Genfer Islamisten-Verein feiert den Sieg der Taliban

Genfer Islamisten-Verein feiert den Sieg der Taliban

Die in Genf registrierte «Liga maghrebinischer Gelehrter» («Ligue des Savants du Maghreb Arabe») gratuliert in sozialen Medien den Taliban zu ihrer Eroberung von Kabul.

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von Dominik Feusi am 17.8.2021, 14:09 Uhr
Ein in Genf registrierter islmaistischer Verein bejubelt die Taliban. (Bild: Shutterstock)
Ein in Genf registrierter islmaistischer Verein bejubelt die Taliban. (Bild: Shutterstock)
Der Verein drückt seine Freude darüber aus, dass «Allah unseren afghanischen Brüdern einen eindeutigen Sieg bescherte, nachdem es eine Zeit lang keine solchen gesegneten Siege der Muslime über ihre Feinde gegeben hatte.»
Der Titel der Mitteilung lautet «Statement über die Eroberung die Gott unseren Brüdern in Afghanistan geschenkt hat». Der «klare Sieg» der Taliban sei eine «freudige Nachricht» heisst es weiter. Es drohten jedoch weiterin «Verschwörungen» der «Feinde des Islams».

Harmloser Eintrag im Handeslregister

Für den Genfer Verein stehen die Muslime in einem grossen Kampf gegen den Westen. Und die Eroberung Afghanistans ist ein Etappensieg. Offiziell tarnt sich der Verein mit viel harmloseren Worten. Das Ziel des Vereins gemäss Handelsregister ist es, den «Islam bekannt machen, seine Ethik und Moral fördern, die Gelehrten und ihre Ansichten über das islamische Recht zu vereinen». Was gut tönt meintz die Förderung der Scharia als geltendes Recht – grundsätzlich weltweit.
«Diese Paraphrase zeigt, wie gut es islamischen Organisationen gelingt, ihre wahren Ziele mit politisch korrekter Sprache zu tarnen.», sagt Kacem El Ghazzali, Menschenrechtsexperte und Islamkenner, der für den Nebelspalter die arabischen Texte des Vereins übersetzt hat.

Entrechtung der Frauen

Für die Frauen in Afghanistan bedeutet die Einführung der Sharia die weitgehende Entrechtung und Unterstellung unter männliche Vormünder, seien es Väter, Brüder oder Ehemänner.
Das Lob aus Genf ist umso erstaunlicher, weil der Verein der salafistischen Schule des Islams angehört. «Die Salafisten lehnen die Taliban auf der Ebene des Credos ab. Sie sind sich in der Frage der rigorosen Anwendung des islamischen Rechts einig, unterscheiden sich aber in der Doktrin der Jurisprudenz. Ausserdem wirft der Salafismus den Taliban vor, Erneuerer zu sein», sagt El Ghazzali. «Das Ressentiment gegen den Ungläubigen bringt sie aber zusammen.»
Der Genfer Verein wurde gemäss El Ghazzali 2013 in der Türkei gegründet und erst 2014 in Genf offiziell registriert. Wie er sich finanziert ist unklar. Gemäss Handelsregister kann er Mitgliederbeiträge, Spenden und Einnahmen aus Leistungen entgegennehmen.

Extremist an der Spitze

Der derzeitige Präsident des Vereins ist Hassan Kettani, ein extremer Islamist, der in Verbindung mit den Terroranschlägen von 2003 in Casablanca verhaftet wurde. Im arabischen Frühling wurde er begnadigt. Er gilt als einer der Geistlichen des salafistischen Dschihadismus und hat wiederholt gegen Säkularisten in Marokko agitiert. 2018 wehrte er sich zum Beispiel dagegen, dass Frauen in Marokko islamisches Recht studieren können. Das sei gegen die Scharia. Kettani ist in Marokko eine prominente Figur.
Kacem El Ghazzali befürchtet, dass die Genfer Behörden gar nicht wüssten, um was für eine Vereinigung es bei der Liga handle. Man dürfe islamische Vereine nicht unter Generalverdacht stellen, aber die Behörden müssten überprüfen, wer sich da bei ihnen registriert. So ein extremistischer Verein würde sich in Marokko nicht registrieren können, sagt El Ghazzali. Eine Stellungnahme der Genfer Behörden steht noch aus.

Weltweites Netzwerk

Der Verein aus Genf ist Teil der Internationalen Union Muslimischer Gelehrter, die gemäss eigenen Angaben 90’000 Gelehrte vereint und ebenfalls den Taliban gratulierten und ihnen bei der Einführung der Sharia behilflich sein wollen: «Wir sind bereit, die Gelehrten Afghanistans zu empfangen und zu ihnen zu gehen, und wir sind bereit, uns überall mit ihnen zu treffen, um Fragen des Islam zu erörtern und das islamische Recht auf bestmögliche Weise umzusetzen.»
«Die Taliban und vor ihnen die Mudschaheddin», schreibt der Verein weiter, «trugen das Banner der islamischen Scharia, und sie alle schworen und schwören noch immer, dass die Scharia ihr Land und ihr Himmel und ihr Mittel und ihr Dach ist.»

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