relativieren statt nachfragen

Doch Kollege Tobias Gafafer von der NZZ hat nichts dergleichen im Sinn. Im Gegenteil: Er schafft es aufwändig, die gute Nachricht doch noch zu relativieren. Die Ergebnisse liessen sich nicht auf den ganzen öffentlichen Verkehr übertragen, auch wenn eine deutsche Studie zum gleichen Resultat gekommen sei. Sowieso: Die RhB habe nur das Zugpersonal, nicht aber die Passagiere getestet. Und das gute Resultat sei auf die Maskentragpflicht zurückzuführen. Masken seien «zentral».
Letztere Behauptung bleibt jedoch im luftleeren Raum stehen. Eine Kontrollgruppe ohne Maskenpflicht gab es weder in Graubünden, noch in Deutschland. Dafür kommt noch der Präsident der Abteilung Zugpersonal der Bähnlergewerkschaft zu Wort, der trotz der guten Resultate – die er bestätigt — nicht wahnsinnig überraschend noch mehr Schutz für seine Mitglieder fordert. Eine zweite, andere Stimme oder eine kritische Rückfrage? Fehlanzeige. Dafür darf dann noch der SBB-Sprecher sagen, dass sein Staatsbetrieb die Rückmeldungen des Zugpersonals ernst nähme – und erzählen, was die SBB alles tun, damit ja kein Passagier auf die Idee kommt, im leeren Waggon die Maske eine zu lange «Ess- und Trinkpause» zu machen. So kann nur ein Monopolist über seine Kunden denken.

Unter der Rubrik «Die Gurke der Woche» küren wir die gewagteste Mediengeschichte der Woche. Schauen Sie vorbei, wenn wir jede Woche eine neue Geschichte ehren. Was stimmt, was ist übertrieben, was ist schlicht falsch? Der Nebelspalter spaltet den Nebel.

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