Gerade die Jungen stürzten das CO2-Gesetz

Gerade die Jungen stürzten das CO2-Gesetz

Die Nachwahlanalyse zu den gestrigen Abstimmungen fördert Interessantes zutage: Die Klimajugend ist nur eine Minderheit, denn die Mehrheit der bis 34-Jährigen stimmten gestern Nein zum CO2-Gesetz.

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von Sandro Frei am 14.6.2021, 13:22 Uhr
Quelle: Shutterstock
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Die Nachwahlanalyse wurde von LeeWas im Auftrag der Tamedia durchgeführt. Es wurden 16’250 Bürgerinnen und Bürger gefragt, wie sie abgestimmt haben und was für sie die wichtigsten Argumente für ihren Entscheid waren.

Klimajugend in aller Munde

Seit den von Greta initiierten Klimastreiks 2018 und den Wahlen 2019, die als «grüne Wellen» bezeichnet wurden, sprach man von der «Klimajugend», der Generation der Jungen, die eine komplette Änderung der Klimapolitik fordert.
Etablierte Parteien, wie zum Beispiel die FDP, kamen plötzlich mit grünen Ideen und Vorschlägen. Die Jugend, die auf die Strassen ging, war der Meinung, dass sie den Eltern und Grosseltern zeigen müssen, wie wichtig ihnen das Klima sei, und den älteren Semestern müsse man zeigen, wie Umweltschutz geht.

Die Jugend hat gesprochen — anders als erwartet

Die Klimajugend wurde von Politbeobachtern und Medien als neue soziale Bewegung gefeiert. Doch die Nachwahlbefragung zeigt, dass eine Minderheit von lauten Jugendlichen mit der gesamten Generation verwechselt wurde. Die 18- bis 34-Jährigen lehnten das Co2-Gesetz nämlich am deutlichsten von allen Altersgruppen ab.

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Screenshot LeeWas Nachwahlbefragung
58 Prozent der unter 35-Jährigen lehnten das Gesetz ab. Bei den über 65-Jährigen wurde es mit 54 Prozent angenommen. Die Babyboomer nahmen also das Gesetz an, die Jüngeren lehnten es ab. Die Generation, deretwegen man das Gesetz gemacht hat, hat es an der Urne versenkt.
Und noch ein erstaunliches Resultat zeigt die Nachwahlbefragung: Bei der gestrigen Abstimmung waren die Frauen nur knapp dafür (51 Prozent), die Männer lehnten das Gesetz mit 53 Prozent ab. Auch hier ging man davon aus, dass die Frauen grünen Projekten viel aufgeschlossener gegenüber stehen als die Männer.

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Screenshot LeeWas Nachwahlbefragung
Screenshot: C02-Gesetz: Frauen 51 Prozent dafür, Männer 53 Prozent dagegen. Auch die Frauen waren dem Gesetz äusserst kritisch gegenüber eingestellt.
Schlüsselt man das Ergebnis der Abstimmung nach Siedlungstyp auf, ist festzustellen, dass die Agglomerationen mit 50 Prozent die Waage halten. Die ländlichen Regionen lehnen es mit 59 Prozent klar ab. Die Städte wiederum waren für das Gesetz. Die Landbevölkerung hat also den Unterschied gemacht. Dies, obwohl vom Ja-Lager immer wieder betont wurde, dass auch und insbesondere die Landbevölkerung von diesem Gesetz profitiere. Scheinbar ist es den Befürwortern nicht gelungen, dies den Leuten glaubhaft zu vermitteln.

FDP-Wähler sagen Nein

Untersucht man die Befragten nach Parteien, so fällt auf, dass die FDP-Wähler zu 63 Prozent das Gesetz klar abgelehnt haben, dies, obwohl die Partei eine Ja-Parole herausgab und die Vorlage zur wichtigsten Abstimmung dieses Jahres hochstilisierte.
Plakate mit dem Konterfei von Petra Gössi oder Damian Müller waren überall präsent. Die Mitglieder wurden in regelmässigen Abständen in Form von Mitgliedermails versucht auf die JA-Seite zu ziehen. Die FDP-Wähler goutierten aber offensichtlich die klare Positionierung der FDP-Spitze für das Gesetz nicht.
Doch auch die Mitte-Wähler haben das Gesetz trotz Ja-Parole der Partei mehrheitlich abgelehnt, allerdings mit 53 Prozent viel knapper als die FDP-ler. Und auch bei den über das Abstimmungsresultat entsetzten Sozialdemokraten und Grünliberalen hat eine starke Minderheit das CO2-Gesetz abgelehnt. Erstaunliche 24 Prozent der SP- und 19 Prozent der GLP-Wähler legten ein Nein in die Urne. Hätten die beiden Parteien ihre Basis hinter sich geschart wie die Grünen (11% Nein), wäre das CO2-Gesetz vermutlich durchgekommen.

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Screenshot LeeWas Nachwahlbefragung

Klimathema nimmt an Relevanz ab bei den FDP-Wählern

Im Rahmen der Nachwahlbefragung wurden die Befragten auch zur Gewichtung von Themen gefragt. Interessant ist, dass das Klima- und Umwelt bei den FDP-Wählern seit 2019, also seit der Neupositionierung der Partei an Relevanz verloren haben. Betrachteten 2019 noch 43 Prozent der FDP-Wähler den Klimawandel als dringendes Problem, sind es heute nur noch 34 Prozent. Inzwischen ist das drängendste Problem der FDP-Wähler die Altersvorsorge. Während die Parteiführung im Klimathema also einen Kurswechsel vollzog und sich mit voller Kraft in die Schlacht ums CO2-Gesetz stürzte, verloren die FDP-Wähler das Interesse am Thema.

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Screenshot LeeWas Nachwahlbefragung
Screenshot: Klimathema hat bei den FDP-Wählern an Wichtigkeit verloren.

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